Riesen-Aufregung bei den Winter-Paralympics in Italien! Die Eröffnungsfeier wird zur Enttäuschung für die deutschen Athleten. Und das hat gleich mehrere heftige Gründe.
Eklat bei Paralympics-EröffnungDeutsche Stars dürfen nicht einmarschieren

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Das olympische Dorf in Cortina.
Eine deutsche Fahne? Die sucht man im Paralympischen Dorf in Cortina d'Ampezzo vergeblich. Erst ganz hinten auf dem Gelände weisen schwarz-rot-goldene Wimpelketten den Weg zu den Unterkünften von Alpin-Star Anna-Lena Forster und ihren Kollegen. „Das Dorf in Cortina ist schön. Es gefällt allen. Man fühlt sich wie auf dem Campingplatz. Wenn man die Mobile Homes verlässt, ist man direkt draußen“, heißt es aus der deutschen Mannschaft.
Zwar wird die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier der 14. Winter-Paralympics am Freitagabend (20.00 Uhr/ZDF) im historischen Amphitheater in Verona wehen. Sie wird aber nicht, wie es sonst üblich ist, von einem Athleten-Duo ins Stadion gebracht. Ausgerechnet zum 50. Jubiläum der Spiele für Sportler mit Handicap wird keine Nation mit ihren Aktiven einlaufen. Stattdessen werden die Fahnenträger lediglich per Video auf einer Leinwand präsentiert, während Helfer die Flaggen hineinbringen.
Protest und Logistik: Die wahren Gründe für den Eklat
Offiziell sei das Ziel, „Einheitlichkeit zwischen den Delegationen zu gewährleisten“, erklärte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Als Begründung werden logistische Aspekte angeführt – insbesondere die weiten Anfahrtswege zwischen den Austragungsorten Mailand, Cortina, Tesero und Verona. Viele Delegationen hätten aufgrund von Wettkämpfen am nächsten Tag keine Sportler zur Zeremonie geschickt, wurde mitgeteilt.

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Andrew Parsons, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees.
Die ganze Wahrheit ist das aber nicht: Als Reaktion auf die Erlaubnis für russische und belarussische Athleten, unter eigener Flagge zu starten, hatten diverse Länder – Deutschland eingeschlossen – ihren Verzicht auf den Einmarsch angekündigt. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) wird deshalb nur durch Verbandspräsident Hans-Jörg Michels und Ehrenpräsident Friedhelm Julius Beucher in der Arena repräsentiert.
Forster, die vor vier Jahren in Peking die deutsche Fahne getragen hatte, äußerte im dpa-Gespräch ihr Bedauern, dass sie nicht wie bei ihren drei vorherigen Winter-Paralympics bei der Eröffnungszeremonie einlaufen kann. „Für mich war das immer eine große Motivation, dort einzulaufen und die ganze Atmosphäre und Euphorie mit aufzusaugen“, erklärte die vierfache Paralympicssiegerin.
Spiele erneut im Schatten von Krieg und Krisen
Während die 30-Jährige bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel fleißig trainierte, stattete auch IPC-Präsident Andrew Parsons dem Paralympischen Dorf in den Dolomiten einen Besuch ab. Der Brasilianer muss sich in Italien nicht nur mit der sportlerlosen Eröffnung befassen, sondern wieder einmal auch mit den globalen Krisen. Im Nahen und Mittleren Osten fallen aktuell Bomben und Drohnen. Und auch der Krieg Russlands in der Ukraine, der seit vier Jahren andauert, geht weiter.

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Die Eröffnungsfeier findet ohne Athleten als Fahnenträger in Verona statt.
„Wirklich ärgerlich, dass eine neue Krise ausgebrochen ist und es irgendwie jedes Mal das Thema ist vor den Spielen und nicht der Sport im Vordergrund steht“, äußerte die nordische Paralympicssiegerin Anja Wicker vor ihrer vierten Teilnahme an den Paralympics gegenüber der dpa. „Aber für mich ist der Fokus jetzt hier auf dem Sport, nachdem ich vier Jahre hart darauf hingearbeitet habe.“
„Tricky“ Bedingungen im nordischen Stadion
Die 34-Jährige und ihre Kollegen müssen sich in Tesero außerdem mit dem alles andere als idealen Wetter auseinandersetzen. Bei Temperaturen um die Zehn-Grad-Marke und viel Sonne wirkte das Langlaufstadion überhaupt nicht winterlich. „Es war heute tatsächlich ganz okay. Man merkt, dass die Nacht kälter und klar war. Für 11.00 Uhr ist es jetzt noch recht gut. So gut war es gestern nicht. Am Samstag würde ich das so nehmen“, kommentierte Wicker.

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Ein Helfer präpariert die Strecke in Tesero.
Als Gesamtweltcupsiegerin im Para-Biathlon zählt sie zu den Favoritinnen, ist sich aber der schwierigen Verhältnisse bewusst: „Nur ein Grad wärmer nachts und wir haben die Suppe schon um 10.00 Uhr. Es wird ganz tricky werden, aber da müssen alle durch.“ Ihr Ziel formuliert sie trotzdem klar: „Natürlich will ich eine Medaille gewinnen. Aber keine Ahnung, was meine Leistung hier bei den Bedingungen wert ist und wie die anderen so zurechtkommen“, meint Wicker.
Deutsches Ziel: Top sechs trotz starker Konkurrenz
Eine offizielle Medaillenvorgabe existiert für Team D nicht, das mit 40 Sportlern und acht Guides antritt und damit das zweitgrößte deutsche Aufgebot in der Geschichte der Winter-Paralympics stellt. Der DBS strebt jedoch einen Rang unter den besten sechs Nationen an. „Natürlich wollen wir sportlich in der absoluten Weltspitze dabei sein“, erklärte der DBS-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska. Vor vier Jahren in Peking erreichte Deutschland im Medaillenspiegel den siebten Platz und holte 19 Medaillen, genauso viele wie zuvor in Pyeongchang.
Allerdings ist die internationale Konkurrenz gewaltig – sowohl nordisch als auch alpin. Insbesondere China hat auch im Wintersport – vor allem durch die Austragung der Spiele 2022 – eine beeindruckende Entwicklung vollzogen und sich mit 61 Medaillen (18x Gold, 20x Silber, 23x Bronze) bei 78 Wettbewerben an die Spitze gesetzt. Auf Rang zwei des Medaillenspiegels kam vor vier Jahren die Ukraine mit 29 Medaillen, dahinter folgte Kanada mit 25 Stück Edelmetall.
(red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

