Formel 1 mit Not-Paket: Verstappen bleibt skeptisch
Verstappen rechnet abWeltmeister mit knallhartem Urteil zu den neuen F1-Regeln

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Die Regelanpassungen findet Max Verstappen zumindest nicht ganz verkehrt.
Max Verstappen ist alles andere als angetan. Nach einer fünfwöchigen Unterbrechung und endlosen Diskussionen über das neue Regelwerk meldet sich die Formel 1 in Miami mit einem Notfall-Paket zurück. Der Red-Bull-Star aus den Niederlanden erwartet jedoch keine grundlegende Veränderung des Rennsports. Verstappen würdigt aber die Bemühungen. Wenigstens etwas.
„Die Formel 1 ist ein sehr komplexer und politischer Sport. Ich glaube, jeder hat sein Bestes gegeben, um wenigstens etwas zu tun, aber natürlich wird das die Welt nicht verändern“, äußerte Verstappen im Vorfeld des Grand Prix in Florida am Sonntag (22.00 Uhr MESZ/RTL und Sky).
Verstappen zieht den „Mario Kart“-Vergleich
Der viermalige Weltmeister hatte die Regel-Umwälzung für diese Saison heftig attackiert und das aktuelle Renngeschehen mit dem Videospiel „Mario Kart“ gleichgesetzt. „Es macht mir im Moment keinen Spaß, dieses Auto zu fahren“, gestand Verstappen, dessen Red Bull bei den ersten drei Saisonläufen chancenlos war.
Der 28-Jährige gilt als Vollblut-Rennfahrer, fühlt sich aber seit Saisonstart massiv ausgebremst. Der Grund dafür ist, dass die Piloten in den neuen Boliden während eines Rennens ständig die Batterie verwalten müssen. Die Antriebseinheiten erhalten ihre Kraft zu gut 50 Prozent vom Verbrennungsmotor und zu beinahe 50 Prozent aus dem Akku, der eine Wiederaufladung benötigt. Im Cockpit dominiert die Strategie über den Instinkt.
Fahrer wollen am Tisch der Bosse mitreden
Wenigstens haben Verstappen und seine Fahrerkollegen das Gefühl, Gehör zu finden. „Das Positive ist, dass wir einige gute Gespräche mit der Formel 1 und der Fia geführt haben. Das ist hoffentlich eine gute Basis für die Zukunft“, so Verstappen, der zukünftig ein größeres Mitspracherecht bei Regel-Themen anstrebt. „Wir haben ein gutes Verständnis und ein gutes Gespür dafür, was nötig ist, um die Formel 1 zu einem guten Produkt zu machen, zu einem Produkt, das Spaß macht.“

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Lewis Hamilton wünscht sich mehr Mitsprache der Fahrer.
Die Reform, die seit diesem Jahr in Kraft ist, wurde maßgeblich von den Motoren-Produzenten vorangetrieben. Diese Ansicht teilt auch Rekord-Weltmeister Lewis Hamilton. „Sprecht mit uns, wir arbeiten Hand in Hand“, forderte der Star von Ferrari, der die neuen Bestimmungen anders als Verstappen nicht verteufelt. „Wir haben derzeit keinen Platz am Verhandlungstisch, das muss sich aber ändern.“
Debatten wie bei der EU
Das Ringen um Vorschriften und deren Anpassungen ist langwierig. Jan Monchaux, Technik-Chef für die Monoposti beim Weltverband Fia, zog einen Parallelismus zum Entscheidungsprozess der EU. Dort verfolgen 27 Mitgliedsstaaten ihre eigenen Agenden, bevor am Schluss ein Kompromiss steht.
„Warum war ich fünf Tage auf Gran Canaria?“, warf der Franzose nach den aufreibenden Verhandlungen mit den fünf Motorenlieferanten und insgesamt elf Rennställen über Optimierungen rhetorisch in den Raum. Dies geschah bei einem Medientermin vor dem vierten Saison-Grand-Prix. „Es ist mühsam. Da sitzen nur Ingenieure. Und der Ingenieur meint immer, er hat die Lösung.“
Die Abteilung von Monchaux erhielt die Anweisung, während der wegen des Iran-Kriegs auf fünf Wochen verlängerten Formel-1-Unterbrechung Verbesserungen umzusetzen. Insbesondere bei der Qualifikation und der Sicherheit. „Wir hatten alle die Pistole am Kopf“, kommentierte Monchaux die unmissverständliche Vorgabe der Chefs.
Ist der Vorlauf zu knapp?
Der zeitliche Rahmen war jedoch extrem begrenzt. Ein Notfall-Paket, wie es jetzt binnen drei Wochen verabschiedet wurde, bräuchte gewöhnlich eine Vorlaufzeit von drei bis vier Monaten. Aus diesem Grund ist beispielsweise die neue Software nicht so getestet, wie es die Fia bevorzugt hätte.

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Wie wird das Racing in Miami? (Archivbild)
Diese Anpassungen sollen zur Unterhaltung der Zuschauer für mehr Aufregung und überlegenes Racing sorgen und umfassen die Qualifikation, das Rennen, die Starts sowie nasse Streckenverhältnisse.
Bei der Jagd nach Startplätzen wird beispielsweise die Energiemenge, die pro Runde maximal rekuperiert werden kann, von acht auf sieben Megajoule verringert. Dies soll den Piloten erlauben, häufiger mit Vollgas zu fahren. Zusätzlich wurde die Obergrenze des sogenannten Superclippings von 250 kW auf 350 kW angehoben. In diesem Modus, einfach erklärt, können Fahrzeuge Energie zurückgewinnen, während der Pilot das Gaspedal durchdrückt.
„Die Formel 1 und die Fia sind keine Dummköpfe“
Im Wettkampf selbst können die Fahrer zukünftig über den Boost-Knopf lediglich 150 kW extra abrufen. Bisher waren es 350 kW. Auf diese Weise sollen die Tempodifferenzen bei Überholmanövern verkleinert und im Gegenzug die Sicherheit gesteigert werden. „Ich glaube, wir haben das Qualifying deutlich verbessert und die Risiken im Rennen deutlich reduziert“, äußerte Monchaux, der jedoch bereits jetzt von weiteren Optimierungen ausgeht.
Einige Piloten merkten an, dass im Simulator kaum fundamentale Veränderungen spürbar gewesen seien. „Allein die Regeländerungen werden die Rangordnung nicht umwerfen, dafür waren die Korrekturen einfach zu gering“, befand McLaren-Fahrer Oscar Piastri.
George Russell, der Vorsitzende der Fahrergewerkschaft und aktuelle WM-Zweite, empfand die Beanstandungen an den Regeln und am Weltverband als übertrieben, da Piloten egoistisch ihre eigenen Ziele verfolgen würden. „Die Wahrheit ist: Die Formel 1 und die Fia sind keine Dummköpfe“, sagte der Fahrer von Mercedes. „Sie wissen, was sie tun, und die Fans lieben die Rennen derzeit. Ob zu Recht oder zu Unrecht: Die Rennen sind spannend.“ Es bleibt abzuwarten, ob das Notfall-Paket bereits in Miami Wirkung zeigt. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
