WM-Chaos um Fabio Cannavaro! Der Weltmeister muss als Krisenmanager ran und kämpft mit Usbekistan um seine Trainer-Karriere.
„Richtige Abwärtsspirale“Weltmeister Cannavaro über seine Trainer-Krise und die WM-Chance

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Fabio Cannavaro wurde als Spieler 2006 Weltmeister. (Archivbild)
Kaum am ersehnten Ort eingetroffen, fand sich Fabio Cannavaro direkt in der Rolle des Schlichters wieder. Der Grund: Usbekistans Nationalkicker wurden bei ihrer Ankunft zur allerersten WM-Teilnahme von Sicherheitskräften und sogar Spürhunden in Empfang genommen. Im Netz sorgte das sofort für einen riesigen Aufschrei. Der welterfahrene Coach beschwichtigte daraufhin die Gemüter: „Das waren Routinekontrollen. Es gibt keinen Skandal. Es war sehr respektvoll.“
Cannavaro, der seit vergangenem Oktober die Verantwortung für die usbekische Mannschaft trägt, hatte vor dem ersten WM-Spiel seiner Jungs eine zentrale Botschaft. Für die Auftaktpartie in der Nacht auf Donnerstag (4.00 Uhr/MagentaTV) gegen Kolumbien gab er ihnen vor allem eines mit. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie nichts zu verlieren haben“, erklärte der 52-Jährige. „Sie sollen es einfach genießen. Die Möglichkeit zu haben, bei einer WM zu spielen, ist nicht alltäglich.“
Cannavaros Hoffnung: Mehr als nur die Gruppenphase
In einer Gruppe mit Gegnern wie Kolumbien, Portugal und der DR Kongo hegt Cannavaro trotzdem die leise Hoffnung, als Gruppendritter vielleicht doch noch die K.o.-Runde zu erreichen. Für den Champion von 2006 wäre das ein wichtiger persönlicher Erfolg.

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Fabio Cannavaro war bei Zinédine Zidanes berühmtem Kopfstoß im WM-Finale 2006 dabei. (Archivbild)
Seine bisherige Karriere als Coach ist nämlich eine echte Achterbahnfahrt. Er hatte bereits Jobs in China, Saudi-Arabien, Italien und Kroatien. Mit Usbekistan coacht er nun seine neunte Mannschaft innerhalb von elf Jahren. „Es gab Möglichkeiten und dann wurde ich ungeduldig. Ich kann einfach nicht stillsitzen“, sagt Cannavaro dazu. „Ich hätte gern einen 'normalen' Weg genommen, aber den gab es nicht. Ich dachte immer: Wenn du die Chancen jetzt nicht wahrnimmst, hockst du nur noch zu Hause rum.“

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Torjäger und Kapitän: Eldor Shomurodov. (Archivbild)
Besonders seine letzten drei Engagements in Europa waren nur von kurzer Dauer. Diese Misserfolge kratzten am Ego des früheren Weltklasse-Abwehrspielers. „Ich war in einer richtigen Abwärtsspirale, habe mich entmutigt gefühlt“, blickt er zurück. Als Spieler wurde er bei Top-Klubs wie Inter, Juventus und Real Madrid bejubelt, doch als Coach gelang ihm der große Wurf bisher nicht: „Ich dachte mir, wie ist das möglich?“
Usbekistan als Sprungbrett zurück nach Europa?
Und dann meldete sich der usbekische Verband. „Er ist ein absoluter Fachmann, einer der besten Verteidiger seiner Generation und war dreimal bei einer WM“, wurde in der Mitteilung des Verbands gelobt. Der entscheidende Punkt für Cannavaro war die bereits gesicherte WM-Qualifikation: „Das war für mich unbezahlbar“, erklärt er.
Er sah außerdem eine junge Mannschaft, die vielversprechend war. So zog er für eine Weile nach Taschkent. Dort lernte Cannavaro die Einstellung der usbekischen Spieler kennen und schätzen, die ihn an seine eigene Zeit als Aktiver erinnert: „Usbeken sind zäh und geben niemals auf. Gegen sie zu spielen, ist eine echte Qual.“

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Abwehrspieler Abdukodir Khusanov von Manchester City (l) ist der wertvollste Profi im Kader. (Archivbild)
Cannavaro spricht zwar immer wieder von seinem jungen Team, doch ein genauerer Blick auf den Kader zeichnet ein etwas anderes Bild. Über ein Viertel der nominierten Spieler hat die 30 bereits überschritten. Keeper Utkir Yusupov ist 35 Jahre alt und der Star der Mannschaft, Kapitän und Stürmer Eldor Shomurodov, ist ebenfalls 30. Angeführt wird die junge Garde vom 22-jährigen Abdukodir Khusanov, der bei Manchester City unter Vertrag steht und als wertvollster Akteur gilt.
Sollte die WM allerdings in einem Desaster enden, könnte Cannavaros Zeit in Usbekistan rasch zu Ende gehen. Er betrachtet das Turnier zwar nur als Testlauf für den Asien-Cup 2027, doch bis dahin könnte er seinen Job schon wieder los sein. Dieser Druck ist dem Coach bewusst. Sein großer Traum liegt aber ohnehin in seiner Heimat: „Ich hoffe, dass ich eines Tages nach Italien zurückkehren und meine Qualitäten dort beweisen kann.“ (dpa/red)
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