Thomas Tuchel soll England zum WM-Titel führen. Doch der Druck ist riesig und schon vor dem Start hagelt es Kritik.
Tuchels kniffligste MissionDer Ex-Bayern-Coach soll England nach 60 Jahren zum Titel führen

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Tuchel hat eine heikle Mission vor sich.
Ein ganzes Land wartet auf den Pokal, die Erwartungen sind riesig. Für den deutschen Coach Thomas Tuchel (52) beginnt die wohl härteste Aufgabe seiner Karriere: Er soll die „Three Lions“ zum WM-Triumph coachen. Aber schon vor dem ersten Spiel ist die Stimmung angespannt.
Thomas Tuchel ist in seiner Laufbahn als Trainer durch die Hölle und zurück gegangen. Er trotzte beim FC Bayern dem Dauerkritiker Uli Hoeneß und muss auch heute noch dessen Sticheleien ertragen. Mit den Profis von Borussia Dortmund überstand er einen Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus und lenkte den FC Chelsea aus dem Nichts zum Champions-League-Triumph.
Doch die Aufgabe, die für Tuchel am Mittwochabend (22.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Arlington, Texas, gegen Kroatien startet, ist sportlich seine bisher größte Herausforderung. Der 52-Jährige aus dem kleinen bayerischen Ort Krumbach soll England zum ersten Weltmeistertitel seit 60 Jahren verhelfen – mit einem Kader im Milliardenwert und einem nervösen Umfeld, das alles außer dem Pokalgewinn als Scheitern verbuchen würde.

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Kapitän und Chef: Kane und Tuchel kennen sich aus München. (Archivbild)
Vertrag nur auf dem Papier sicher
Exakt 21.904 Tage werden die Three Lions seit dem Triumph von Wembley 1966 gewartet haben, wenn am 19. Juli in East Rutherford bei New York das Finale der gigantischen 48-Team-WM stattfindet. «Wir sind nicht die Topfavoriten. Das können wir auch gar nicht sein, denn wir haben den Titel schon seit so, so vielen Jahren nicht mehr gewonnen», äußerte sich Tuchel.
Die Schwierigkeiten mit dem immer kritischen englischen Umfeld erlebte Tuchel schon während der Qualifikation. Mit acht Erfolgen und 22:0 Toren schlossen Harry Kane und seine Kollegen die Gruppe perfekt ab. Das hielt Medien, Experten und frühere Spieler aber nicht davon ab, den Mann, der das Amt von Gareth Southgate übernahm, permanent zu kritisieren und mit Ratschlägen zu versorgen.
Noch lauter wurde die Kritik nach Tuchels Kader-Entscheidung – der Verzicht auf bekannte Spieler wie Phil Foden und Cole Palmer zur Stärkung des Mannschaftsgeistes löste beim deutschen Trainer einen Sturm der Empörung aus.
Tuchel hat bereits vor der Weltmeisterschaft seinen Kontrakt bis zur Europameisterschaft 2028 im eigenen Land ausgedehnt. Aber wie es bei den großen Fußballnationen üblich ist, hängt die Fortsetzung der Zusammenarbeit vom Abschneiden bei der WM ab. Sollte England mit diesem Team früh aus dem Turnier in Amerika ausscheiden, ist die Vertragsdauer das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Dann gäbe es für Tuchel keine weitere Perspektive als Englands Cheftrainer.

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Wieder nicht: England verlor große Finals in London und Berlin. (Archivbild)
Auf diese Stars baut Tuchel
Insbesondere Bayern-Profi Harry Kane, der eine Menge Erfahrung mitbringt, trägt als Kapitän und klarer Anführer der Mannschaft die Hoffnungen. Der 32-Jährige hat Wayne Rooney als besten Torschützen der Nation längst überholt. Kane stand in zwei EM-Endspielen und erlebt seit seinem Wechsel nach München im Sommer 2023 die beste Phase seiner Laufbahn.
Daneben ist Declan Rice vom FC Arsenal im defensiven Mittelfeld eine Schlüsselfigur. Auch die Genialität von Jude Bellingham von Real Madrid, der England 2024 mit einem Fallrückzieher vor einem frühen Aus im Achtelfinale gegen die Slowakei rettete, benötigt die Mannschaft. Abseits dieser zentralen Achse bleibt vieles ungewiss, da Tuchel in den anderthalb Jahren seit seinem Amtsbeginn enorm viel getestet hat.
Tuchels Genie und schneller Erfolg
Niemand stellt dabei Tuchels Fachwissen infrage. Legendär ist die Anekdote, wie er im Edel-Restaurant Schumann's mit Pep Guardiola Salz- und Pfefferstreuer verschob, um taktische Formationen zu demonstrieren. Tuchel war stets ein Coach für raschen Erfolg: Er gewann mit Dortmund schnell den DFB-Pokal, mit Chelsea auf Anhieb die Champions League und zog mit Paris Saint-Germain ins Finale der Königsklasse ein.
Was für den Titel spricht
Auch dieses Mal ist das Talent im Kader herausragend. Alle zentralen Spieler sind bei internationalen Spitzenklubs aktiv und besitzen reichlich Erfahrung auf den größten Bühnen. Die Anführer Kane und Rice reisen mit starken Leistungen aus ihren Vereinen an. Das Team musste in der Zeit unter Tuchels Vorgänger Gareth Southgate bittere Niederlagen einstecken und wirkt in seiner aktuellen Form bereit für den ganz großen Erfolg.

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Endlich eine Trophäe? Englands Fans sind in freudiger Erwartung. (Archivbild)
Was gegen den Titel spricht
Die hohen Sommertemperaturen an Austragungsorten wie Miami, Arlington oder East Rutherford könnten jedoch anderen Teams eher zugutekommen. Englands Defensive wirkt nach diversen Experimenten von Tuchel nicht hundertprozentig abgestimmt. Um den Titel zu holen, müsste Tuchel obendrein die WM-Geschichte neu schreiben: Bislang konnte noch kein Trainer den Titel holen, der nicht aus dem Land seiner Spieler stammte.
So knifflig wird der Weg
Nach dem Gruppenstart gegen den WM-Dritten Kroatien stehen Partien gegen die Underdogs Ghana und Panama an. Das Erreichen der nächsten Runde ist eine Pflichtaufgabe. Als Gruppenerster ginge es im Sechzehntelfinale gegen einen der Gruppendritten und im Achtelfinale gegen Gastgeber Mexiko im Aztekenstadion. Erst im Anschluss würde – etwa mit Rekordweltmeister Brasilien – voraussichtlich das erste Schwergewicht warten.
Sollten die Three Lions nur den zweiten Platz belegen, droht bereits in der Runde der letzten 32 ein Aufeinandertreffen mit Portugal oder Kolumbien. Und ein Match gegen Topfavorit Spanien könnte dann im Achtelfinale folgen. Für Tuchel und seine Elf ist es daher von größter Wichtigkeit, in der machbaren Gruppe den ersten Platz zu sichern.

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Wer ist Tuchels Kern? So genau kann man das nicht sagen. (Archivbild)
Der Pfad zum WM-Pokal ist voller Stolpersteine und der Erwartungsdruck gewaltig. Für Thomas Tuchel wird es die ultimative Bewährungsprobe seiner gesamten Karriere. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
