Nach der umstrittenen Aufhebung der Rot-Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun gerät auch Englands Trainer Thomas Tuchel schwer ins Grübeln.
WM-EklatTuchel nach England-Sieg ratlos: „Wie weit geht das jetzt?“
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Der Fall Balogun sorgt für Schlagzeilen: Der US-Profi sah im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte, weil er dem Gegner Tarik Muharemovic auf den Fuß trat.
VAR, Schiedsrichter – alle waren sich einig: Das ist Rot. Nach Fifa-Regeln müsste Balogun für das kommende Achtelfinale gegen Belgien (Dienstag, 2 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) gesperrt sein.
Thomas Tuchel über Fifa-Eingriff: „Auf welcher Grundlage?“
Doch am Sonntagabend passierte das Unerhörte. Die Fifa setzte die Sperre aus. Der Grund nach Medienberichten: Trump rief Infantino an und bat um eine Überprüfung. Und der Fifa-Chef lieferte.
Nach Englands 3:2-Sieg gegen Mexiko im WM-Achtelfinale äußerte sich auch Tuchel dazu: „Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war.“
Der englische Trainer fragte dann in die Runde: „Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben.“
Tuchel wurde nachdenklich und auch sarkastisch: „Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist?“ Auf die Frage eines Journalisten, ob man vielleicht Trump fragen sollte, antwortete der Deutsche trocken: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“
Klar ist: Mit Trumps möglichem Eingreifen erlebt die WM einen handfesten Eklat. Der US-Präsident postete triumphierend auf Truth Social: „Danke an die Fifa dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!“
Belgien dagegen ist außer sich. Trainer Rudi Garcia sagte spöttisch: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der Fifa dem 1. April entspricht.“ Später betonte er: „Der belgische Verband verteidigt den Fußball. Es geht um Integrität.“
Auch die belgische Politik mischt sich ein. Sportministerin Jacqueline Galant schrieb auf X gar eine Kampfansage: „Wahre Stärke liegt darin, mit Fairplay zu gewinnen. Genau das wird Belgien tun.“ Die Oppositionspartei PS war hingegen deutlicher: „Schämt euch! Wenn Geld die Fäden zieht, verliert die WM jede Glaubwürdigkeit.“
Eine detaillierte Begründung für die ungewöhnliche Entscheidung blieb aus. Weder die Fifa noch das Weiße Haus kommentierten den Trump-Anruf offiziell.
Das Achtelfinale zwischen den USA und Belgien steht am Dienstag (2 Uhr) an. Balogun wird spielen – und damit bleibt Tuchels Frage in der Luft: Wie weit geht das jetzt wirklich? (oke/dpa)

