Abo

Das Wolfsburger WischiwaschiLegende Klaus Allofs erklärt das Chaos beim reichen Volkswagen-Klub

Die VW-Stadt Wolfsburg

Copyright: picture alliance / dpa

Die VW-Stadt Wolfsburg: im Vordergrund die Volkswagen-Arena, dahinter das Volkswagen-Werk.

Wolfsburg vor dem Abstieg: Was lief bei den Wölfen schief?

Abstiegskampf-Krimi in Wolfsburg! Der VW-Klub zittert vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit. Aber wie konnte das passieren? Immerhin flossen innerhalb von drei Jahren unfassbare 180 Millionen Euro in den Kader.

Am letzten Spieltag ist die Hölle los. Für den Tabellen-16. aus Wolfsburg geht es beim punktgleichen Schlusslicht FC St. Pauli (Samstag, 15.30 Uhr) um die nackte Existenz. Eine Niederlage bedeutet den direkten Abstieg. Bei einem Sieg oder Remis richtet sich der Blick bang nach Heidenheim, wo Mainz 05 spielt. Für die „Wölfe“ ist maximal die Relegation gegen den Dritten der 2. Bundesliga erreichbar. Sportdirektor Pirmin Schwegler spürt den Gegenwind: „Ich glaube, dass am Samstag nicht nur ein Stadion gegen uns ist. Sondern viele in Deutschland.“

Zwölf Trainer in zehn Jahren

Die Zahlen sind ein Offenbarungseid: Der Schweizer ist schon der fünfte Sportchef innerhalb der letzten Dekade, Dieter Hecking sogar der zwölfte Coach. Einer, der das Problem beim Namen nennt, ist Klaus Allofs (61). Er war auch mal am Ruder, lotste Hecking 2012 nach Wolfsburg und gewann 2015 den DFB-Pokal. Sein Urteil nach 25 Jahren im Geschäft ist vernichtend: Dem Klub fehlt „Eine klare Strategie!“

Klaus Allofs und Dieter Hecking beim VfL Wolfsburg

Copyright: picture alliance / dpa

Pokalsieger 2015: Der damalige Wolfsburger Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking (r).

„In dieser Saison passt vieles nicht zusammen. Die Zusammensetzung des Kaders, die Geschlossenheit“, sagte der frühere Nationalspieler der dpa. „Es muss immer ein gemeinsames Ziel geben. Und das ist vielleicht etwas, das man in den letzten Jahren beim VfL nicht mehr so klar herausgearbeitet hat.“

Allofs holte Stars, heute herrscht Wischiwaschi

Unter Allofs war die Devise einfach: Für die Champions League braucht man Spieler mit Format. So kamen Top-Leute wie Kevin De Bruyne oder André Schürrle. Sein Nach-Nachfolger Jörg Schmadtke setzte auf Talente wie Felix Nmecha, die mit Gewinn verkauft wurden – auch das ein klares Konzept, das 2021 in die Königsklasse führte. Und heute? Unter dem entlassenen Geschäftsführer Peter Christiansen wurde ein wilder Mix verpflichtet: Von Manchester United kam Christian Eriksen, vom SC Paderborn Aaron Zehnter und aus Englands zweiter Liga Vinicius Souza. Ein Plan war nicht zu erkennen, auch bei den Trainern, die zwischen Umschalt- und Ballbesitzfußball wechselten.

Klar, die goldenen Jahre sind vorbei. Die VfL Wolfsburg Fußball GmbH kassiert von ihrem Mutterkonzern VW jährlich eine Summe zwischen 70 und 80 Millionen Euro. Im Liga-Vergleich reicht das Geld nur noch für einen Platz im Bereich von sechs bis acht. In der Ära Allofs war der Klub finanziell noch die Nummer drei.

Was macht VW im Abstiegsfall?

Doch in der Stadt Wolfsburg gibt es aktuell weitaus größere Probleme als den möglichen Fall des Fußballteams. Der Volkswagen-Konzern selbst befindet sich in einer ernsten Schieflage, was sich in schlechten Geschäftszahlen und gefährdeten Jobs äußert. Daher stellt sich die entscheidende Frage: Hält VW dem Verein auch die Treue, sollte er nur noch in der zweiten Liga kicken?

VW-Chef Oliver Blume

Copyright: Swen Pförtner/dpa

VW-Chef und VfL-Aufsichtsrat: Oliver Blume beim Spiel gegen Bayern München.

Die Reaktion darauf fällt eindeutig aus. Sebastian Rudolph, der als VW-Sprecher und Chef des VfL-Aufsichtsrats fungiert, gab dem NDR eine klare Zusage: „Der Volkswagen-Konzern steht fest zum VfL Wolfsburg. Der Volkswagen-Konzern erfüllt bestehende Verträge“. Man sichere eine finanzielle Basis zu, so Rudolph weiter, es gebe „liga-unabhängig eine finanzielle Stabilität, die wir liefern, die wir leisten“.

Die Verbindung zwischen Verein und Konzern ist heute sogar enger als beim Meistertitel 2009. Im Aufsichtsrat sitzen Top-Manager von VW, darunter Konzernchef, Aufsichtsrats-Chef und Betriebsrats-Chefin. Bei ihnen keimte nach den letzten Spielen wieder Hoffnung auf, den Abstieg noch abwenden zu können. Auch Ex-Manager Allofs ist optimistisch: „Die Situation sah eigentlich aussichtslos aus. Aber ich glaube, dass sie sich gedreht hat. Aktuell sind sie in einer besseren Verfassung als St. Pauli. Ich sehe das gar nicht so pessimistisch.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Die Spielerinnen des VfL Wolfsburg beim Abschlusstraining vor dem DFB-Pokalfinale in Köln.

Irre Logo-Panne in Köln

Wolfsburg mit zwei unterschiedlichen Wappen im Pokal-Finale