Am Ende kam die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sogar weiter als Felix Zwayer. Die WM verlief enttäuschend für den Berliner Schiedsrichter.
Nur zwei Einsätze in der VorrundeSchwache WM-Schiris – Fifa ignoriert Zwayer dennoch

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Felix Zwayer: Seine Verletzung bei der WM wird in Erinnerung bleiben.
Knut Kircher empfahl sich für den diplomatischen Dienst, als er den Frust seines Schützlings mit großer Zurückhaltung in Worte fasste.
„Natürlich möchte man als Sportler maximal viel erreichen und ist erstmal enttäuscht, wenn man trotz seiner Qualitäten nur zu zwei Spielen angesetzt wird“, kommentierte der deutsche Schiedsrichterboss gegenüber dem SID den deprimierenden WM-Verlauf für Felix Zwayer: „Auf der anderen Seite wird vermutlich dann nach etwas Zeit der Stolz und die Freude überwiegen, an solch einem Turnier dabei gewesen zu sein.“
WM-Viertelfinale als Vierter Offizieller reicht nicht als Trostpflaster
Bis im einzigen deutschen Endrunden-Referee solche Gefühle aufkommen, wird es wahrscheinlich noch lange dauern. Denn obwohl die Unparteiischen seit Beginn der entscheidenden Turnierphase immer wieder im Zentrum der Kritik standen, blieb Zwayer ein Auftritt in der K.o.-Runde verwehrt.
Mehr als zwei Einsätze in der Vorrunde waren für den Berliner bei seiner WM-Premiere nicht drin, die Rolle des Vierten Offiziellen beim Achtelfinale zwischen Spanien und Portugal (0:1) hat nicht einmal ansatzweise das Zeug zum Trostpflaster.
Der Ablauf muss als Ohrfeige für Zwayer im Speziellen und das deutsche Schiedsrichterwesen im Allgemeinen gewertet werden. Was im Camp der FIFA-Referees in Miami ablief, warum die Entscheider um Fifa-Schiriboss Pierluigi Collina kein Vertrauen in Zwayer hatten – all das blieb bisher im Dunkeln und sorgt für Unverständnis. Kircher lobte den 45-Jährigen dennoch.
„Wir sind als DFB Schiri GmbH sehr stolz auf die Leistung von Felix Zwayer und seinem Team bei dieser WM“, sagte der deutsche Chef: „Bastian Dankert ist als einer der erfahrensten Videoassistenten weltweit noch im Turnier und wir drücken ihm weiter die Daumen.“
Im Gegensatz zu Dankert lief es für Zwayer extrem bitter – nicht zum ersten Mal in seiner Karriere. Vor viereinhalb Jahren schritt Zwayer durch ein tiefes Tal, als seine Verstrickung in den Manipulationsskandal um Robert Hoyzer durch die Aussage des damaligen Dortmunder Stars Jude Bellingham erneut thematisiert und über Wochen mit großen Schlagzeilen versehen wurde. Aufgrund der heftigen Debatte in der Folge stand Zwayer kurz davor, seine aktive Karriere zu beenden.
Er ging diesen Schritt letztlich nicht, was Knut Kircher nachdrücklich begrüßte. Als „höchst verdient“ bezeichnete der deutsche Schiedsrichter-Chef vor der Endrunde die Nominierung seines Schützlings. „Er ist sehr professionell in seiner Einstellung auf und neben dem Platz“, sagte Kircher: „Er hat sehr, sehr hohe Grundlagen von Fitness, Regelkenntnis und Spielvorbereitung, das zeichnet ihn aus.“
Vor zwei Jahren wurde das auch international noch so gesehen – von der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Bei der Heim-EM bekam der Immobilienkaufmann gute Kritiken und durfte als Belohnung vier Partien leiten. Darunter das Halbfinale zwischen England und den Niederlanden (2:1).
Die Fifa sah Zwayer offensichtlich ganz anders. Und so wird die Verletzungspause des Referees bei seinem WM-Debüt in der Partie zwischen Co-Gastgeber USA und Australien (2:0) leider das Einzige bleiben, was von Zwayer nach der Endrunde in Erinnerung bleibt. (SID)
