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Interview

Sänger blickt zum Jubiläum zurückAls die Roten Funken uns aus dem Gürzenich geschmissen haben

Heinz-Günther Hunold umarmt Micky Nauber.

Copyright: Daniela Decker

Domstürmer-Frontmann Micky Nauber (r.) mit dem ehemaligen Rote-Funken-Präsidenten Heinz-Günther Hunold. Die Band stand lange beim Traditionskorps auf der Roten Liste.

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Die Domstürmer feiern ihr 20-jähriges Bestehen mit einem langen Konzerttag und vielen Überraschungen. Im Vorfeld blickt Frontmann Micky Nauber auf die bisherige Karriere der Band zurück.

Er ist einer der umtriebigsten Musiker der Stadt. Micky Nauber (50) ist nicht nur Sänger, sondern auch Produzent sowie Musikverleger und führt ein eigenes Plattenlabel. Im Mittelpunkt steht natürlich seine Band, die Domstürmer.

Unter dem Motto „Das Jubiläumsding“ wird am 18. Juli 2026 das 20. Jubiläum mit einem großen Open-Air-Konzert im Eltzhof gefeiert. Schon um 15 Uhr ist Einlass. Unter anderem ist auch King Loui dabei. Es ist das erste selbstorganisierte Open Air in der Bandgeschichte.

Domstürmer: „Das Jubiläumsding“ am 18. Juli 2026 im Eltzhof

Im Vorfeld sprach EXPRESS.de exklusiv mit Frontmann Micky Nauber über Pannen zu Beginn der Karriere und Wünsche für die Zukunft.

Micky, wolltest du schon immer Musiker werden?

Micky Nauber: Die Fußstapfen von Toni Schumacher waren mir einfach zu groß, daher bin ich Schlagzeuger und später Sänger geworden. Da meine Eltern nicht die Kohle für ein Schlagzeug oder Unterricht hatten, habe ich es mir selbst auf Kissen und Kartons beigebracht. Mit zwölf Jahren habe ich dann wöchentlich für einen Supermarkt Getränkekisten für fünf Mark die Stunde zu den Kunden nach Hause gebracht. Solange, bis ich 2500 Mark zusammenhatte und mir ein Schlagzeug kaufen konnte. Meine erste Gage verdiente ich 1985. Für die 120 Mark habe ich sofort ein weiteres Becken gekauft. Auch wenn ich auf der Bühne die Stöcke gegen ein Mikrofon getauscht habe, trommel ich im Studio immer noch alle unsere Nummern ein.

Die Domstürmer vor dem Auftritt in der Lanxess-Arena.

Copyright: Daniela Decker

Voller Vorfreude auf den 20. Bandgeburtstag: Micky Nauber und die Domstürmer.

Seit der Gründung der Domstürmer 2006 baumeln an deinem Mikrofonständer zwei rote Babyschuhe. Was steckt dahinter?

Micky Nauber: Es sind meine Glücksbringer. Sie erinnern mich an die Zeit, als mein Sohn Nick 2005 als Frühchen auf die Welt kam und wir nie wussten, was der nächste Tag bringen würde. Wir hatten ständig Situationen, die sehr eng waren. Als ich dann 2006 die Domstürmer gegründet habe, habe ich mir geschworen, nur noch das zu machen, was mir mein Herz sagt. Diese Schuhe sagen mir immer wieder, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Mein Sohn ist der Grund, dass ich den Mut habe, im Leben loszulassen, auch wenn ich nur eine einprozentige Chance habe, heil am Boden anzukommen.

Verrückt war der Sommer der Fußball-EM 2008, wo ihr beim Public Viewing an der Lanxess Arena gespielt und die Premiere eurer legendären Straßenbahnkonzerte gefeiert habt.

Micky Nauber: Das war eine Zeit, die war einfach der totale Wahnsinn für uns. Uns gab es erst seit zwei Jahren und wir durften in der Arena vor 18.000 Menschen spielen. Draußen waren es sogar an die 25.000 Fußballbegeisterte. Gleichzeitig feierten unsere Straßenbahnkonzerte Premiere. Als wir um 12 Uhr losfahren wollten, hatte die Bahn zunächst einen technischen Defekt. Wir haben dann das erste Zweistunden-Konzert gespielt. Danach wurde ein Zwischenstopp eingelegt, um das Publikum auszutauschen. Nach dem zweiten Konzert mussten wir in die Arena, weil dort der nächste Public-Viewing-Auftritt anstand. Wir sind wie die Bescheuerten vom Neumarkt zur Arena gerast. Nachdem wir draußen alles aufgebaut hatten, rief einer, dass der Auftritt doch in der Halle geplant sei. Ich weiß nicht, wie wir es geschafft haben, aber wir haben alles gegeben und die Arena bebte vor Stimmung.

Micky Nauber sitzt bei einem Auftritt auf der Bühne.

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Für jeden Spaß zu haben: Micky Nauber und die Domstürmer zeigen auf der Bühne auch gerne ihre schauspielerischen Fähigkeiten.

Was war das für ein Gefühl, als Nachwuchsband vor solch einem Publikum zu spielen?

Micky Nauber: Für uns war das unglaublich, vor so vielen Leuten spielen zu dürfen und auch noch Erfolg zu haben. Als Dank hatten wir reservierte Plätze und durften uns noch das Spiel ansehen. Ich saß auf meinem Platz, das Deutschland-Spiel ging los und ich bin vor lauter Erschöpfung sofort eingeschlafen und habe das komplette Spiel verpennt.

Insgesamt 45 Straßenbahnkonzerte habt ihr gespielt. Da gab es doch bestimmt weitere verrückte Momente.

Micky Nauber: Zu den legendärsten Straßenbahnkonzerten zählen die, die zeitgleich mit dem CSD stattfanden. Nach dem ersten Konzert bei gefühlten 45 Grad in der Bahn wurde auf dem Neumarkt nicht nur das Publikum ausgetauscht, sondern auch eine neue Fahrerin übernahm die Tour. Wir schnappten noch nach frischer Luft, als plötzlich die Bahn ohne uns losfuhr. Wir standen 45 Minuten auf dem Neumarkt zwischen den Besuchern des CSD und waren fassungslos. Währenddessen hatten unsere Fans in der Bahn viel Spaß. Diese Konzerte haben mir gezeigt, dass die Leute nicht immer nur die Band sehen, sondern auch eine besondere Atmosphäre erleben wollen.

Micky Nauber sitzt im Studio am Klavier.

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Im Studio der Domstürmer bereitet Micky Nauber derzeit das Programm für das große Geburtstagskonzert vor.

In den Anfangsjahren habt ihr euch als den 1. FC Köln unter den kölschen Bands bezeichnet.

Micky Nauber: Wir galten zwar als Geheimtipp, aber wenn du damals nach Bläck Fööss, Höhner, Paveier, Brings oder Räuber aufgetreten bist, hattest du nichts zu gewinnen. Aber wir haben Stimmung in der Bude, eben wie der 1. FC Köln. Wir sind oft unter dem Radar geflogen. Das ist Fluch und Segen, aber das Spannende daran ist, dass wir immer punkten konnten.

Bei den Roten Funken konntet ihr aber als Newcomer nicht punkten.

Micky Nauber: Wir haben natürlich auch ein paar Bruchlandungen erlebt, wie unseren ersten Auftritt bei den Roten Funken im Gürzenich. Es war ein absolutes Desaster. Es war unsere erste Session 2007. Alles fing damit an, dass unser Techniker den Weg zum Gürzenich nicht kannte, wodurch wir fünf Minuten zu spät ankamen. Wir waren völlig verschwitzt und die Funken hatten wahrlich keinen Bock auf so fertige Typen wie wir. Beim Auftritt funktionierte die Technik nicht und unseren Keyboardständer hatten wir bei einem anderen Auftritt vergessen. Ein Techniker musste als Keyboardständer herhalten. Nach zweieinhalb Liedern reichte es dem Präsidenten. Er rief: „Danke! Wie heißen sie? Domstümper? Ausmarsch!“ Die totale Vollkatastrophe. Ich habe mit meinen Rockbands in den kaputtesten Läden gespielt. Überall haben wir die Bude abgerissen, und dann komme ich in diesen Kölner Karneval und erlebe, wie es ist, durch die Hölle zu gehen.

Micky Nauber steht auf der Bühne.

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Micky Nauber und die Domstürmer: Der Kontakt zum Publikum ist dem Frontmann immer besonders wichtig.

Wie lange hat es gedauert, bis die Domstürmer wieder bei den Roten Funken auf der Bühne stehen durften?

Micky Nauber: Sieben lange Jahre hatten uns die Roten Funken nicht mehr auf dem Schirm. Wir mussten uns unsere Position erst wieder mühsam erarbeiten. Man hat einfach gesagt: Wir haben euch eine Chance gegeben und die habt ihr versemmelt.

Hat diese Katastrophe etwas verändert?

Micky Nauber: Ich habe das, was ich aus dieser Vollkatastrophe gelernt habe, in den vergangenen 20 Jahren und bei über 5000 Auftritten nie vergessen. Ich erwarte von jedem im Team, dass er weiß, wo wir gerade sind, oder welcher Verein uns gebucht hat. Wer mich auf seine Bühne holt, bekommt immer 100 Prozent. Egal, ob es mir gut oder schlecht geht. Wir geben alles, egal ob es ein bezahlter oder ein unbezahlter Auftritt ist, ob da einer oder 10.000 Menschen stehen. Auch der zehnte Auftritt muss genau so sein wie der erste. Unser ganzer Respekt gilt dem Publikum.

Wie ging es musikalisch weiter?

Micky Nauber: Wir hatten relativ früh Lieder, die bundesweit recht erfolgreich waren. Das waren witzigerweise unsere B-Seiten. Die Nummer „Oberaffengeil“ wurde 2008 weit über eine Million Mal auf allen möglichen Samplern aufgerufen. Das war genauso ein großer Erfolg wie „Happy Weekend“ 2010, was eigentlich nur ein Witz war und nie veröffentlicht werden sollte. Ein Jahr darauf folgte „Mach dein Ding“ und 2014 „Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“. Unser größter Hit ist bis jetzt „Meine Liebe, meine Stadt, mein Verein“ aus dem Jahr 2012. Für den Song hatten wir sogar eine Anfrage von einem Bundesligaklub, der ihn umgeschrieben als Vereinshymne haben wollte. Aber für uns war klar: Die Nummer ist so und bleibt so.

Rot-weiße Babyschuhe hängen am Mikrofonständer von Micky Nauber.

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Seit 20 Jahren die Glücksbringer von Micky Nauber: die Babyschuhe seines Sohns Nick.

Neid unter Musikern ist oft ein Thema. Wie stehst du dazu?

Micky Nauber: Das gibt es schon mal unter Musikern, wenn jemand einen neuen Bus oder ein neues Mischpult hat. Auch gibt es schon mal Neid rund um Veranstaltungsbuchungen. Für diese Diskussionen habe ich nichts übrig. Wir sind in Köln mit der Musikszene doch privilegiert, hoch zehn.

Mit welchen Gefühlen blickt ihr auf das Jubiläum?

Micky Nauber: Die Domstürmer sind gefühlt mein Lebenswerk. Wir waren in den 20 Jahren recht fleißig und können musikalisch aus dem Vollen schöpfen, was uns natürlich sehr flexibel und spontan in den Auftrittsformaten macht. Das macht mich stolz. Glücklich bin ich, wenn zum Beispiel 15.000 Menschen in der Arena einfach nicht aufhören, unseren Song wie „Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“ zu singen, obwohl wir bereits fertig sind. Diese unbeschreiblich schönen Gefühle kann ich nur schwer in Worte fassen. Auf jeden Fall machen mich die letzten 20 Jahre dankbar und auch etwas demütig.

Wie sehen die Ziele für die nächsten 20 Jahre aus?

Micky Nauber: Für mich ist es absolut wichtig, sich selbst treu zu bleiben und das vorzuleben, was wir in unseren Liedern besingen. Mir geht es nicht um Follower-Zahlen oder goldene Schallplatten. Gesundheit, Lebensfreude und der Wunsch, noch lange Musik machen zu dürfen, das zählt für mich mehr als höher, schneller, weiter.

Peter Brings beim Auftritt auf der Bühne.
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