Der FC Barcelona feiert den Meistertitel – und ganz Spanien feiert Hansi Flick. Dabei erlebt der Trainer auch einen der schwersten Tage seines Lebens. Joachim Löw und Lothar Matthäus zeigen sich bestürzt.
„Ich war schockiert“Matthäus packt über Flicks Schicksalsschlag aus
Hansi Flick war nach dem Wechselbad der Gefühle sichtlich bewegt. „Ich werde diesen Tag niemals vergessen“, sagte der Trainer des FC Barcelona mit ruhiger Stimme, aber feucht glänzenden Augen nach dem 2:0 über Real Madrid am Sonntagabend (10. Mai 2026).
Damit sicherten sich die Katalanen drei Runden vor Ende der spanischen Primera División ihren 29. Ligatitel. Und zwar vor 60.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im frisch renovierten Camp Nou, erstmals in einem Match gegen den Erzrivalen – und ausgerechnet an dem Tag, an dem Flick seinen Vater verlor.
Hansi Flick: „Ich liebe es hier, es ist wie eine Familie“
Der 61-Jährige wurde nach dem Abpfiff auch von Gegnern umarmt, von seinen Schützlingen in die Höhe geworfen. Auf den Rängen ertönten „Hansi, Hansi!“-Rufe. Die Zeitung „La Vanguardia“ titelte: „Eine nie dagewesene Ekstase“. „Es war ein harter Tag für mich“, sagte der Ex-Bundestrainer noch auf dem Rasen: „Aber ich liebe es hier, es ist wie eine Familie.“ Es sei alles „fantastisch“.
In seiner Sky-Kolumne äußerte sich auch Lothar Matthäus am Montag zum schweren Schicksalsschlag seines Freundes: „Mein herzliches Beileid gilt Hansi Flick. Als ich gestern vom Tod seines Vaters hörte, war ich schockiert. Ich weiß, wie sehr Hansi Familienmensch ist. Ich glaube, dass er im Sinne seines Vaters und seiner Familie das Spiel durchgezogen hat. Seine Familie unterstützt ihn und wird ihn immer unterstützen. Das gibt ihm Kraft und Energie.“
Matthäus betonte, dass Flick einen super Job bei den Katalanen mache und seine Titel für sich sprächen. „Durch den Sieg im Clásico gegen Real Madrid hat er mit dem FC Barcelona zum zweiten Mal in Folge die spanische Meisterschaft gewonnen. Der sportliche Erfolg freut mich, aber meine Gedanken sind bei ihm und seiner Familie“, sagte er.
Auch Ex-Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich bestürzt vom Schicksalsschlag seines ehemaligen Co-Trainers bei der deutschen Nationalmannschaft. „Die Nachricht hat mich betroffen gemacht. Hansi hat eine sehr enge Beziehung zu seiner Familie“, sagte Löw.
„Es war für ihn sicher ein Wechselbad der Gefühle. Diese unfassbar traurige Nachricht – und abends dann das schöne Gefühl, dass die Mannschaft alles aus diesem Spiel macht und Meister wird“, so der 66-Jährige.
Flicks Fußball beim FC Barcelona sei für Löw „manchmal von einem anderen Stern“. Dabei waren die Voraussetzungen für Flick alles andere als gut.
Der FC Barcelona ist mit rund 2,5 Milliarden Euro hoch verschuldet, die Verpflichtung von Stars kommt seit Jahren kaum infrage. Vor dem Hintergrund des jungen und relativ unerfahrenen Kaders wogen diese Saison die insgesamt 18 längeren Ausfälle von Leistungsträgern wie Pedri, Raphinha, Robert Lewandowski oder zuletzt auch Jungweltstar Lamine Yamal noch schwerer. Zudem mussten die Heimspiele wegen des Umbaus des Camp Nou lange Zeit in dem bei den Fans ungeliebten, weil atmosphärenarmen Olympiastadion ausgetragen werden.
Am frühen Montagabend beginnt auf den Straßen von Barcelona die Meisterparty. Im offenen Bus werden Spieler und Trainerstab durch die Stadt fahren. Start und Ziel ist das Camp Nou. Allzu wild wird man aber sicher nicht feiern, denn es gibt diese Saison noch ein wichtiges Ziel: Die Katalanen wollen die letzten drei Spiele gewinnen, um 100 Punkte zu erreichen und so den Barça-Rekord von Tito Vilanova (2013) und von Real unter José Mourinho (2012) einzustellen. Schon am Mittwoch muss die Flick-Elf bei Abstiegskandidat Deportivo Alavés antreten.
Und nächste Saison hat Flick ein großes Ziel im Visier. „Wir werden erneut versuchen, die Champions League zu gewinnen“, sagte er. Der FC Bayern München und die diesjährigen Finalisten Paris Saint-Germain und FC Arsenal sind gewarnt. (sid/dpa/fr)

