Eklat im Kölner Fußball: Pesch II schießt sich im Wiederholungsspiel mit dem Landesliga-Team zum Klassenerhalt in der Kreisliga, der SC West muss absteigen.
Kölner Kreisliga-SkandalGroßes Polizeiaufgebot: Wiederholungsspiel wird zur Farce

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Souverän setzte sich der FC Pesch II in Bocklemünd gegen den ESV Olympia Köln durch.
Ein Team sichert sich den Ligaverbleib durch einen Trick, ein anderes steigt deshalb ab. Im Kölner Fußball sorgt ein Wiederholungsspiel für einen handfesten Eklat.
Die riesige Aufregung im Vorfeld war wie weggeblasen. Beim finalen Akt der wohl verrücktesten Kölner Amateurfußball-Geschichte der letzten Zeit herrschte eine seltsame Stille. Der FC Pesch II gewann am Sonntag das Wiederholungsspiel der Kreisliga A gegen den ESV Olympia Köln mit 4:2. Damit ist der Klassenerhalt für die Saison 2025/26 perfekt – fast drei Wochen, nachdem die Spielzeit 2026/27 schon angefangen hatte.
Pesch stellt Landesliga-Team im Wiederholungsspiel auf
Warum keine große Freude oder Trauer? Für den Großteil der Spieler auf dem Feld ging es praktisch um nichts. Der wahre Leidtragende ist der SC West Köln. Wegen der drei Punkte, die Pesch nachträglich bekam, muss der Verein nun absteigen und in der Kreisliga B spielen, so der aktuelle Rechtsstand.
Die Ehrenfelder durften bei diesem entscheidenden Match nicht einmal dabei sein. Der FC Pesch hatte wegen Hasskommentaren im Internet ein Geisterspiel beantragt. Die Polizei passte auf, dass niemand unerlaubt zuschaute.
Für Olympia war die Partie am Sonntag nur ein besseres Testspiel; der Ligaverbleib war ihnen sicher. Bei Pesch brach ebenfalls keine Ekstase aus. Der Grund ist einfach: Kaum einer der Akteure wird in der nächsten Spielzeit in der Kreisliga spielen. Der Verein hatte vom Verband die Genehmigung erhalten, mit dem kompletten Kader anzutreten, der eigentlich für die Landesliga geplant ist – inklusive Coach Ali Meybodi. Von der Mannschaft, die sportlich abgestiegen war, stand niemand auf dem Platz, der den Klassenerhalt sicherte.
„Letztlich ging es um das Ergebnis, darum bin ich zufrieden. Wir sind es als Testspiel mit Fokus auf das Ergebnis angegangen. Ich selbst habe es als Trainer auch noch nie erlebt, dass das erste Spiel der Vorbereitung so eine Bedeutung hat“, erklärte Peschs Coach Meybodi. Er könne verstehen, wenn die Situation bei manchen für Unbehagen sorge. „Aber ich glaube, dass jeder andere Verein es genauso gemacht hätte. Wir hatten die Chance und wollten sie nutzen. Mir ist bewusst, dass es ein schmaler Grat ist. Aber die Jungs, die heute auf dem Platz standen, haben nichts verkehrt gemacht.“
Zu Beginn konnte Olympia noch mithalten, doch die spielerische Überlegenheit von Pesch führte nach 30 Minuten zu zwei Toren. Als Olympia kurz vor dem Halbzeitpfiff auf 1:2 herankam, keimte kurz Hoffnung auf. Nach Wiederanpfiff machte der Favorit jedoch mit dem 4:1 den Sack zu. Das 2:4 war nur noch Ergebniskosmetik. „Ich bin emotional geladen, ich muss aufpassen“, äußerte sich Olympia-Coach Victor Eboa. „Pesch kann man keinen großen Vorwurf machen. Ihnen wurde diese Gelegenheit gegeben und sie haben sie genutzt. Aber wir sind uns alle einig, dass das Spiel nicht hätte stattfinden dürfen.“
Auf der neutralen TPSK-Anlage in Bocklemünd redete kaum jemand über das Spielgeschehen. Viel wichtiger war die Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Die Vorgeschichte: Am 30. Spieltag der Vorsaison pfiff Schiedsrichter Marc Martinet das ursprüngliche Duell kurz vor Abpfiff ab. Olympia führte 4:3, doch der Unparteiische fühlte sich von einem Pesch-Spieler, der vom Platz geflogen war, bedroht. Der 19-Jährige dokumentierte in seinem Sonderbericht vom 7. Juni auch Beleidigungen und dass er angespuckt wurde.

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Ali Meybodi, Trainer von Peschs Landesliga-Mannschaft, betreute sein Team im neuangesetzten Spiel der Reserve in der Kreisliga A.
Die erste Entscheidung auf Kreisebene folgte der Sicht des Schiedsrichters: Das Spiel wurde 2:0 für Olympia gewertet, was den Abstieg für Pesch II bedeutet hätte. Der Fall landete jedoch vor dem Bezirkssportgericht, der nächsthöheren Instanz. Dieses kam zu einem anderen Schluss: Der Referee Martinet habe nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Partie ordnungsgemäß zu beenden. Normalerweise hätte man vielleicht nur die restlichen Minuten nachspielen lassen. Aber das Gericht ordnete eine komplette Neuansetzung des Spiels an – nach Saisonende und mit der Möglichkeit, andere Spieler einzusetzen.
Die Führung von Pesch, rund um den Vorsitzenden Pascal Ervens, hatte immer wieder erklärt, dass die vom Schiedsrichter Martinet wahrgenommene Gefahr nicht real gewesen sei. Der Klub sieht sich durch das Gerichtsurteil in seiner Meinung bestärkt. Pesch spricht von einer gezielten Kampagne, die von SC West, Olympia und den Medien angezettelt worden sei. Es existieren jedoch auch Zeugenaussagen, die die Darstellung von Martinet untermauern. Der 19-jährige Unparteiische zog nach der Entscheidung persönliche Konsequenzen: Er gab sein Ehrenamt beim Kreisjugendsportgericht auf und kündigte an, seine Pfeife im FVM an den Nagel zu hängen. „Ein Schiedsrichter sollte selbst entscheiden dürfen, wann er sich bedroht fühlt“, sagte Martinet.
„Schlag ins Gesicht aller Schiedsrichter“
Verständnis für den Frust des jungen Referees zeigt Kabil Azizi, Vorsitzender des Kölner Kreisschiedsrichter-Ausschusses. „Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Schiedsrichter. Ich möchte nicht die Integrität des Bezirkssportgerichts angreifen. Aber das Urteil hat eine verheerende Signalwirkung“, erklärte Azizi im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir bekommen bereits Anfragen von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, die berechtigterweise fragen, ob ich künftig kein Spiel mehr abbrechen darf, wenn ich mich bedroht fühle. Das ist eine traurige Entwicklung.“
Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende. Im Drama um Pesch II und den SC West ist die letzte Seite noch nicht geschrieben. Beim Fußballkreis Köln gibt es einen neuen Antrag, die Kreisliga A auf 17 Teams zu vergrößern. Laut dem SC West, der den Antrag stellte, gibt es dafür einen Präzedenzfall. Ein erster Versuch war vom Ausschuss einstimmig zurückgewiesen worden; die Entscheidung über den neuen Antrag fällt nächste Woche. Zusätzlich will der SC West das Ergebnis des Wiederholungsspiels vom Sonntag anfechten. Dabei sollen alle Spielberechtigungen und Transfers genauestens überprüft werden. (red)

