In Ehrenfeld hatte vor zwei Jahren ein Dönerladen mit dem skurrilen Namen „Döner Game“ eröffnet. Der Laden hat dichtgemacht. Der Nachfolger „Oh My Greece“ hat Großes vor und bricht dafür mit einer Tradition und einem umgeschriebenen Gesetz.
„Kostawaslos“ macht FuroreKölner Gyros-Macher brechen mit Uralt-Tradition

In der Sache liegt richtig Würze, sie ist genial und auch etwas gaga. Mit dem gut abgekupferten Slogan „Make Gyros great again“ wollen zwei Kumpels, die sich noch aus Jugendtagen kennen, dem Döner Konkurrenz machen.
Zuerst wundert man sich über die knalligen Transparente am Ladenlokal Venloer Straße 323 in Ehrenfeld, wo in bester Lage selbstbewusst die Eröffnung des Lokals „Oh My Greece“ angekündigt wird, mit Gyros und allerlei anderen griechischen Spezialitäten. Dabei führen Gyros-Grills im dönerdominierten Geschäft ja fast schon ein Nischendasein.
„Oh My Greece“: Das große Schwelgen für Griechenland
Hinter der vollmundigen Offensive stecken zwei Kölner Jungs, die mit einem Franchise-Konzept den klassischen griechischen Imbiss neu erfinden wollen.
Sie kennen sich noch von den Fußballplätzen der Jugend, der Deutsch-Marokkaner Abdullah Taouil und der Deutsch-Grieche Niko Karaktsanidis, der in Porz-Zündorf „Nikos Grill“ betreibt. An der Deutzer Freiheit haben sie ihren ersten „Oh My Greece“-Imbiss an den Start gebracht.
Das Konzept basiert auf einer Erweiterung des klassischen Gyros-Angebots. „Wir wollen der Grieche für jedermann sein. Die zentrale Innovation besteht darin, Halal-Fleisch statt Schweinefleisch anzubieten, um die muslimische Bevölkerung zu erreichen, um die Tür zu öffnen für diese Gruppe. Aber wir wollen die anderen genauso hier im Laden haben.“
Was die einen einfach nur praktisch und lecker finden, könnten andere für die größte Mogelpackung in der Geschichte des christlichen Abendlandes halten: Der Halal-Gyros, also Gyros unter Verzicht auf Schweinefleisch, ist eigentlich ein Paradox.

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Abdullah Taouil ist einer der Gründer von „Oh My Greece“.
Gyros für alle also. Dahinter stecken Erfahrungen noch aus der Teenie-Zeit. Wenn er früher mit Freunden im griechischen Imbiss gesessen habe, habe er als Muslim kein Fleisch bestellen können, „dann haben wir immer nur Pommes mit Pommes gegessen“, schmunzelt er.
Als Taouil, der eigentlich aus der PR-Branche kommt (Mercedes-Benz, Formel 1), vor einiger Zeit seinen Freund Niko in dessen Imbissbude besuchte, sei man auf das Thema gekommen – so habe sich die Idee zum Halal-Gyros entwickelt.
Trotz des Fleischwechsels will man dabei ein authentisches Produkt anbieten. Die Gründer betonen, dass das Pita-Brot ebenso wie die verwendete Gewürzmischung griechisch sei.
Gyros-Freunde wissen aber: Der klassische Spieß mit dem gebratenen Schweinefleisch hat seinen ganz eigenen Look, das liegt auch daran, dass Schweinefleisch heller ist als das Dönerfleisch vom Kalb oder Rind. Deshalb, sagt Abdullah Taouil, verwenden sie Jungbullenfleisch, das auch etwas heller sei. In Griechenland, ergänzt Taouil, sei es außerdem üblich, den Gyros neben Schwein auch mit Hähnchenfleisch anzubieten.
Die Krone setzen die Gyrosmacher ihrem Konzept mit ihrem Markenbotschafter auf. Der heißt Kosta Markou, stammt ebenfalls aus Porz und firmiert unter dem Kunstnamen „Kostawaslos“ als sprücheklopfender Lautsprecher. Auf Instagram füttert er die Gemeinde mit witzigen Challenges und scherzhaften Kampfansagen an den Döner. „Türken, Griechen, Italiener, Araber, wir sind doch alle zusammen aufgewachsen“, sagt Kosta. „Also lasst uns doch auch beim Griechen mal alle zusammen essen!“
Das Ziel lautet: „Den Griechen wieder auf die Karte bringen“
Es geht auch darum, das Erbe der Elterngeneration zu erhalten, die mit Imbissen wie „Akropolis“ oder „Kreta-Grill“ zu den ersten ausländischen Anbietern gehörte.
„Wenn man jetzt die Zahlen verfolgt von Anfang von 90er oder 2000er bis heute, gehen die Dönerläden bis heute noch in die Decke. Der Grieche hingegen wird immer weniger“, sagt Abdullah Taouil. Die Gründer sehen eine Lücke und wollen durch professionalisierte Systemgastronomie „den Griechen wieder auf die Karte bringen“.
