Bundesliga-KommentarFC Bayern räumt Großteil der Häme ab – musst du als Meister erstmal schaffen

Bayerns Trainer Thomas Tuchel (l) und der scheidende Sportvorstand Hasan Salihamidzic (r) stehen auf dem Rathaus-Balkon. Die Männer des FC Bayern München sind zum elften Mal in Serie deutscher Fußball-Meister.

Trainer Thomas Tuchel (l.) und der scheidende Sportvorstand Hasan Salihamidzic (r) stehen auf dem Rathaus-Balkon bei der Meisterfeier des FC Bayern München am 28. Mai 2023.

Diese Bundesliga-Saison wird allen Fußball-Fans noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch der Wahnsinn lauert weiter überall – findet unser Autor in seinem Kommentar.

von Volker Geissler (vog)

Auch Tage danach werden die meisten damit nicht so richtig klarkommen. Hätte man den letzten Spieltag so, wie er dann tatsächlich gelaufen ist als satirische Vorschau aufgeschrieben, wäre er wahrscheinlich in der Tonne gelandet, bitte nicht ganz so arg übertreiben!

Dabei hätte man nach den Ereignissen der letzten Monate eigentlich ahnen müssen, dass da noch so manche Pointe aus dem Boden schießt (womit jetzt keine Kölner Rasensprenger gemeint sind).

Bayern-Angst: Bricht bei Oliver Kahn der innere Klaus Kinski aus?

Da feiert der frisch entlassene Hasan Salihamidzic ausgelassen den Titel, während der ebenfalls geschasste Oliver Kahn so lange twittert, bis auch der letzte Fan verstanden hat, dass er gar nicht an einer Sommergrippe leidet, sondern schlichtweg unerwünscht ist. Offenbar hatten sie bei den Bayern Angst, beim Titan könnte im Meister-Flieger der innere Klaus Kinski ausbrechen, nachdem ihm seine Demission mitgeteilt wurde.

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Man fragte sich zwischendurch, was da als Nächstes kommt. Julian Nagelsmann plötzlich auf dem Marienplatz? Ex-P1-Groupie Verena Kerth auf dem CEO-Posten? Hertha-„Macher“ Michael Preetz als Sportvorstand, um das Festgeldkonto aufzulösen?

Die Auflösung geriet dann eher unspektakulär: Ein recht farblos wirkender Ostfriese ist offiziell der neue Boss, das Sagen haben aber inoffiziell wieder Statler und Waldorf, also Hoeneß und Rummenigge. Angesichts solcher innovativen Ideen dürfte Huub Stevens ganz schnell Schnappatmung bekommen, sollte Schalke demnächst den Start in die Zweite Liga vergeigen.

Apropos Ruhrpott. Das, was rund um Borussia Dortmund abging, war ja schon als Außenstehender kaum zu ertragen. Nicht nur, dass es die Schale nicht gab, aufgrund der ganzen Nebengeräusche räumten die Bayern auch noch den Großteil der Häme ab. Musst du als Meister erst mal schaffen.

Der BVB am Boden

Das Dortmunder Meister-Trauma

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Haften bleiben die Bilder der Tränen. Vor allem bei Edin Terzic, dessen Traum vom Meistertrainer aus dem Fanblock platzte. Oder bei Marco Reus, der wie der fleischgewordene HSV vom Borsigplatz auf dem Rasen kauerte. Das eigentlich Unfassbare an diesem Finale ist, dass sich der BVB von der frühen Bayern-Führung in Köln derart aus der Bahn werfen ließ, nachdem er wochenlang immer nachlegen musste und das auch meist souverän schaffte.

Vielleicht wäre es besser gelaufen, hätte Terzic seinen Leuten erzählt, die Bayern hätten schon mittags gewonnen. Vielleicht hätte das die bösen Geister aus den Köpfen vertrieben und jeder hätte gewusst, was zu tun ist.

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Und somit wurde im Ruhrpott tatsächlich nur an der Castroper Straße gejubelt, wo der VfL Bochum die Rettung feierte. Gegen Leverkusener übrigens, denen wahrscheinlich irgendwer mitgeteilt hatte, man würde mit einem Vorsprung auf die Bayern ins Rennen gehen. So spielte Bayer dann zumindest.

Was bleibt? Eine Saison mit selten dagewesenem Getöse und irren Wendungen bis ganz zum Schluss. Ob es so unterhaltsam bleibt? Zumindest lauert der Wahnsinn weiter überall. Ob sie die Schale irgendwann konsequenterweise ganz in München einzementieren, ist dann auch egal.