Ein früherer FC-Torwart arbeitet mittlerweile in Taipeh – und ist auch davor in seiner Karriere schon ganz schön rumgekommen.
Lorant-Ausraster und Wiese-RolexBewegte Laufbahn: Ex-FC-Keeper jetzt Trainer in Taipeh

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Michael Kraft bestritt in den Neunzigern 32 Spiele für den 1. FC Köln.
Michael Kraft – diesen Namen haben viele Fans des 1. FC Köln nicht vergessen. Er hütete in 32 Spielen das Tor für den Klub und war bei unvergesslichen Augenblicken dabei, wie den brisanten Rheinderbys.
Bei Kraft selbst hat sich speziell die Spielzeit 1996/97 eingebrannt, mit dem 4:0-Erfolg über Borussia Mönchengladbach sowie einem weiteren 4:0-Triumph gegen Bayer Leverkusen. Seine damalige Statistik: beachtliche acht Partien ohne Gegentreffer bei 24 Auftritten. Aber es gab ebenso bittere Pleiten, etwa das 2:3 gegen Werder Bremen, als Arie van Lent den FC praktisch im Alleingang bezwang.
„Dann kaufe ich den Laden morgen einfach auf!“
Heute, mit beinahe 60 Jahren, verschwendet Kraft noch keinen Gedanken an die Fußballrente. Der aus Dernbach stammende Coach hat sich auf ein neues, fernes Wagnis eingelassen: Er ist nun Torwarttrainer für das Nationalteam von Chinese Taipeh. Zusätzlich hat er mit der „Keeper Academy“ ein Projekt ins Leben gerufen, das ihm am Herzen liegt, um Nachwuchskeeper zu unterstützen. Der Schritt nach Taipeh wurde durch seine Bekanntschaft mit dem neuen Nationalcoach Matt Ross möglich. Das berichtet „Transfermarkt“.
In seiner Laufbahn hat Kraft schon vieles mitgemacht. Bei seinem Engagement in Südkorea zwischen Mitte 2003 und Ende 2004 bei Incheon United unter dem Kult-Coach Werner Lorant ereignete sich eine unvergessliche Situation. Im Anschluss an ein gemeinsames Essen gab es Probleme mit Lorants Kreditkarte. Kraft denkt mit einem Lächeln an den Streit mit der Restaurantleiterin zurück, der mit Lorants Ausruf endete: „Dann kaufe ich den Laden morgen einfach auf!“
Eine weitere denkwürdige Anekdote verbindet ihn mit seinem Zögling Tim Wiese. Der Keeper wollte sich nach der Weltmeisterschaft 2010 bei seinem Torwarttrainer erkenntlich zeigen. „Als wir uns nach der WM 2010 zum ersten Training trafen, öffnete er seinen Spind in der Kabine, holte eine goldene Rolex heraus und hielt sie mir mit den Worten hin: ‚Tiger, die ist für dich. Du hast Anteil daran, dass ich mit zur WM gefahren bin.‘“ Kraft war perplex, nahm das kostspielige Präsent jedoch auch nach langen Debatten nicht an.
Sein Engagement bei Werder Bremen, das 2006 unter Thomas Schaaf begann, nennt Kraft ein persönliches Karriere-Highlight. Über sieben Jahre war er als Torwarttrainer Teil einer Mannschaft, die zur deutschen Spitze gehörte. Teilnahmen an der Champions League, der Sieg im DFB-Pokal und der Einzug ins Uefa-Cup-Endspiel kennzeichneten diese Phase. „Diese Erfolge haben die gesamte Stadt geprägt, man hat gespürt, wie sehr Bremen mit dem Verein lebt“, schwärmt Kraft auch jetzt noch.
Einen entscheidenden Beitrag zum Triumph leistete Keeper Tim Wiese. Kraft sah auf Anhieb dessen „positive ‚Verrücktheit‘“, die aus der Torwart-Schule von Gerry Ehrmann beim 1. FC Kaiserslautern stammte. „Ihn zu motivieren war eigentlich komplett überflüssig“, meint Kraft. Stattdessen arbeitete er mit Wiese an Feinheiten wie Sprungkraft und der Beherrschung des Strafraums, um seine Leistungen beständiger zu gestalten.
Neues Kapitel in Asien
Im Anschluss an seine Bremer Jahre war Kraft kurzzeitig bei Eintracht Frankfurt tätig und trainierte Kevin Trapp, bevor er mit Roger Schmidt für beinahe drei Jahre zu Beijing Guoan in China wechselte, wo sie im Jahr 2018 den Pokalsieg feierten. Er erkennt deutliche Differenzen bei der Entwicklung des Fußballs: Südkorea verfüge dank seiner Sport-Unis über ein solides Fundament, wohingegen es in China ungeachtet massiver Geldmittel an zukunftsfähigen Konzepten mangelte.
Nun richtet sich sein voller Fokus auf Chinese Taipeh, aktuell auf Platz 174 der Fifa-Weltrangliste. Die Umstände sind schwierig, da Baseball dort unangefochten an der Spitze steht und Trainingsmöglichkeiten angemietet werden müssen. Kraft gibt sich jedoch kämpferisch und verfolgt ein ambitioniertes Vorhaben: die Teilnahme am Asien-Cup zu sichern. „Solange gespielt wird, bin ich der Letzte, der resigniert oder Ziele kleinredet“, macht er deutlich. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
