Erfolgreich, aber unbequem: Glasner wieder vor dem Aus.
Glasners Erfolgs-FluchSein Ehrgeiz sorgt für Titel und Rauswürfe – das ist der Grund

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Oliver Glasner verhalf Crystal Palace zum ersten Pokalsieg. (Archivbild)
Aufrichtigkeit und Ambition sind normalerweise Stärken. Für Oliver Glasner (51) entwickeln sie sich im Job aber anscheinend immer wieder zum Problem. Sein Abgang bei Crystal Palace ist bereits eine ausgemachte Sache. Und das, obwohl der Coach am Mittwoch (21.00 Uhr) in der Conference League den dritten Titel innerhalb von zwei Jahren für den Club holen könnte. Schon wieder ein Abschied.
Sich einen Coach wie Glasner ins Boot zu holen, ist nicht ohne. Er hat einen gewaltigen Antrieb und einen extremen Siegeswillen – und erwartet das auch von allen anderen im Verein. In der Vergangenheit sorgte das wiederholt für Spannungen mit der Führungsebene. „Für Oliver müssen die Bedingungen passen“, stellt Palace-Chef Steve Parish klar. „Es geht darum, dass er Bedingungen vorfindet, um seine Ziele zu erreichen. Oliver will Dinge gewinnen.“
Krach mit den Bossen: Kein Einzelfall
Genau das könnte dem Österreicher am Mittwochabend (21.00 Uhr/RTL Nitro) mit Palace gegen Rayo Vallecano, einen Club aus einem Madrider Vorort, gelingen. Glasner hat bereits den englischen Pokal und auch den Supercup gewonnen. Sein Abschied am Sonntag gestaltete sich daher sehr gefühlvoll, als ein lautstarkes „Oliver Glasner olé“ von den Anhängern durch den Selhurst Park im Süden Londons klang.
Der 51-Jährige hatte vorher schon mit Eintracht Frankfurt die Europa League geholt und stand im Finale des DFB-Pokals. Zuvor brachte er den VfL Wolfsburg in die Champions League.

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Im DFB-Pokalfinale unterlag Oliver Glasner 2023 mit Eintracht Frankfurt gegen Leipzig, ein Jahr zuvor gewann er mit der Eintracht die Europa League. (Archivbild)
Wer Glasner verpflichtet, bekommt den Erfolg quasi mitgeliefert. Das kann aber auch aufreibend werden. Insbesondere, da der Coach Konfrontationen nicht scheut und auch Themen anspricht, die nicht direkt sein Aufgabengebiet sind. Bei Wolfsburg kam es zum Bruch mit Sportchef Jörg Schmadtke, da Glasner wiederholt die Transferstrategie des Vereins bemängelte. Berichten zufolge wechselten die beiden monatelang nur das allernötigste Wort. Glasner wechselte ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags nach Frankfurt.

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Nur für zwei Jahre ein Team: Oliver Glasner (l) und Eintracht-Manager Markus Krösche. (Archivbild)
In Frankfurt fing es nach dem Sieg im Europapokal ebenfalls an zu brodeln. Glasner forderte, dass sofort Geld für die Stärkung des Kaders in die Hand genommen wird. Sportchef Markus Krösche verfolgte jedoch weiter den Plan, junge Spieler zu fördern und sie mit Profit weiterzuverkaufen. Krösche stieß es zudem sauer auf, dass Glasner ein Angebot für eine Vertragsverlängerung nicht sofort akzeptierte.
Wutausbruch vor laufender Kamera
Glasner agierte immer gefühlsgeladener – sein Ärger brach auch bei Presseterminen aus ihm heraus. Nachdem ihm bei der Frage eines Reporters die Hutschnur riss, wies ihn Eintracht-Chef Axel Hellmann öffentlich in die Schranken. „Wenn Oliver Glasner darüber noch mal nachdenkt, weiß er, dass das weder gut noch richtig war, so zu reagieren“, kommentierte Hellmann.

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Nicht immer einer Meinung: Oliver Glasner (l) und Wolfsburgs damaliger Sportchef Jörg Schmadtke. (Archivbild)
Krösche fühlte sich nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Glasner gezwungen, die Entscheidung öffentlich zu rechtfertigen. Der Manager erklärte, dass man gelegentlich impopuläre Maßnahmen ergreifen müsse. Krösche dementierte jedoch, ein Problem mit dem debattierfreudigen Trainer gehabt zu haben. „Oliver war sehr erfolgreich, hatte großen Anteil, dass wir den Europapokal gewonnen haben“, äußerte der 45-Jährige. „Dass man diskutiert und auch mal unterschiedlicher Meinung ist, ist doch auch ganz normal.“
Pikantes Duell: Trifft er auf seinen Nachfolger?
Der Unmut darüber, dass sein Verein seinen Ambitionen nicht nachkommt, ereilte ihn auch in London. Glasner warnte nach dem Pokalsieg davor, dass der Club keine Eintagsfliege werden dürfe. Stattdessen wurden die zwei Top-Spieler abgegeben: Eberechi Eze ging im Sommer zum FC Arsenal, Marc Guéhi folgte im Winter zu Manchester City. Dass die eingenommenen Millionen nicht adäquat wieder in den Kader flossen, brachte Glasner auf die Palme.
Glasner bleibt sich treu: Er ist streitbar und zieht seine Linie durch. Seinen Weggang machte er im Januar publik, nachdem er ihn intern bereits länger mitgeteilt hatte. Sein Ziel ist es, Trophäen zu holen. Bietet ihm sein Verein diese Perspektive nicht, sucht er das Weite. Die Pointe zum Schluss: Am Mittwoch könnte er seinem potenziellen Nachfolger in London begegnen. Medienberichten zufolge gilt Rayo-Coach Inigo Perez als einer der Anwärter. (dpa/red)
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