Beim DFB-Pokalfinale kommt es zu einer Unterbrechung. Auch der Kommentator hat zu kämpfen.
„Jetzt echt Quatsch hier“Merkwürdige Streifen im TV – ARD-Kommentator verzweifelt

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Plötzlich tauchten in der Live-Übertragung des DFB-Pokalfinals merkwürdige Streifen auf.

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Bei diesem Pokalfinale gibt es einiges zu sehen! Der FC Bayern München und der VfB Stuttgart liefern sich einen packenden Fight. Der Titelverteidiger verlangt dem Rekordmeister alles ab, ist zwischenzeitlich sogar die bessere Mannschaft – verliert am Ende aber doch mit 0:3.
Die Fans zeigen sich trotz aller Rivalität in Pyrotechnik vereint: Nach 50 Minuten zünden beide Kurven etliche Bengalos. Zunächst hat das keine Auswirkungen, der Qualm schien gen Himmel abzuziehen.
ARD-Kommentator erkennt Spieler nicht mehr
Dann aber wird die Situation für Spieler, Schiedsrichter, Zuschauer und auch den ARD-Kommentator zunehmend kompliziert. Zunächst tauchen auf dem Bildschirm merkwürdige Lichtstreifen auf. Kein technischer Fehler bei der Übertragung, sondern eine Folge der Pyro-Aktion.
Philipp Sohmer, der das Spiel in der ARD kommentiert, sieht sich zu einer Erklärung genötigt. „Wundern Sie sich nicht. Die Striche, die Sie da sehen, das ist die projizierte Beleuchtung, die das Dach hier im Olympiastadion grün färbt“, erläutert er. „Die Strahler stehen unten und die Lichtstrahlen werden jetzt eben sichtbar durch den Rauch.“
Die Streifen sind noch nicht ganz verschwunden, als Harry Kane (55.) zur Führung trifft. Im Folgenden werden die Sichtverhältnisse immer schlechter.
„Ist jetzt echt Quatsch hier mit dem Rauch. Auch im Stadion schwer zu sehen“, klagt der ARD-Kommentator. Schiedsrichter Sven Jablonski muss die Partie schließlich für einige Minuten unterbrechen.
Als es wieder losgeht, kämpft Sohmer aber noch immer mit dem Rauch. Bei einem Bayern-Angriff muss er mehr oder weniger raten, wer gerade am Ball ist. „Den da hinten, den sehe ich kaum, wer das ist. Jamal Musiala!“, ruft er.
Musiala gibt den Ball in die Mitte, wo ein Bayern-Spieler ihn nicht im Tor unterbringen kann. „Konrad Laimer mit der Riesenchance“, ruft der Kommentator, muss sich nach der Zeitlupe aber selbst korrigieren: „Luis Díaz war’s. Entschuldigen Sie bitte. Der Nebel ist hier wirklich so stark, dass man die andere Seite nicht richtig sehen kann.“
Gut zu sehen ist dann aber wieder das 2:0 durch Kane (80.), das die Bayern endgültig auf die Siegerstraße bringt. „Ist der gut!“, schwärmt Sohmer am Mikrofon. In der Nachspielzeit macht Kane per Handelfmeter seinen Hattrick perfekt.
Die Parallel-Zündelei ist Teil einer Protestaktion der aktiven Fanszenen zu Beginn der zweiten Halbzeit. Zuvor gibt es von den Fans bereits Sprechchöre und Transparente gegen den DFB. Ein riesiges Banner mit einem durchgestrichenen DFB-Wappen wandert einmal um den Unterring des Stadions. Darauf sind die Wörter Kläger, Richter, Henker zu lesen. Der Protest richtet sich neben den hohen Ticketpreisen für die Partie gegen die aus Sicht der Fans rigide Rechtsprechung des Verbandes bei Fanvergehen.
Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß schimpft nach dem Spiel bei Sky: „Die Vereine, der DFB und die Politik müssen hart durchgreifen, dass solche Unverschämtheiten nicht mehr passieren.“
Auch der DFB reagiert. „Wir freuen uns über eine lebendige Fankultur. Diese darf aber nicht dazu führen, dass die Kurven über Spielunterbrechungen oder gar -abbrüche entscheiden. Alles Weitere werden wir im Nachgang des Pokalfinals beraten und aufarbeiten. Heute sollte der Sport im Mittelpunkt stehen“, teilt der Verband auf Anfrage mit. (mit dpa)
