„Armutszeugnis“ ARD-Boss verteidigt Wellmer nach heftiger Kritik an Löw-Interview

Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger sprechen in der ARD über das EM-Spiel England-Deutschland.

ARD-Moderatorin Jessy Wellmer und Experte Bastian Schweinsteiger am Dienstag (29. Juni) beim EM-Achtelfinale zwischen England und Deutschland in Wembley.

London/Köln. Die Enttäuschung nach dem deutschen Achtelfinal-Aus am Dienstag (29. Juni) in Wembley schlug wenige Minuten später in ungläubiges Staunen um. Grund war allerdings nicht mehr der enttäuschende Auftritt der DFB-Auswahl, sondern die Nachberichterstattung von Moderatorin Jessy Wellmer (41) und Experte Bastian Schweinsteiger (36) in der ARD.

Kurz nach Abpfiff schaltete das Erste zunächst für eine Viertelstunde zur Tagesschau nach Hamburg, dann übernahmen wieder Wellmer und Schweinsteiger. Erst für das Interview mit Kapitän Manuel Neuer, dann folgte das Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw (61), das mächtig in die Hose ging.

EM 2021: Jessy Wellmer verwirrt bei ARD-Interview mit Joachim Löw

Wellmer legte bereits mit ihrer ersten Frage los, als Löw noch nicht seine Kopfhörer in den Ohren hatte. „Ich verstehe erst mal nichts“, entgegnete der Bundestrainer. Nachdem Löw ein erstes Fazit zum Turnier-Aus gezogen hatte, fragte Wellmer wirr: „Wie sagt man: Ende gut, alles gut oder Ende gut, nicht alles gut?“

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Ein äußerst unangenehmer Gesprächseintritt, der für viel Häme und Kritik im Netz sorgte. „Man mag Löw diese erbettelte Niederlage zu Recht vorwerfen, dieses unterirdische Interview mit Jessy Wellmer hat er aber nicht verdient“, hieß es in einem von zahlreichen entrüsteten Beiträgen. Die häufigsten Vorwürfe: Wellmer sei schlecht vorbereitet in das Gespräch gegangen und habe zu oberflächlich nachgehakt.

Der sichtlich irritierte Löw bewahrte aber die Fassung, hielt sich in seiner Antwort kurz, über alles zu reden sei schwierig. Auf Nachfrage setzte dafür Schweinsteiger anschließend zu einer Dankesrede auf seinen Weltmeister-Trainer an: „Wir sollten uns alle auch bei Joachim Löw bedanken. Wie lange er Bundestrainer war, wie viele Erfolge wir mit ihm gefeiert haben. Das ist etwas Einzigartiges. Chapeau, Hut ab“, schloss er wohlwollend.

Anschließend übernahm wieder Wellmer, die Joachim Löw nach seinem letzten Länderspiel geradeheraus fragte, ob er etwas bereue. „Was?“, platzte es aus Löw, der mit der unpräzisen Frage zunächst nichts anfangen konnte. Als wäre die EM-Analyse nicht schon bizarr genug abgelaufen, verabschiedete sich Wellmer wenig später mit einem „Ahoi aus Wembley“ ins „Sportschau“-Studio in Köln.

EM 2021: Viel Kritik für ARD-Interview mit Bundestrainer Joachim Löw

In den sozialen Netzwerken gab es beißende Reaktionen auf das weitgehend inhaltsleere Interview mit dem Bundestrainer. „Dieses "Interview" von Wellmer und Schweinsteiger mit Löw… ein Armutszeugnis für den Sportjournalismus“, schrieb User Alex Truica bei Twitter. In einem Tweet von „anbraun79“ hieß es: „Ich hätte Jogi einen besseren Abschied gewünscht. Das letzte Interview als Bundestrainer mit Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger zu führen - das hat er wirklich nicht verdient.“

Selbst Journalisten-Kollegen und Kolleginnen fällten ein vernichtendes Urteil über das Interview. „Das Interview sollte in der Journalistenausbildung als abschreckendes Beispiel auf dem Lehrplan stehen“, twittere beispielsweise Stern-Redakteur Dirk Liedtke.

Lediglich ein vereinzeltes Lob war unter den unzähligen Reaktionen zu finden: „Jessy Wellmer macht das insgesamt so unfassbar gut. Wie sie grad einfach ganz ruhig an Schweinsteiger abgegeben hat, als Löw seinen Ohrstecker neu montiert hat, die Selbstverständlichkeit, mit der sie Themen- und Gesprächsangebote aufnimmt und verteilt: Macht Bock“, urteilte Nutzerin „rosalaut“.

Weitere Reaktionen bei Twitter:

  • Noch blutleerer als das Spiel der deutschen Mannschaft ist nur das Interview von Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger mit Löw und Neuer.
  • Die Performance des Duos Wellmer/Schweinsteiger finde ich schon sehr enttäuschend.
  • Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger gucken sich immer an wie zwei Schüler, die ein Referat halten sollen und sich nicht vorbereitet haben.
  • Mit Verlaub: Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger haben nichts mit sinnvoller Spielanalyse zu tun.
  • Die Interviewführung von Jessy Wellmer mit ihrem Assistenten Bastian Schweinsteiger war für einen Bundestrainer, der 15 Jahre Amt war, komplett unwürdig. Diese Minuten haben einfach nur wehgetan.

ARD-Sportkoordinator verteidigt Jessy Wellmer

Das Resümee von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky (59) fiel deutlich wohlwollender aus. Demnach sei es dem Moderatoren-Duo Jessy Wellmer und Bastian Schweinsteiger gelungen, „respektvoll mit Joachim Löw umzugehen, ohne unkritisch mit der Situation umzugehen”.

Zu Bedenken gab Balkausky, dass die Situation „sehr herausfordernd für alle Beteiligten” gewesen sei, gerade weil das Ausscheiden aus dem EM-Turnier und dem Bundestrainer-Job Löw „spürbar nahe ging”.

EM 2021: Lob für EM-Analyse von ARD-Expertin Almuth Schult

Dass und wie man es deutlich besser machen könnte, zeigten derweil die ARD-Experten im Studio. U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz (58) legte den Finger in die Wunde, stellte auch das Funktionieren der Mannschaft als Team infrage. Auch Almuth Schult (30) erhielt in den Reaktionen bei Social Media viel Lob für ihre klare Analyse des frühen deutschen Ausscheidens.

ARD-Expertin Almuth Schult analysierte das deutsche EM-Aus am 29. Juni mit deutlichen Worten.

ARD-Expertin Almuth Schult analysierte das deutsche EM-Aus am 29. Juni mit deutlichen Worten.

Auch in den Tagesthemen fiel der Kommentar zwei Stunden nach Spielschluss kritisch aus: „Zu lange hat Löw an seinem System und sich selbst festgehalten“, bemängelte Heiko Neumann vom Hessischen Rundfunk.

„Vielleicht könnte Almuth Schult übernehmen, bevor Wellmer und Schweinsteiger gleich in Tränen ausbrechen“, hieß es in einer Reaktion bei Twitter, der sich viele Fußballfans bei Twitter anschlossen. (bc)

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