„Ein absolutes No-Go“ Regenbogen-Verbot: DFB unterstützt besondere Aktion bei EM-Spiel

Die Münchner Allianz Arena in Regenbogenfarben. Bei der EM wird es das nicht geben.

Die Stadt München wollte die Allianz-Arena beim finalen EM-Gruppenspiel der DFB-Auswahl gegen Ungarn in Regenbogenfarben erleuchten lassen. Die UEFA lehnte das ab.

München. Jetzt wird es der UEFA zu bunt mit der politisierten EM: Kurz vor dem letzten Vorrundenspiel der DFB-Auswahl am Mittwoch (23. Juni) gegen Ungarn (21 Uhr/ZDF und MagentaTV) musste die UEFA eine rasche Antwort auf „Regenbogen-Frage“ geben.

Die Stadt München hatte ihre Forderung nach einer in sechs Farben erleuchteten Arena am Montag offiziell formuliert. Es gehe um „ein Zeichen im Sinne der Weltoffenheit und Toleranz“ sowie „ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis“, hieß es in dem Schreiben von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (63).

EM 2021: Münchner Politik appellierte an UEFA

Das Augenmerk des Parlaments gilt laut Reiter „den Einschränkungen, die in Ungarn zu Lasten der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (LGBTIQ) gegeben sind“.

Er appellierte deshalb an die UEFA, „sich auch darüber hinaus gerade aus Anlass der EURO 2020 mit deren medialer Reichweite nachdrücklich und sichtbar für Toleranz und Gleichstellung einzusetzen“.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54) fände es „ein sehr gutes Signal, wenn die Regenbogenfarben strahlen“ würden. „Das wäre ein Signal, das für die Freiheit unserer Gesellschaft steht", sagte der CSU-Politiker in Berlin.

Doch es kommt nicht zur Regenbogen-Arena in München. Die UEFA hat es verboten, die elf Stadien in den Ausrichter-Städten sollen nur in den Farben der UEFA und der teilnehmenden Nationen leuchten.

UEFA schlägt anderen Termin für Regenbogen-Arena in München vor

Vonseiten den FIFA heißt es in einer öffentlichen Stellungnahme: „Rassismus, Homophobie, Sexismus und alle Formen der Diskriminierung sind ein Schandfleck für unsere Gesellschaft – und stellen eines der größten Probleme dar, mit denen der Fußball heute konfrontiert ist. Diskriminierendes Verhalten hat sowohl die Spiele selbst als auch außerhalb der Stadien den Online-Diskurs rund um den Sport, den wir lieben, beeinträchtigt. Die UEFA ist jedoch aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen.“

Es wird also nichts mit der Regenbogen-Arena in München. Zumindest nicht bei der Fußball-EM. Aber die UEFA hat einen anderen Vorschlag: „Dennoch hat die UEFA der Stadt München vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni – dem Christopher Street Liberation Day – oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten.“

Münchens OB Reiter reagierte am Dienstag deutlich und attackierte UEFA und DFB: „Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns verbietet, ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Solidarität zu setzen“, sagte Reiter und ergänzte: „Ich bin auch enttäuscht vom DFB, der trotz der überragenden Zustimmung aus der ganzen Republik sich nicht der in Lage sehen wollte, das Ergebnis zu beeinflussen.“ Die Münchner Arena an einem anderen Tag in Regenbogenfarben zu beleuchten, bezeichnete Reiter als „lächerlichen Gegenvorschlag“.

Das Stadion trotz der UEFA-Entscheidung bunt zu beleuchten, ist laut Reiter keine Option: „Das würde mir als altem Revoluzzer zwar gefallen, aber die Arena hat einen Mietvertrag mit der UEFA. Und man will sich nicht rechtswidrig verhalten.“

DFB setzt ein deutliches Zeichen mit eigener Aktion

Doch auch der DFB setzte nach dem „Regenbogen-Verbot“ ein deutliches Zeichen. Der Verband unterstützt den CSD Deutschland bei der Organisation der Verteilung von 10.000 Regenbogenfahnen am Stadion.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch (62) sagte: „Auch ich bedauere es sehr, dass die Arena nicht in Regenbogenfarben erstrahlen darf. Der DFB setzt sich entschieden für Vielfalt und Diversität ein – symbolisiert durch unseren Kapitän Manuel Neuer mit dem Tragen der Regenbogen-Kapitänsbinde. Und das nicht erst seit heute. Die deutsche Sicht ist anders als die Perspektive der UEFA. Sie hat neben der klaren Haltung gegen jeden Form von Diskriminierung im Rahmen eines europaweiten Turniers auch zu berücksichtigen, dass ein politisches Statement gegen eine Parlamentsentscheidung eines Teilnehmerlandes abgegeben werden soll. Aus unserer nationalen deutschen Sicht ist unsere Haltung klar: die Entscheidung des ungarischen Parlaments entspricht in keiner Weise unseren Überzeugungen und unserer Haltung, sie ist aus unserer Sicht ein absolutes ‚No-Go‘.“

Koch weiter: „Die UEFA hat deutlich gemacht, dass ein politisches Statement am Spieltag für sie als Veranstalter der EURO nicht möglich ist. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt sehr klarmachen, dass wir in Deutschland deutlich sichtbare Zeichen setzen wollen. Dazu ist morgen beim Spiel gegen Ungarn für alle Zuschauer die erste Gelegenheit. Und das können wir alle gemeinsam beeinflussen. Deswegen unterstützen wir auch den CSD Deutschland bei der Organisation der Verteilung von 10.000 Regenbogenfahnen am Stadion.“

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