DFB-Team in den USA: Nagelsmann grübelt über seine Startelf
Nagelsmann wirkt gereiztPlötzlicher Umbruch im DFB-Kader sorgt vor USA-Spiel für Zündstoff

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Julian Nagelsmann winkt beim Aussteigen aus dem DFB-Teambus Richtung Fans.
WM-Fieber in Chicago! Julian Nagelsmann ist mit dem DFB-Team in den USA gelandet. Doch von Entspannung keine Spur: Nach einer XXL-Anreise wartet sofort der Ernstfall. Der Countdown läuft!
Als letzter Mann verließ Julian Nagelsmann den Bus des Teams. Er grüßte kurz die wartenden Anhänger und ging dann mit schnellen Schritten in das gigantische, 60 Etagen hohe Mannschaftshotel. Zwischen der Ankunft des DFB-Trosses am O'Hare International Airport in Chicago und dem Eintreffen am Waldorf Astoria lagen mehr als zwei Stunden.
Die Reise durch den dichten Berufsverkehr im „Windstar“-Bus war für den Nationalcoach ein erster Vorgeschmack auf die riesige WM. Ein Wettbewerb mit enormen Hürden und weiten Distanzen. Nach einem Flug von acht Stunden lud Nagelsmann die gesamte Mannschaft zu einem Spaziergang am Abend ein, direkt am Ufer des Lake Michigan. Die Mission: Beine lockern und den Kopf klären. Für Reisemüdigkeit ist kein Platz im Zeitplan.
Nun startet die finale Phase der WM-Vorbereitung. Jedoch nicht für die Öffentlichkeit. Auf dem Trainingsgelände des MLS-Vereins Chicago Fire bleiben die Tore für die kommenden zwei Tage geschlossen. Bis zum Auftaktmatch am 14. Juni in Houston gegen den WM-Neuling Curaçao ist noch eine Menge Arbeit zu leisten.
Testlauf gegen die USA steht bevor
Nach der schrittweisen Planung des Bundestrainers, die in den USA bis zum Finale am 19. Juli reichen soll, steht nun der letzte Härtetest gegen Mitausrichter USA an. Am Samstag (20.30 Uhr/RTL) legt Nagelsmann den Fokus nicht auf eine bestimmte Taktik oder ein Spielkonzept. Es wird auch nicht die Spielweise der Gruppengegner Elfenbeinküste oder Ecuador nachgestellt, die als deutlich stärker als Curaçao eingeschätzt werden.
Der Test gegen die amerikanische Auswahl soll für Nagelsmann vielmehr dazu dienen, die gewaltige Atmosphäre des Turniers schon einmal zu spüren. „Es geht einfach darum, die Emotionalität aufzusaugen und auch bei dem Turnier dann quasi anzukommen“, umriss der Nationaltrainer sein Programm für Chicago.
Gänsehaut-Atmosphäre im Soldier Field
Im Soldier Field, wo normalerweise die Chicago Bears in der NFL auf Touchdown-Jagd gehen, erwartet der 38-Jährige eine unglaubliche Begeisterung der amerikanischen Fans. „Ich glaube, es wird ein sehr emotionales Spiel“, meinte er. Laut Nagelsmann hatten die USA seit der Weltmeisterschaft 1994 im eigenen Land keine wichtigere Begegnung.
Die Arena, die mehr als 60.000 Plätze fasst, ist restlos ausverkauft. Kurioserweise deutete bei der Ankunft der deutschen Stars am Stadion noch nichts auf das Fußballspiel gegen Deutschland hin. Auf der gewaltigen Leuchttafel wurde nur Werbung für ein Konzert des britischen Sängers Ed Sheeran Ende Juni und ein Freundschaftsspiel zwischen dem FC Liverpool und Leeds United im August.
Die WM wird trotzdem eine gewaltige Ausstrahlung haben. Das hatte auch Rudi Völler kurz vor dem Abflug in die USA betont. „Etwas besonders ist diese Wertigkeit“, erklärte der 66-Jährige vor seiner fünften Weltmeisterschaft seit 1986, die seine erste als DFB-Sportdirektor ist. Für die Laufbahn jedes Akteurs, ganz gleich wie erfolgreich im Verein, sei dieses Turnier einzigartig, so Völler. In Chicago verließ er als erster den Bus.
Für Nagelsmann ist es die WM-Premiere. Und er steht direkt vor wichtigen Entscheidungen: Ist Torhüter Manuel Neuer nach seiner Wadenverletzung bereit für die Rückkehr ins DFB-Trikot? Wie stark kann man den nachgereisten Kai Havertz als Stürmer in der Startelf nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel mit dem FC Arsenal einsetzen? Und sind die jungen Talente Lennart Karl und Nathaniel Brown die besseren Alternativen für die Startformation als die Routiniers David Raum und Leroy Sané?
Kurzfristig deutet sich eine personelle Umstellung im WM-Kader an, die nach der gelungenen Qualifikation im letzten November nicht vorhersehbar war. Mit Neuer, Brown, Karl und Felix Nmecha machen formstarke Akteure Druck auf die Startelf, die auf dem Weg zur WM bisher keine oder nur eine kleine Rolle spielten. Hinzu kommen Jamal Musiala und Havertz, die verletzungsbedingt in der Qualifikation gar nicht zum Einsatz kamen und nun ihre Stammplätze zurückfordern.
Hoeneß-Kritik wird zum Realitätscheck
Die von Uli Hoeneß, Ehrenpräsident von Bayern München, vorgebrachte Kritik, Nagelsmann hätte keine eingespielte Mannschaft, wird nun durch ein halbes Dutzend neuer Startelf-Anwärter im Nachhinein bestätigt. Was bedeutet das für die Akteure, die die Fahrkarte zur Endrunde für Nagelsmann gesichert haben? Oliver Baumann muss trotz aller Zusagen als Nummer eins für Neuer weichen. Auch Leon Goretzka oder der Toptorjäger Nick Woltemade gehören zu denen, die auf einmal nicht mehr als feste Größen gelten.
Entsteht dadurch eine Verstimmung in der Mannschaft, die Nagelsmann durch seine Philosophie der eindeutigen Rollenverteilung eigentlich unterbinden wollte? Auf diese Personal-Thematik angesprochen, schien der Bundestrainer kürzlich etwas irritiert.
„Ja, diese Rollenspiele haben einen ganz großen Teil der Berichterstattung der letzten Wochen und Monate eingenommen“, sagte der Nationalcoach. Am Ende hätten sie aber stets nur die momentane Situation dargestellt – Anpassungen nicht ausgeschlossen. Die kommenden Tage in Chicago werden die Marschroute für die WM festlegen. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
