Emotionale Mitgliederversammlung bei Borussia Mönchengladbach! Die sportlich enttäuschende Saison geht vor allem an Rainer Bonhof nicht spurlos vorbei.
Millionen-Verlust verkündet„Scheißjahr“: Gladbach-Boss bricht in Tränen aus

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Rainer Bonhof konnte seine Tränen auf der Bühne nicht zurückhalten.
Rainer Bonhof ist auf der Jahreshauptversammlung von Borussia Mönchengladbach in Tränen ausgebrochen. Zu Beginn seines Jahresberichtes wurde der Weltmeister emotional und begann seinen Ausflug in seine „Gefühlswelt als Präsident“ deutlich: „Scheißjahr!“
Die 1.612 zu dem Zeitpunkt anwesenden Mitglieder applaudierten, doch der 74-Jährige fing an zu weinen und sagte mit brüchiger Stimme: „Ich dachte, wir wären stabiler.“
Polanski wünscht sich mehr „Arschlöcher“ in der Mannschaft
Die Vereins-Ikone der Borussia erwähnte insbesondere das vergangene Derby beim 1. FC Köln vor einem Monat, als die Gladbacher aus einem 1:2 ein 3:2 machten und am Ende nur 3:3 spielten. „Das tut weh“, sagte Bonhof, der einst auch für den FC aktiv war.
„Wenn du dann bei Auswärtsspielen die Fans siehst - für die lohnt es sich nicht abzusteigen“, sagte Bonhof unter Tränen und fügte pathetisch hinzu: „Aber wir haben ein Faustpfand und das ist die Raute. Und die lasse ich nicht aus den Händen.“ Anschließend fing sich Bonhof und brachte seinen Bericht in normaler Tonlage zu Ende.
Bonhof und der Rest des Präsidiums sahen sich am Montag auch Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Auf Flugblättern drückte die aktive Fanszene ihre Sorge aus. „Borussia Mönchengladbach hat keine Zeit mehr zu verschwenden, auch nicht bis zum Ende der aktuellen Präsidiumslegislatur 2027“, war dort zu lesen. Unterschrieben war der Text vom FPMG Supporters Club, der Interessenvertretung für alle Fans von Borussia Mönchengladbach, und den Ultras.
Bonhof führt die Borussia seit 2024 an, Wahlen standen auf der Versammlung nicht an. „Es ist uns kein Anliegen, verdiente Vereinslegenden wie Ex-Weltmeister Bonhof hier irgendwie zu demontieren“, hieß es weiter. Es bestehe aber der „Eindruck, dass wir aktuell an oberster Stelle nicht so aufgestellt sind, wie es die schwierigen Zeiten erfordern werden.“
Viel Applaus erhielt dagegen Rouven Schröder. Der erst während der Saison geholte Sportchef kündigte für den Sommer einen Umbruch an. „Wir brauchen ein richtig gutes Transferfenster. Für mich ist ein Wort wichtig: Mut. Wir brauchen Mut zu Veränderung“, sagte Schröder. Gleichzeitig sei es seine Aufgabe, die Kaderkosten zu senken, ohne an Qualität einzubüßen.
Trainer Eugen Polanski gab sich kämpferisch und blickte bereits Richtung der kommenden Saison: „Wir haben eine gute Fußball-Mannschaft, haben gute Charaktere. Aber tatsächlich fehlt mir ein bisschen die Gier auf Erfolg. Wir haben sehr liebe Charaktere, wir brauchen ein paar Arschlöcher in der Mannschaft, um Spiele zu gewinnen. Ich bin voller Tatendrang, gewisse Dinge zu ändern, so wie ich sie haben will.“
Borussia Mönchengladbach, früherer Champions-League-Teilnehmer, befindet sich seit Jahren im Umbruch und spielt in dieser Saison gegen den Abstieg. Im vergangenen Herbst hatten sich die Gladbacher von Trainer Gerardo Seoane und Sportchef Roland Virkus getrennt. Auch um Seoane-Nachfolger Eugen Polanski gibt es seit Wochen bereits wieder Diskussionen. Drei Spieltage vor dem Saisonende haben die Gladbacher sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.
Bedingt durch den sportlichen Rückschritt der vergangenen Jahre gab es auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder einen Verlust in Höhe von knapp vier Millionen Euro nach Steuern. Im Vergleich zum Jahr 2024 stieg der Vor-Steuer-Verlust zwar nur um gut 600.000 Euro, jedoch wurde eine Steuernachzahlung von rund 700.000 Euro für vier Jahre fällig.
Es war das zweite Jahr am Stück, in dem ein Verlust erwirtschaftet wurde. Dies lag insbesondere auch an deutlich gesunkenen TV-Erträgen. 2024 hatte der Verlust 2,5 Millionen Euro betragen. Den Umsatz steigerte der Fußball-Bundesligist im vergangenen Jahr um knapp fünf Millionen Euro auf 189,31 Millionen Euro. (dpa/sid)
