Nach Rassismus-Eklat gegen Amiri DFB-Sportgericht verurteilt Unions Hübner

Hübner-Leverkusen

Florian Hübner von Union Berlin wurde vom DFB-Sportgericht für zwei Spiele gesperrt.

Berlin – Es waren unschöne Szenen unmittelbar nach dem Schlusspfiff der 0:1-Niederlage von Bayer Leverkusen bei Union Berlin. Die Emotionen entluden sich, auf dem Rasen bekamen sich einige Spieler beider Teams in die Haare.

  • DFB sperrt Unions Florian Hübner
  • Nach Rassismus-Eklat gegen Nadim Amiri
  • Leverkusener hat Entschuldigung angenommen

Der Leverkusener Nationalspieler Nadiem Amiri (24) wurde angeblich von einem Union-Spieler rassistisch beleidigt.

Union-Manager Ruhnert widerspricht Leverkusen-Spielern

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Union Berlins Manager Oliver Ruhnert (49) hat die Rassismus-Vorwürfe zurückgewiesen und seinen Spieler Florian Hübner in Schutz genommen. „Er hat sich so nicht geäußert“, sagte Ruhnert in einem digitalen Pressegespräch des Fußball-Bundesligisten am Samstag.

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Union Berlins Manager Oliver Ruhnert nimmt seinen Spieler Florian Hübner nach den Rassismus-Vorwürfen in Schutz. Das Bild stammt aus dem Juni 2020.

Dem Verteidiger Rassismus „anzudichten“ sei schon alleine wegen der Hautfarbe von dessen Ehefrau „schwierig“, fügte Ruhnert an. Aus Sicht des Vereins werde es keine Strafe gegen Hübner geben.

Jedoch hat nun der DFB ein Urteil gefällt. Am Donnerstag, den 21. Januar, sperrte das Sportgericht den Berliner Abwehrspieler für zwei Bundesligapartien. Hübner fehlt den Eisernen in der Fußball-Bundesliga somit wegen unsportlichen Verhaltens in den Partien am Samstag beim FC Augsburg und eine Woche später gegen Borussia Mönchengladbach. Dazu muss Hübner eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro bezahlen.

„Für mein Verhalten in der verbalen Auseinandersetzung mit dem Leverkusener Spieler Nadiem Amiri bin ich zu Recht bestraft worden. Von grundlegender Bedeutung ist für mich, dass das Sportgericht und der DFB davon ausgehen, dass ich selbst zuvor verbal attackiert worden bin und dass meine Äußerungen nicht diskriminierend oder in irgendeiner Weise rassistisch waren“, wurde Hübner in einer Mitteilung der Eisernen am Donnerstag zitiert.

Nadiem Amiri nimmt Entschuldigung an

Amiri hingegen hat die Entschuldigung des Berliners angenommen. „Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leidtun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt“, zitiert Bayer Leverkusen den Nationalspieler bei Twitter.

Bei der Rudelbildung nach dem Abpfiff war Amiri auch von den eigenen Teamkollegen und Betreuern kaum zu beruhigen gewesen. Er packte sich unter anderem den Berliner Florian Hübner (29) und lieferte sich heftige Wortgefechte.

Jonathan Tah: „Das gehört hier nicht her“

Im Interview nach dem Spiel äußerte sich auch Bayers Abwehrmann Jonathan Tah (24) bei DAZN zu den Szenen während des Spiels: „Es gab Diskussionen, und dann ist der Begriff Scheiß-Afghane gefallen.“ Der Bayer-Abwehrmann ergänzte: „Das ist das Bitterste an diesem Abend. Das finde ich sehr, sehr schade, sowas gehört hier nicht auf den Fußballplatz. Ich hoffe, dass das irgendwie Konsequenzen hat.“ Tah stellte klar: „Das gehört hier nicht hin, egal wie emotional das Ganze hier ist. So geht das nicht.“

Was genau vorgefallen war, ist auch am Samstag noch unklar. Wie auch Bayers Mittelfeld-Stratege Kerem Demirbay (27) indirekt bestätigte, soll ein Union-Profi Amiri rassistisch beleidigt haben. Näher dazu äußern wollte sich Demirbay aber nicht.

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Bayer Leverkusens Nadiem Amiri (M.) soll in der Schlussphase des Spiels bei Union Berlin von einem Gegenspieler rassistisch beleidigt worden sein.

Dafür motzte er gegen Schiedsrichter Florian Badstübner (29), der seiner Meinung nach die angebliche Beleidigung gegen Amiri, aber auch weitere Vergehen der Unioner im Spiel falsch bewertet hatte: „Er war wirklich sehr, sehr schlecht. Er muss das mitkriegen. Das ist ein Bundesliga-Schiedsrichter, bei allem Respekt. Das kotzt mich wirklich an.“

Union-Coach Urs Fischer (54) sagte: „Es sind Worte gefallen, die nichts auf dem Fußballplatz zu suchen haben. Es soll von beiden Seiten was gefallen sein. Wir werden das versuchen zu klären. Wenn das der Fall sein sollte, dann entschuldige ich mich schon dafür.“

Der Bayer-Motor stottert

Das Sportliche rückte damit in den Hintergrund. Nach vier sieglosen Liga-Spielen am Stück ist Bayer auf Rang drei abgerutscht, kann am Samstag von Borussia Dortmund (gegen Mainz) überholt werden. Und auch die Bayern (gegen Freiburg) könnten nach dem Wochenende wieder auf sieben Punkte weg sein.

Bei den traditionell kampfstarken Unionern verpasste die Bosz-Truppe die Wende – und hatte in der zweiten Halbzeit teilweise sogar riesiges Glück, nicht früher in Rückstand geraten zu sein. Allein Stürmer Cedric Teuchert (24) scheiterte aufseiten der „Eisernen“ zweimal frei stehend am Pfosten und den eigenen Nerven (50., 61.).

Cedric Teuchert wird zum Matchwinner

Doch aller guten Dinge sind eben drei: Kurz vor Schluss traf der Ex-Schalker nach einem Tempo-Gegenstoß und Stellungsfehler von Bayers Abwehrmann Jonathan Tah dann doch noch zum umjubelten 1:0-Sieg für die Gastgeber (88.). „Ich hatte am Ende kaum noch Kraft. Also habe ich einfach geschossen. Zum Glück ist er reingegangen“, kommentierte der Berliner Matchwinner.

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Keeper Lukas Hradecky und Bayer Leverkusen blieben bei Union Berlin im vierten Bundesliga-Spiel am Stück ohne Dreier.

Bayer wiederum hatte über das gesamte Spiel gesehen zwar mehr Ballbesitz und auch die besseren Chancen im ersten Durchgang – konnte das allerdings nicht in Zählbares ummünzen. Ein Grund dafür dürfte auch das abermalige Fehlen des Top-Talents Florian Wirtz (17) gewesen sein. Der Youngster, der in der Liga schon zwei Treffer und fünf Assists verbucht hatte, stand Bosz mit Knieproblemen erneut nicht zur Verfügung. Die gewitzten Ideen und Dribblings des Ex-Köln-Juwels fehlten so in der Bayer-Offensive. Neuzugang Timothy Fosu-Mensah (23) von Manchester United hatte es ebenfalls noch nicht in den Spieltagskader geschafft.

Am kommenden Dienstag (20.30 Uhr, Sky) wartet auf die Werkself nun ein richtig dicker Brocken: Dann gastiert der wiedererstarkte BVB in der Leverkusener Arena. Die Gegner danach heißen VfL Wolfsburg und RB Leipzig.

Die Aufgaben für Bosz und sein Team werden in den kommenden Wochen wahrlich nicht leichter...

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