Abo

Spielberg und Scorsese inszenieren Horror-Klassiker neuDas sind die Streaming-Tipps der Woche

Anwältin Anna Bowden (Amy Adams), die normalerweise für unschuldig einsitzende und oft unterprivilegierte Gefangene kämpft, muss sich nun selbst gegen die Zerstörung ihres Lebens und das ihrer Familie wehren. (Bild: Apple TV)

Copyright: Apple TV

Anwältin Anna Bowden (Amy Adams), die normalerweise für unschuldig einsitzende und oft unterprivilegierte Gefangene kämpft, muss sich nun selbst gegen die Zerstörung ihres Lebens und das ihrer Familie wehren. (Bild: Apple TV)

Auf Apple TV startet die Serien-Version von Scorseses Filmklassiker „Kap der Angst“, während die sympathische Gen-Z-Komödie „Not Suitable for Work“ bei Disney+ vom harten Karriereeinstieg in Manhattan erzählt. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.

Der Horror eines unheimlichen Außenseiters, der eine heile - und privilegierte - Familie bedroht, ist in den USA ein Schreckensszenario, ja fast eine Urangst. Präzise formuliert wurde ein solches Szenario 1957 im Roman „The Executioners“ von John D. MacDonald. Er ist auf Deutsch unter dem Titel „Kap der Angst“ oder auch „Ein Köder für die Bestie“ erschienen. Auf die beiden Kino-Verfilmungen von 1962 und 1991 folgt nun bei Apple TV das Serien-Update „Kap der Angst“, in dem Amy Adams und Patrick Wilson das bürgerliche Paar und Javier Bardem die dunkle Bedrohung geben. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.

„Kap der Angst“ - Apple TV

Tatort Manhattan: Der tapsige Davis (Will Angus, links), Medizinstudent und Möchtegern-Schauspieler Kel (Nicholas Duvernay, zweiter von links) sowie Reichensöhnchen Josh (Jack Martin), der Journalist werden will, leben Tür an Tür mit einer weiblichen Zweier-WG. (Bild: Disney+)

Copyright: Disney+

Tatort Manhattan: Der tapsige Davis (Will Angus, links), Medizinstudent und Möchtegern-Schauspieler Kel (Nicholas Duvernay, zweiter von links) sowie Reichensöhnchen Josh (Jack Martin), der Journalist werden will, leben Tür an Tür mit einer weiblichen Zweier-WG. (Bild: Disney+)

Eigentlich ist diese Geschichte ziemlich einfach, man könnte auch sagen: archaisch. Wobei der zugrundeliegende Roman von John MacDonald, einem der einflussreichsten amerikanischen Krimi- und Thriller-Autoren der Nachkriegszeit, in den Verfilmungen stets ein wenig variiert wird. In der fast zehnstündigen, von Steven Spielberg und Martin Scorsese produzierten Serie „Kap der Angst“, die am Freitag, 5. Juni, mit einer Doppelfolge bei Apple TV startet (acht weitere Episoden folgen wöchentlich), entfaltet sich das Unbehagen wie folgt: Das erfolgreiche Anwaltspaar Anna (Amy Adams) und Tom Bowden (Patrick Wilson) lebt mit den halbwüchsigen Kindern Natalie (Lily Collias) und Zack (gespielt von Kate Winslets Sohn Joe Alfie Winslet Mendes) in Savannah, Georgia. Einst verteidigte Anna den mutmaßlichen Mörder Max Cady (Javier Bardem). Tom war der Staatsanwalt des Prozesses. Cady wurde vorgeworfen, seine schwangere Frau getötet zu haben. 17 Jahre saß er im Knast, nun ist er nach dem obskuren Geständnis einer anderen Person wieder frei - und drängt sich ins Leben seiner ehemaligen Prozess-Juristen. Bald passieren unheimliche und unerklärliche Dinge.

Im ersten Film spielte Robert Mitchum die böse Max-Cady-Figur, während der „Gute“ von Gregory Peck verkörpert wurde. Der soll sich nach dem Kinostart von „Ein Köder für die Bestie“ (1962, Regie: J. Lee Thompson) darüber echauffiert haben, dass Mitchum all den Ruhm des Films erntete. In der Tat ist der bedrohliche Fremde der eigentliche Star des Stoffes und die Bürgerlichen sind die nicht immer eindeutigen Helden. Weil - und das ist eine Stärke des Stoffes - das Böse von außen durchaus hässliche Seiten der Saubermann-Familie hervorkehrt. Eine spannende Idee, die wohl auch Robert De Niro 1991 bewogen haben mag, Cady in der Verfilmung Martin Scorseses zu verkörpern. Martin Scorsese und Steven Spielberg fungieren nun in der Serie als Produzenten, auch wenn Horror-Spezialist Nick Antosca (“Chucky“) der eigentliche Showrunner ist. Den Horror-Aspekt der Bedrohung hat Antosca ordentlich nach oben gefahren. „Kap der Angst“ zieht so ziemlich alle Register der Grusel-Orgel und erzählt nicht wirklich subtil.

„Not Suitable for Work“ - Disney+

Der Job von Bundestrainer Berti Vogts rund um die WM 1994 in den USA muss die Hölle gewesen sein. Die sehenswerte Doku „Elf Helden - Ein Albtraum“ zeigt, wie Vogts damals quasi von allen Seiten - Spieler, Medien, deutsche Öffentlichkeit - der Lächerlichkeit preisgegeben und angefeindet wurde. Zwei Jahre später wurde er Europameister. (Bild: NDR/ARD/BROADVIEW/Till Vielrose)

Copyright: NDR/ARD/BROADVIEW/Till Vielrose

Der Job von Bundestrainer Berti Vogts rund um die WM 1994 in den USA muss die Hölle gewesen sein. Die sehenswerte Doku „Elf Helden - Ein Albtraum“ zeigt, wie Vogts damals quasi von allen Seiten - Spieler, Medien, deutsche Öffentlichkeit - der Lächerlichkeit preisgegeben und angefeindet wurde. Zwei Jahre später wurde er Europameister. (Bild: NDR/ARD/BROADVIEW/Till Vielrose)

Die neunteilige Comedy-Serie „Not Suitable for Work“ (Start bei Disney+ mit drei Folgen am Dienstag, 2. Juni) erzählt von fünf Mittzwanzigern, die den Berufseinstieg auf einem der härtesten Karrierepflaster der Welt suchen: als Banker, Journalist, Schauspieler und Stylistin in New York. Genauer: im derzeit sehr angesagten Manhattan-District Murray Hill, gelegen etwa zwischen Empire State Building und East River.

Erzählt wird von der ebenso intelligenten wie ehrgeizigen AJ (Ella Hunt) und dem etwas tapsigen Davis (Will Angus), die in einer stressigen Finance-Klitsche unter dem maximal fordernden Chef Bill Gibson (Jay Ellis) arbeiten. Dann ist da Josh (Jack Martin), sensibler Sohn eines einflussreichen Vaters, der als Investigativ-Journalist in einer legendären Polit-TV-Show reüssieren will, aber mit Vorurteilen gegen sein mächtiges Elternhaus zu kämpfen hat.

Kel (Nicholas Duvernay) hingegen hat „Outing“-Probleme. Seine Einwanderer-Eltern sind besessen von Kels Medizinstudium. Er selbst hasst es jedoch, weil er von der Schauspielerei träumt und sich schließlich in einem Aushilfsjob als Lehrer wiederfindet. Schließlich ist da noch Abby (Abhinaya), Tochter indischer Einwanderer, die als Nachwuchs-Stylistin New Yorker Stars von ihrer Chefin gequält wird und sich damit konfrontiert sieht, dass sich ein gehypter junger Schauspielstar (Harry Richardson) für sie interessiert. Die charmant geschriebene und prima gespielte Gen-Z-Comedy stammt aus der Feder von Comedy-Legende Mindy Kaling (“The Office“). Nach dem Start mit drei Folgen laufen die restlichen Episoden im Zweierpack bis zum Finale am 23. Juni.

„WM 1994: Elf Helden - Ein Albtraum“ - ARD Mediathek

Thomas Jensen (links) und Holger Hübner haben das Festival in Wacken erfunden - und eine Marke aus dem W:O:A gemacht, die sie mit größter Leidenschaft pflegen. Der Dokumentarfilm „Wacken - Hearts Full Of Metal“ gibt ihrer Geschichte viel Raum. (Bild: Pep Bonet & WOA Festival GmbH / Magenta TV)

Copyright: Pep Bonet & WOA Festival GmbH / Magenta TV

Thomas Jensen (links) und Holger Hübner haben das Festival in Wacken erfunden - und eine Marke aus dem W:O:A gemacht, die sie mit größter Leidenschaft pflegen. Der Dokumentarfilm „Wacken - Hearts Full Of Metal“ gibt ihrer Geschichte viel Raum. (Bild: Pep Bonet & WOA Festival GmbH / Magenta TV)

Im Sommer 1994 reiste die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Titelverteidiger mit zwölf Weltmeistern und neuen Ausnahmespielern wie Matthias Sammer, Mario Basler und Stefan Effenberg in die USA. Das Ziel: Man wollte selbstredend wieder Weltmeister werden. Das Ergebnis waren jedoch Streitigkeiten ohne Ende, die interne und öffentliche Demontage des Bundestrainers Berti Vogts und viele Probleme auf dem Platz. Die viermal 45 Minuten lange Doku-Serie „WM 1994: Elf Helden - Ein Albtraum“ findet sich ab Dienstag, 2. Juni, in der ARD-Mediathek.

Für die Serie von Manfred Oldenburg (“Fußballwunder: Von Bern bis Berlin“) plaudern die Protagonisten von einst erstaunlich freimütig aus dem Nähkästchen. Darunter Berti Vogts, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Bodo Illgner, Mario Basler, Matthias Sammer, die Journalisten Reinhold Beckmann, Gaby Papenburg und Marcel Reif sowie die damals mit im Zentrum des Geschehens stehende „Spielerfrau“ Bianca Illgner.

Vielleicht ist es dem zeitlichen Abstand von 32 Jahren geschuldet, dass diese Doku so gut ist. Es entsteht nämlich das Gefühl: Alle Protagonisten, die diesen Horrorfilm einer nicht ganz unbedeutenden Reise einer Sportgruppe erzählen, sind frei von jeglichen PR-Fesseln. Oldenburg erzählt die Geschichte dieser 90er-Jahre-WM als Beleg dafür, dass nicht unbedingt immer die talentierteste Mannschaft ein Turnier gewinnt. Eher schon die beste Gemeinschaft. Was an Skandalen, Zerwürfnissen und menschlichem Versagen - auch der Medien - im Film herausgearbeitet wird, wirft ein neues Licht auf Turniere wie die Fußball-WM.

„Wacken - Hearts Full of Metal“ - MagentaTV

80.000 bis 90.000 Metalfans werden es auch in diesem Jahr wieder sein, die sich ab Mittwoch, 29. Juli, in den hohen Norden begeben, um im Beisein zahlreicher Rindviecher für ein paar Tage die Sau rauszulassen. Das Wacken-Open-Air ist eine fürwahr lebende Legende. Dank der Veranstaltung, die einst, 1990, mit nur 800 Besuchern ihren Anfang genommen hat, wurde aus dem Dorf eine Marke, ein Mythos, für viele sogar ein Lebensgefühl. Der Dokumentarfilm „Wacken - Hearts Full of Metal“ (ab Donnerstag, 4. Juni, bei Magenta TV) macht sich nun einmal mehr auf die Spur dieses märchenhaften Stückes Rockgeschichte.

Es gab schon einige Dokumentarfilme, die sich am Mythos Wacken abarbeiteten. Sie konzentrierten sich mehr oder weniger auf die Musik oder eben auf die Skurrilität, dass in der idyllischsten Provinz, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, regelmäßig dieser geballte Wahnsinn in Fünfliter-Dosen Einzug hält. Dieser neue Film rückt nun aber vor allem die beiden Festivalgründer Thomas Jensen und Holger Hübner in den Fokus: zwei typisch norddeutsche Protagonisten, die beweisen, dass auch Stoiker richtige Enthusiasten sein können.

Was Jensen „eine ganz naive Kneipenidee“ nennt, war der Beginn einer spektakulären Abenteuerreise, die auch einige Rückschläge bereithielt. In dem Film, der nicht nur Wacken-Fans bestens bedient, kommen neben Jensen und Hübner zahlreiche Wegbegleiter zu Wort. Auch viele Künstler, die in Wacken auf der Bühne standen oder noch regelmäßig stehen. Legenden von Doro Pesch bis, Gott hab' ihn selig, Lemmy Kilmister äußern sie sich überaus wertschätzend über das Festival. Die größte Nummer und eine Art roter Faden des Dokumentarfilms sind jedoch Guns N'Roses, deren Verpflichtung nach jahrelangem Anlauf schließlich 2025 Realität wurde. (tsch)

Mit seiner unkonventionellen Art gelingt es Dewey Finn (Jack Black, Mitte), seine Klasse für das Projekt „Rockband“ zu gewinnen. (Bild: kabel eins / Paramount Pictures)
Kein Kinderkram
Eine der besten Musikkomödien der letzten 25 Jahre läuft heute im Free-TV