Abo

VAR-FrustKölner toben – Kessler mit Privataudienz beim Schiri

Aktualisiert

Das war ein bitterer Sonntag für den 1. FC Köln kurz vor den Karnevalstagen. Beim 1:2 gegen RB Leipzig machten der VAR und Schiri Frank Willenborg den FC jeck – im negativen Sinne!

Das soll noch einer verstehen! Die Fußballgeschichtsbücher sind in VAR-Zeiten um ein weiteres unsägliches Kapitel reicher. Am Sonntag (8. Februar 2026) war der 1. FC Köln der leidtragende Verein. Beim 1:2 gegen RB Leipzig gab es eine höchst umstrittene Szene.

Nach 77 Minuten hatte Jan Thielmann das 2:2 auf dem Fuß, doch seinen Schuss blockte Leipzigs Christoph Baumgartner kurz vor der Linie mit der ausgestreckten Hand. Nach ersten Protesten der Kölner dachten alle im Stadion, dass sich Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) und die VARs im Kölner Keller, Arne Aarnink (Herdecke) und Markus Sinn (Filderstadt), die Situation nochmal anschauen und dann auf Elfmeter entscheiden würden.

Abseits vor Handspiel – Schiedsrichter Willenborg stellt sich nicht den Fragen

Doch nach rund sechs Minuten – Willenborg wurde zwischenzeitlich an den Bildschirm gebeten – gab es eine Abseits-Entscheidung gegen die Kölner! Vor dem strafbaren Handspiel von Baumgartner hatte Kölns Jakub Kaminski einen Ball Richtung Strafraum verlängert. Leipzigs David Raum köpfte den Ball raus, er kam zu Kölns Sebastian Sebulonsen, der zuvor hauchdünn im Abseits gestanden haben soll. 

Die Situation war so vielschichtig, dass EXPRESS.de nach dem Spiel mit Willenborg sprechen wollte, doch der Unparteiische stellte sich nicht persönlich, ließ über Dritte eine Botschaft übermitteln: Raum habe den Ball nicht kontrolliert rausgeköpft, sodass es eine richtige Abseitsposition gewesen sei.

Der Schiedsrichter wollte die Szenen nicht persönlich erklären, stattdessen redeten viele Kölner. Tom Krauß wetterte: „Wenn ich sowas sehe gerade, ist das schon sehr schwer. Es ist nicht das erste Mal in den letzten Wochen, dass solche Entscheidungen getroffen werden. In solchen Spielen ist ein Punkt für uns unfassbar wichtig. Wir verlieren dadurch. Das ist einfach nur sehr bitter. Aber ich bin jetzt ein bisschen ruhig, weil sonst sage ich hier Wörter, die nicht gut sind.“

Er sprach trotzdem weiter – und zwar über die vermeintliche Abseitsstellung. Bei der gezogenen Linie war die Hacke von Sebulonsen vor der Schulter eines Leipzigers: „Es sind gar keine Millimeter für mich – ich habe ja gerade das Bild gesehen. Vielleicht hat ja einer noch ein anderes Bild, wo es zwei Millimeter sind, weil die Linie so gestrichen ist, dass es Abseits ist. Aber ich kann darüber nur lachen. Ich weiß nicht, was er sich da anschauen soll. Denn da ist eine Linie gezogen. Ich sage lieber nichts mehr.“

Krauß weiter: „Also wir haben ja jede Woche die Diskussion über den VAR. Es werden Elfmetersituationen gepfiffen, wenn ich das Samstag bei Mainz sehe, wo nicht mal berührt wird und es gibt einen Elfmeter. Es ist sehr schwierig zu begreifen.“

Trainer Lukas Kwasniok bewertete die Situation wie folgt: „Das war die spielentscheidende Szene. Ich kann Dinge nachvollziehen, wenn sie klar sind. Problematik diesmal war die subjektive Bewertung, ob der Kopfball von David Raum kontrolliert oder unkontrolliert ist. Jeder, der mal am Kopfballpendel war, kann beurteilen, ob ein Nationalspieler den Ball da rausköpfen kann. Das ist einfach bitter.“

Eric Martel tobte ebenfalls: „Das kannst du mir nicht erzählen, dass da zwei Zentimeter oder drei Zentimeter... verstehe ich nicht. Also, das kannst du mir nicht erzählen, dass das Abseits ist. Das sieht aus, als ob die Linie da einfach hingezogen wäre. Dann muss es irgendwie eine andere Regelung geben, aber das ist für mich kein Abseits. Für mich war es einfach ein klarer Elfmeter. Die Freistoßsituation war ja schon davor und dann ist das für mich eigentlich eine neue Spielsituation, weil der Ball wird rausgespielt und dann schießt er ihn. Das ist einfach unfassbar bitter.“

Jan Thielmann meinte über die VAR-Situation: „So einen Elfmeter nicht zu bekommen, ist natürlich bitter. Ich sage, es ist ein klarer Elfmeter und dann läuft das Spiel anders. Ich verstehe es halt nur nicht, dass der Schiedsrichter raus muss bei einer Abseits-Entscheidung. Eigentlich ziehen die eine Linie, dann sagen sie ihm ins Ohr, abseits oder nicht. Dann braucht der Schiedsrichter nicht rausgehen und entscheiden, ob es dann im Endeffekt abseits ist oder nicht.“

Kölns Sportchef Thomas Kessler suchte nach dem Spiel das Gespräch mit Willenborg. Ob er danach alles verstanden hat? „Ich habe es mir zumindest erklären lassen. Anscheinend war es unstrittig, dass es eine Abseitsstellung gab. Dann ging es um den Kopfball von David Raum. Nach sechs Minuten hat Frank Willenborg es so bewertet, dass Raum nicht in der Lage gewesen ist, den Ball kontrolliert zu klären, deshalb hat er dann auf Abseits entschieden.“

Diese Verkettung von Prüfungen findet Kessler schwierig: „Ich musste mir das auch in einer Privataudienz beim Schiedsrichter erklären lassen.“ Handspiel, Abseits, neue Spielsituation – bei der ganzen Auslegungssache blicken viele Fans gar nicht mehr durch. Kessler: „Man kann das so entscheiden, die Frage ist, ob man sechs Minuten braucht, bis er sich das auf dem Video anschaut. Und dann darf er ganz alleine entscheiden, ob ein Nationalspieler von Deutschland unbedrängt einen Kopfball so in die Richtung köpfen darf, dass er nicht zum Gegenspieler kommt. Für uns ist das unterm Strich einfach bitter.“

Lukas Kwasniok geht mit gesenktem Kopf nach dem Spiel über den Platz.

FC-Stimmen zur Leipzig-Pleite

Kwasniok über Baumgartner: „Das ist unfair“