Der Mittelrheinligist SV Eintracht Hohkeppel sah sich nach einem Transfer dazu veranlasst, eine Stellungnahme abzugeben. Der Zugang eines ehemaligen FC-Talents sorgt für Diskussionen.
Nach Prozess um AutorennenVerpflichtung von Ex-FC-Talent löst Kontroverse aus

Rückblick Ende April 2026: Im Prozess gegen zwei ehemalige Nachwuchsspieler des 1. FC Köln hatte das Kölner Landgericht harte Strafen ausgesprochen. Wegen der Beteiligung an einem illegalen Autorennen und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr war ein Angeklagter zu einer Haftstrafe von fünf Jahren, der andere zu viereinhalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden.
Am 1. Dezember 2023 waren bei einem schrecklichen Autounfall auf der A555 bei Wesseling zwei Menschen, Mutter (†49) und Tochter (†23), ums Leben gekommen. Die zwei Frauen waren auf dem Rückweg von einem Konzert, als ihr Kleinwagen von einem leistungsstarken Auto einer der Angeklagten gerammt wurde.
Nach harten Urteilen: Ehemalige FC-Talente legen Revision ein
Der Vorsitzende Richter sah es als erwiesen an, dass sich die beiden damaligen Nachwuchsspieler des 1. FC Köln in einem Audi A5 und einem Mercedes E400D ein illegales Autorennen geliefert hatten. In der Urteilsverkündung hieß es, dass es kein tragischer Unfall gewesen sei, sondern ein Verbrechen.
Die heute 22-Jährigen hatten mit ihrer Verteidigung danach Revision eingelegt. Heißt: Die Urteile werden auf mögliche Rechtsfehler überprüft und sind noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung des Audi-Fahrers hatte zuvor einen Freispruch gefordert, der Anwalt des Mercedes-Fahrers wollte eine Bewährungsstrafe.
Der Mittelrheinligist SV Eintracht Hohkeppel verpflichtete jetzt eines der beiden ehemaligen FC-Talente. Der Spieler hatte zuvor in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar beim 1. FC Kaiserslautern II gespielt, kam aber seit dem 15. April nicht mehr zum Einsatz.
Er war schon von Oktober 2024 bis Juli 2025 für Hohkeppel aufgelaufen. Sportdirektor Kevin Theisen schwärmte: „Er treibt das Spiel im Mittelfeld an, kann starke Standards schlagen und hat u. a. beim 1. FC Köln eine sehr gute fußballerische Ausbildung genossen.“
Doch nach der erneuten Verpflichtung nach dem Prozess um ein mögliches Autorennen gab es kontroverse Diskussionen und viel Kritik in den sozialen Netzwerken.
Der SV Hohkeppel sah sich am 3. Juni 2026 zu einer Stellungnahme veranlasst. Darin heißt es: „Die Verpflichtung für unsere 1. Herrenmannschaft hat in den vergangenen Stunden zu zahlreichen Reaktionen in den sozialen Medien geführt. Die öffentliche Diskussion nehmen wir selbstverständlich wahr und verstehen, dass dieses Thema viele Menschen bewegt. Unabhängig von unserer sportlichen Entscheidung sind wir uns bewusst, dass bei dem tragischen Verkehrsunfall Menschen ihr Leben verloren haben und Familien bis heute mit den Folgen leben müssen. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen sowie allen Betroffenen.“
Der Verein habe sich mit der Situation ausgiebig befasst und sich vor dem Transfer viele Gedanken gemacht. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Vor der Verpflichtung haben wir uns intensiv mit der Situation auseinandergesetzt und mehrere persönliche Gespräche geführt. Diese Entscheidung wurde nach sorgfältiger Abwägung getroffen. Uns ist bewusst, dass das Verfahren öffentlich stark diskutiert wird. Gleichzeitig ist das Urteil nach unserem Kenntnisstand nicht rechtskräftig, da Rechtsmittel eingelegt wurden. Die rechtliche Bewertung obliegt ausschließlich den zuständigen Gerichten, deren Entscheidungen wir respektieren.“
Sportdirektor Kevin Theisen erklärte zudem: „Nach intensiven Gesprächen sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass er die Chance verdient, seinen sportlichen Weg bei uns fortzusetzen. Dabei geht es nicht darum, ein laufendes Verfahren zu bewerten, sondern einem jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auf den Fußball zu konzentrieren und seinen Weg weiterzugehen.“
Zudem gab es vom Verein noch einen Appell: „Sachliche Kritik und unterschiedliche Meinungen akzeptieren wir ausdrücklich. Persönliche Beleidigungen, Hasskommentare, Hetze, Drohungen oder Diffamierungen gegenüber dem Spieler, seinen Angehörigen oder Vereinsvertretern werden wir jedoch nicht tolerieren. Entsprechende Inhalte werden dokumentiert und rechtliche Schritte behalten wir uns vor.“ Die Kommentarfunktion unter der Stellungnahme wurde aufgrund der bisherigen Entwicklung der Diskussion deaktiviert.


