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Transfers, Leihen, TrainerFC-Rettung sicher: Jetzt intensiviert Kessler sein Personal-Puzzle

Thomas Kessler im Gespräch mit Tim Steidten.

Copyright: Herbert Bucco

Für Thomas Kessler und Tim Steidten vom 1. FC Köln beginnt nun mit der Transferzeit die intensivste Phase des Jahres.

Der 1. FC Köln kann nach den Ergebnissen des Wochenendes nur noch theoretisch absteigen. Die Planungssicherheit ermöglicht Thomas Kessler und Co. nun in die konkreten Planungen für 2026/27 einzusteigen.

Der 1. FC Köln ist zu 99,9 Prozent gerettet. Rein rechnerisch könnte zwar entweder der FC St. Pauli oder der VfL Wolfsburg – beide spielen am letzten Spieltag gegeneinander – durch zwei Siege bei gleichzeitig zwei FC-Niederlagen noch an Köln vorbeiziehen.

Da der FC (-8) aber eine derartig bessere Tordifferenz aufzuweisen hat als Wolfsburg (-25) und St. Pauli (-28), müsste es schon mit dem Teufel zugehen, dass da noch etwas schiefgeht. Das heißt für Thomas Kessler und Co.: Nun können die Planungen für die Bundesliga-Saison 2026/27 konkretisiert werden.

FC nimmt ordentlich Geld für die Leihspieler in die Hand

Bislang konnte man allen Beteiligten, egal ob Leihspielern oder potenziellen Neuzugängen, nicht garantieren, kommende Saison erstklassig zu sein. Nun beginnt das große Personal-Puzzle.

Leihspieler: Der FC hat diese Saison sechs Leihspieler unter Vertrag. Bei Jakub Kaminski wurden bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Nach dem Unentschieden auf St. Pauli bestätigte Kessler, dass der FC die Kaufoption ziehen werde, sie galt ohnehin ligaunabhängig. Der FC überweist für den Polen rund 5,5 Millionen Euro nach Wolfsburg, er erhält einen Vertrag bis 2029. Dieser wiederum enthält eine Ausstiegsklausel über satte 20 Millionen Euro.

Tom Krauß wird nächste Saison ebenfalls das FC-Trikot tragen. Seine Kaufoption ist an den Ligaverbleib gekoppelt, die Unterschrift dürfte folgen, wenn aus den 99,9 dann die 100 Prozent werden. Er kostet den FC rund 3,5 Millionen Euro.

Die beiden Personalien waren frühzeitig klar, und auch bei den anderen zeichnen sich Entscheidungen ab. So wird der FC auch die Kaufoption bei Jahmai Simpson-Pusey ziehen. Die Leihgabe von Manchester City hat sich in kürzester Zeit an das Niveau in der Bundesliga gewöhnt und ist in den vergangenen Wochen nicht mehr aus der FC-Abwehr wegzudenken.

Die Ablöse ist mit acht Millionen Euro zwar sehr hoch, doch ähnlich wie bei Rav van den Berg hoffen die Verantwortlichen, dass sie den Spieler eines Tages deutlich teurer verkaufen können. Bei Cenk Özkacar macht der FC sogar ein echtes Schnäppchen. Der FC überweist lediglich zwei Millionen Euro für den Türken, der sich zum unumstrittenen Stammspieler gemausert hat, nach Valencia.

Vier Personalien sind klar, zwei noch in der Schwebe. Kristoffer Lund konnte bislang noch nicht nachweisen, dass er die Lösung für die Zukunft auf der linken Seite ist. Da braucht der FC kommende Saison definitiv eine Verstärkung. Andererseits wäre er mit zwei Millionen Euro auch ein verhältnismäßig günstiger Backup hinter einer starken Nummer eins auf links. Sowohl ein Verbleib als auch der Abschied sind daher denkbar.

Das größte Fragezeichen steht hinter Felipe Chavez. Der FC ist von den Qualitäten des Peruaners grundsätzlich überzeugt, dennoch kam das Bayern-Talent bislang noch gar nicht zum Zug. In diesem Fall wird der Spieler genau abwägen, ob es sinnvoll ist, auch nächste Saison in Köln zu bleiben.

Denn der Youngster braucht Spielzeit, um sich zu entwickeln. Sollte man ihm für die kommende Saison einen adäquaten Plan aufzeigen, spricht nichts gegen ein weiteres Lehr-Jahr in Köln. Die Bayern haben sowohl für 2027 als auch für 2028 eine Rückkaufoption.

Leih-Profi wird nicht nach Köln zurückkehren

Verliehene Spieler: Rasmus Carstensen wird über die Saison hinaus in seiner dänischen Heimat bleiben. Aarhus GF wird die Option für den Rechtsverteidiger ziehen. Damit nimmt der FC ungefähr jenes Geld ein (rund 1,2 Millionen Euro), das man damals nach Genk überwies.

Jaka Cuber Potocnik soll ein weiteres Jahr Spielpraxis sammeln, am liebsten mit RWE in der 2. Liga. Die beiden Verteidiger-Talente Julian Pauli (nach starker Saison in Dresden) und Elias Bakatukanda kommen auf jeden Fall erstmal zurück und bekommen eine faire Chance. Imad Rondic und Jusuf Gazibegovic spielen in den Planungen keine Rolle, für sie sollen im besten Fall feste Abnehmer gefunden werden.

Auslaufende Verträge: Der Umbruch wird im Sommer weiter forciert. Mit Florian Kainz (Karriereende) und Dominique Heintz sind diesem bereits zwei Routiniers zum Opfer gefallen. Die beiden auslaufen Verträge wurden nicht verlängert.

Timo Hübers bekommt im Gegensatz zu Luca Kilian nach seiner schweren Verletzung dagegen einen stark leistungsbezogenen Vertrag. Er soll auch das Vakuum in der Kabine füllen, das nach den Abgängen von Kainz und Heintz entsteht.

Bei Eric Martel stehen nun die entscheidenden Verhandlungen an. Die Situation ist verfahren. Der ehemalige U21-Kapitän hatte eigentlich auf den nächsten Karriereschritt gehofft. Doch nach durchwachsenen Leistungen sind die großen Angebote ausgeblieben. Und auch beim FC genießt die Personalie nicht mehr oberste Priorität.

Das Top-Angebot aus dem vergangenen Sommer besitzt längst keine Gültigkeit mehr. Kessler will mit Martel verlängern, aber nur zu seinen Konditionen. Gleichzeitig sondiert man den Markt nach einem spielstarken Top-Sechser. Silas Andersen steht dabei unter anderem weiter im Kölner Fokus.

Abgänge: Denis Huseinbasic weiß spätestens seit den letzten Wochen, dass seine Zeit am Geißbockheim ausgelaufen ist. Der Mittelfeldspieler wurde von René Wagner zuletzt gar nicht mehr berücksichtigt und soll sich im Sommer eine neue Herausforderung suchen. Thomas Kessler betont immer wieder, dass „niemand vom Hof gejagt wird“, doch der FC hofft auf adäquate Angebote im Sommer.

Luca Waldschmidt ist ein Härtefall. Er hat vor allem in den letzten Wochen bewiesen, dass er der Mannschaft helfen kann. Auf die gesamte Saison gesehen, war das gemessen an seinen Fähigkeiten, allerdings mal wieder zu wenig. Er besitzt noch einen Vertrag bis 2027 und würde gerne in Köln bleiben. Bei den Talenten Youssoupha Niang und vor allem Fynn Schenten werden Leihen diskutiert, um ihnen wichtige Spielpraxis zu verschaffen.

Externe Neuzugänge: Der FC hat bei der Suche nach externen Verstärkungen für die kommende Saison wichtige Zeit verloren. Insbesondere bei ablösefreien Spielern, die im April gerne schon wissen wollen, wohin es für sie geht, fehlen nun ein paar Wochen.

Nun aber können die Gespräche mit potenziellen Transferzielen konkretisiert werden. Gesucht werden ein Linksverteidiger, ein spielstarker Sechser, ein Stoßstürmer und ein potenzieller El-Mala-Ersatz.

Und zum Schluss die Trainer-Frage: Denn auch wenn der Klassenerhalt nun quasi eingetütet ist, ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen noch die verbleibenden beiden Spiele gegen Heidenheim und die Bayern abwarten wollen, um eine Trainer-Entscheidung zu treffen.

René Wagner hat zwar gute Karten, ein Selbstläufer wird das aber trotz des erreichten Ziels nicht. Denn er hat den FC bislang zwar stabilisiert, aber noch nicht sichtbar nach vorne gebracht. Kessler wich der Frage am Samstag daher noch aus.

Er sagte: „Wir wollen unsere Ziele erreichen, danach setzen wir uns hin, machen einen Strich drunter und bewerten die Saison ganz in Ruhe. Dann werden wir natürlich auch mit René über die Themen sprechen.“

René Wagner gibt an der Seitenlinie Anweisungen.

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