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Kroos verteidigt Kwasniok„Wer das nicht unterschrieben hätte...“

Felix Kroos ist Fußball-Experte bei RTL, kommt als solcher regelmäßig nach Köln und sprach mit uns über das Duell des 1. FC Köln gegen die Bayern.

Am Mittwoch steigt in Müngersdorf für den 1. FC Köln das letzte Hinrundenspiel der laufenden Bundesliga-Saison. Und das hat es in sich: Mit einem 8:1 im Rücken kommt der FC Bayern nach Köln. Vor dem Highlight spricht TV-Experte und Ex-Fußballprofi Felix Kroos über die Kölner Chancen, Kwasnioks Rotation und Said El Mala.

Am Mittwoch empfängt der FC die Bayern. Wie nimmst du die Stimmung rund um den Kölner Aufsteiger aktuell wahr?

Felix Kroos: Man kennt das ja aus der Vergangenheit, aber ich habe immer wieder Unverständnis dafür, dass man so schnell vergisst, wo man herkommt. Es ist doch alles gut! Natürlich kippt mal die Stimmung, wenn man ein paar Spiele verliert. Aber dann immer komplett alles infrage zu stellen? Der FC ist Elfter. Und wer das vor der Saison im Sommer nicht unterschrieben hätte als FC-Anhänger, den soll mir mal einer zeigen.

Woran liegt das?

Man ist vielleicht zu gut reingestartet in die Saison, weshalb gleich wieder mit dem Träumen angefangen wurde. Ich glaube, mit der Art und Weise, wie sie spielen, und mit der Qualität, die sie im Kader haben, sollte sich keiner Sorgen machen, dass sie nächste Saison nicht wieder Bundesliga spielen. Sie haben gerade einen guten Grundstein gelegt, den sollten sie sich nicht wieder selbst kaputtmachen.

Wie siehst du Kölns Trainer Lukas Kwasniok in seiner ersten Bundesliga-Saison? Es gibt Diskussionen unter den Fans, er würde zu oft die Startelf wechseln.

Ich glaube, er ist ein Trainer, der sehr überzeugt ist von seinen Entscheidungen und das auch nach außen kundtut. Und wenn diese Entscheidung dann nicht funktioniert – was aber auch okay ist – ist er vielleicht etwas angreifbarer als andere, die alles dann irgendwo diplomatisch erklären. Rotation kannst du machen, wenn du die Breite im Kader hast. Und ich finde, die hat der FC sogar. Und wenn es funktioniert, sagen alle: ‚Oh, der hat den ganzen Kader hinter sich und im Griff. Jeder bekommt seine Chance. Keiner kann sich beschweren, dass er nicht zum Einsatz kommt.‘

Kannst du die Kritik nachvollziehen?

Kwasnioks Weg ist streitbar. Aber wie er das nach außen darstellt, finde ich gut. Ich bin ein Fan seiner Klarheit. Dass er auch unterhaltsam ist, bietet manchmal natürlich Angriffsfläche. Aber ich glaube grundsätzlich passt Kwasniok gut zum FC und ich hoffe, dass er das auch noch lange dort machen darf.

RTL-Fußball-Experte Felix Kroos

Felix Kroos ist Fußball-Experte bei RTL, kommt als solcher regelmäßig nach Köln und sprach mit uns über das Duell des 1. FC Köln gegen die Bayern.

Jetzt kam Said El Mala zuletzt von der Bank. Kwasniok sieht ihn derzeit lieber in der Joker-Rolle, lässt ihn seltener in der Startelf ran. Wie siehst du den Umgang mit so einem Talent?

Vor einem Jahr hat noch kaum einer über ihn geredet. Ich glaube, dass Kwasniok das gut handhabt. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Joker-Rolle im Fußball mittlerweile eine ganz andere, viel wichtigere Bedeutung bekommen hat. Es gibt Spieler, die hinten raus Spiele entscheiden können, und das ist auch eine Qualität, die man dann im Kader hat. Und da sage ich auch: Der Erfolg gibt ihm recht! El Mala hat jetzt mehr Joker-Tore als Startelf-Tore (4:3). Er hat da eine gewisse Qualität, die der Mannschaft hilft. Gleichzeitig ist da natürlich eine riesige Aufmerksamkeit beim FC.

Welche Rolle spielt so ein Hype um den Spieler?

Dass er zum Wunderjungen gemacht wird, hat er sich verdient. Den zweiten Poldi wollen die Fans dann auch sehen. Aber ein Trainer muss das immer gesund einschätzen. Gesund für den Spieler und gesund für die Mannschaft. Und da finde ich den Umgang von Lukas Kwasniok total angemessen und völlig in Ordnung.

Jetzt geht es für El Mala gegen die Bayern, Gerüchte gab es auch zur Genüge: Glaubst du, die Bayern haben El Mala weit oben auf dem Zettel?

Das Potenzial ist da, er hat etwas ganz Besonderes. Aber Potenzial ist nicht gleich Weltklasse. Das musst du dir über drei, vier Jahre erarbeiten, indem du konstant überperformst. Und die Chance hatte er ja noch gar nicht. Also gebt ihm die Zeit für sich, das herauszufinden. In seinem gewohnten Umfeld geht das am besten. Deswegen macht ein Wechsel kurzfristig keinen Sinn. Auch wenn es schwer ist in dem Alter, wenn du weißt, da kommen Angebote.

Hätte er die Klasse für den Rekordmeister?

Wenn er sein Potenzial ausschöpft und Konstanz reinbekommt, kann er bei den besten Mannschaften spielen. Dass er in gewissen Sachen noch dazulernen muss, weiß er, und das wissen alle. Kwasniok hilft ihm, die Schwächen zu sehen und zu wissen: ‚Okay, gegen Heidenheim hilft er vielleicht nicht von Anfang an.‘ Das muss ein Trainer einschätzen und nicht die Fans oder das Umfeld, das ihn unbedingt spielen sehen will. Und das Umfeld ist ja in Köln ein besonderes.

Wie ist dein Bezug zu Köln? Dein Bruder hat ja hier ein Domizil. Bist du dadurch auch öfter da?

Dafür müsste er öfter in Köln sein. Aber er lebt ja in Madrid weiterhin. Doch allein schon durch die Leverkusen-Zeit, in der Toni ja in Köln gelebt hat, war ich oft da und hab die Stadt lieben gelernt, vor allem die Leute. Viele Sendungen habe ich auch aus dem RTL-Studio in Köln gemacht und ich bin immer sehr gerne hergekommen. Ich liebe die Stadt, die Lebensweise ist mir sehr nah und sehr verbunden.

Was wäre denn möglich für einen Standort wie Köln? Könnte man irgendwann an die großen Zeiten vor über 30 Jahren anknüpfen?

Definitiv, aber man muss sich die Zeit geben. Das ist ja das große Thema aktuell, dass man jetzt schon wieder durchdreht, obwohl man eigentlich gut dasteht. Ich glaube, man kann immer etwas entwickeln, sobald man Kontinuität bei den entscheidenden Positionen hat. Nicht nur auf dem Platz. Es braucht eine gewisse Ordnung und Struktur, um Ruhe reinzubekommen und sich Stück für Stück weiterzuentwickeln.

Und der FC eines Tages als Top-Verein? Ist das überhaupt denkbar?

Beim FC ist das möglich, weil der Verein die Power und das Umfeld dazu hat. Ziel ist aber, sich erst mal in dieser Bundesliga zu etablieren. Und da ist jetzt auch Platz 13 bis 15 in Ordnung.

Jetzt kommen die Bayern nach einem 8:1 gegen Wolfsburg mit einer erschreckend guten Form. Was ist dein Gefühl?

Also ich erwarte schon, dass es deutlich enger zugeht, als jetzt gegen Wolfsburg. Es gibt oft solche Spiele, wo keiner damit rechnet, dass du irgendwas holst, wo die Spieler dann über sich hinauswachsen. Gerade auch, wenn du ein Heimspiel in Köln hast. Die Bayern sind natürlich Favorit, aber wenn Köln gut reinkommt, muss das keine klare Sache werden. Es ist auch für die Bayern schwierig, nach Köln zu kommen und bei der Kälte am Abend abzuliefern. Das kann sich der FC vielleicht zunutze machen.

Kann der FC die Bayern am Mittwoch überraschen?

Ich erwarte Köln mit einem ganz anderen Spirit als in Heidenheim. Es gibt da nichts zu verlieren. Keiner erwartet irgendwas, solange die Spieler  jeden Meter kratzen, beißen und kämpfen, um etwas herauszuholen. Das sollte machbar sein. Und deswegen erwarte ich jetzt kein Spiel, das komplett klar in eine Richtung geht.