An jedem Spieltag gibt es Diskussionen und Ärger über die Handspiel-Regel in der Bundesliga. Weil niemand mehr durchblickt, müssen die Regelhüter endlich reagieren, meint unser Autor. Ein Kommentar.
Kommentar zum FC-ÄrgerGroßes Armutszeugnis und kaum Hoffnung auf Besserung
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Die deutschen Auftritte bei der Handball-EM ziehen derzeit im Zwei-Tage-Rhythmus ein Millionen-Publikum in den Bann. Mit Solidarität hat es allerdings nicht zu tun, dass auch in der Fußball-Bundesliga einmal mehr die Hand am Ball in den Fokus gerückt ist.
Woche für Woche begleitet das Thema Handspiel-Regel die Spiele der Bundesliga, auch über zwei der drei Handelfmeter an diesem Wochenende wurde intensiv diskutiert. Weil die Bilanz fast schon dem normalen Wahnsinn entspricht, bleibt nur ein Schluss: Der Fußball hat ein akutes Handspiel-Problem.
Selbst Schiedsrichter sehen Handspiel-Regeln kritisch
Seit Jahren geht praktisch jeder Saison eine Anpassung der Regeln voraus, die die Bewertung von Handspielen vermeintlich einfacher, verständlicher und klarer machen soll. Doch gefühlt macht jede Änderung die Situation noch ein wenig schlimmer, kaum jemand hat da noch den Durchblick. Eine Rückkehr zur Regelauslegung, bei der die Absicht des Spielers entscheidend ist, wäre sicher zielführender als das derzeit gelebte Regel-Chaos.
Im Ärger des 1. FC Köln über den Handelfmeter für Freiburg bei der 1:2-Niederlage stachen bemerkenswerte Sätze ins Auge. „Ich habe keine Ahnung, wie die Regel da jetzt ist“, gestand Tom Krauß (24). Sein Trainer Lukas Kwasniok (44) erklärte voller Unverständnis: „Ich dachte, die Regel wäre …“
Wenn schon die Protagonisten nicht mehr Bescheid wissen, wie sollen dann die Fans verstehen, was auf dem Rasen und im Kölner Keller vor sich geht? Hilfestellung von Kommentatoren und Experten ist jedenfalls kaum zu erwarten, denn auch die tappen im Dunkeln.
Sowohl beim Freiburger Strafstoß als auch beim Mainzer Elfmeter gegen Wolfsburg am Vortag hatten die jeweiligen Kommentatoren sich vor der finalen Entscheidung festgelegt und waren von keinem Pfiff ausgegangen. Beispiel gefällig?
„Wo kommen wir denn da hin, wenn das ein Elfmeter ist?“, fragte etwa Martin Kern bei DAZN während des VAR-Checks zur Szene mit dem Wolfsburger Dzenan Pejcinovic (20). 30 Sekunden später musste er dann ungläubig kommentieren, wie Schiri Daniel Siebert (41) auf den Punkt zeigte.
Die ständige Verwirrung und die empfundene Willkür, wenn vergleichbare Szenen von einer Woche auf die andere unterschiedlich geahndet werden, sind für viele Fans nur noch ermüdend. Die Regelhüter sind daher mehr denn je in der Verantwortung: Spieler und Trainer mit ins Boot holen und einen einfachen und verständlichen Regel-Rahmen ausarbeiten!
Anderthalb Jahre sind vergangen, seit Rekord-Schiri Felix Brych (359 Bundesliga-Spiele) öffentlich warnte: „Die Handspiel-Regel ist wirklich ein Problem, auch für uns.“ Dass sich seitdem nichts verbessert hat, ist ein Armutszeugnis für alle Verantwortlichen. Der Irrweg der Regelhüter lässt daher auch nicht auf baldige Besserung hoffen.

