Die Gespräche zogen sich zuletzt wie Kaugummi – dann kam auch noch eine sportliche Krise hinzu. Doch jetzt gab es den Durchbruch: Thomas Kessler wird beim 1. FC Köln befördert.
FC-MärchenKessler ringt sich durch – es geht um viel Geld
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Am liebsten verkündet man Vertragsverlängerungen mit dem Führungspersonal natürlich gerne in erfolgreichen Zeiten. Doch im Fall von Thomas Kessler (39) ist dies jetzt ein wenig anders.
Der 1. FC Köln hat großes Vertrauen in den Sportchef. Und trotz Ergebnis-Krise mit 17 Punkten nach der Hinrunde (aktuell Platz 12, wobei einige Verfolger noch Nachholspiele zu absolvieren haben) und nur drei von zuletzt 24 möglichen Zählern werden jetzt Nägel mit Köpfen gemacht.
Thomas Kessler steigt auch gehaltsmäßig auf
Kessler wird zum Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln befördert, sein Vertrag, der bis 2027 gültig war, wird vorzeitig bis 2028 verlängert. Nach Informationen von EXPRESS.de ist zwar noch nichts unterschrieben, doch es gibt nur noch Formalitäten zu klären. Damit hat der Klub endlich mittelfristig Klarheit bei zwei der wichtigsten Personalien. Kessler hatte schon im Trainingslager in Spanien gesagt, dass man in „sehr, sehr, sehr guten Gesprächen“ sei.
Zuvor hatte EXPRESS.de schon exklusiv berichtet, dass es eine Verlängerung bis Ende 2028 mit Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff (49) gab. Per Handschlag erfolgte eine Einigung. Handschlag-Gespräche hat es nun auch mit Kessler gegeben. Beide Vertragsverlängerungen sollen jetzt in den nächsten Tagen auch offiziell verkündet werden.
Unabhängig von der aktuellen sportlichen Talfahrt ist das FC-Präsidium, Jörn Stobbe, Ulf Sobek und Jörn Alvermann von seinem Führungspersonal überzeugt. Der Klassenerhalt soll gemeinsam erreicht werden. Mit den beiden sollen in den nächsten Jahren dann in der 1. Liga die Grundlagen für eine bessere Zukunft geschaffen werden. Man möchte sich etablieren, stetig wachsen und laut Sobek „jedes Jahr ein bis zwei Positionen besser dastehen als im Vorjahr“. Das Ganze mit Kontinuität in der Führung.
FC-Vize Alvermann betonte zuletzt, dass nach einer anfänglichen Kennenlernphase ab Ende September schnell klar war, dass Türoff und Kessler auch in den kommenden Jahren die Gesichter der FC-Geschäftsstell sein sollen: „Wir arbeiten eng zusammen und haben dann selbstverständlich gesagt: Wir wollen verlängern, definitiv. Und zwar mit Thomas Kessler und Philipp Türoff. Das ist der Wille von Vorstand und der Geschäftsführung.“
Bei den Gesprächen mit Kessler hatte es zwischenzeitlich allerdings ordentlich geruckelt – auch weil es um viel Geld geht. Vize Sobek betonte, dass die Zusammenarbeit hervorragend läuft: „Ich rede ihm nicht rein, wir reden miteinander. Am Anfang ging es ums Kennenlernen, ums Zuhören. Daraus ist eine echte Partnerschaft entstanden, mit regelmäßigen und inzwischen sehr häufigen Abstimmungen. Am Ende entscheidet in sportlichen Fragen Thomas – und genau so soll es sein“.
Doch er schloss im Interview mit EXPRESS.de nicht aus, dass es auch ein anderer Geschäftsführer werden könnte. Kessler und Vorstand lagen wohl finanziell noch weit auseinander. Als Bereichsleiter Lizenzfußball arbeitete Kessler jahrelang unter Sport-Geschäftsführer Christian Keller. Zu dieser Zeit soll er geschätzte 30.000 Euro im Monat, also rund 360.000 Euro jährlich, verdient haben. Keller kam in Bundesligazeiten auf 1,2 Millionen Euro im Jahr.
Kesslers Gehalt wurde im Sommer 2025, als er nach dem Aufstieg zum Sportdirektor aufstieg, schon angepasst. Doch jetzt forderte er wohl eine Anhebung auf Keller-Niveau – im Bundesliga-Vergleich angemessen. Er sagte: „Für mich ist es einfach wichtig: Wenn ich das Commitment gebe, in den nächsten Jahren aus der Geschäftsführung heraus Verantwortung beim 1. FC Köln zu übernehmen, dann natürlich zu Bedingungen, wie ich mir das vorstelle. Da gibt es ein paar Themen, die muss man einfach besprechen.“
Der Vorstand war nach Informationen von EXPRESS.de mit den ersten Gehaltsforderungen von Kessler nicht einverstanden, man müsse auch das Wohl des Vereins im Blick behalten, hieß es. Kessler erwies sich als harter Verhandlungspartner. Jetzt haben sich beide Parteien aufeinander zubewegt. Man kann aber davon ausgehen, dass Kessler künftig ein für seine Position und Verantwortung angemessenes Gehalt von rund einer Million Euro verdienen wird.
Kessler ist damit das Gesicht einer Kölner Erfolgsgeschichte, ein wahres Fußball-Märchen: Der 1,97 Meter große Torwart kam 2002 von Grün-Weiss Brauweiler zum FC. Der gebürtige Kölner war beim FC Nachwuchsspieler, Profi, Mannschaftskapitän, Bereichsleiter Lizenzfußball, Sportdirektor und wird jetzt Geschäftsführer. Mehr Identifikation geht nicht.


