Der 1. FC Köln hat im Pokal gegen Union Berlin erstmals unter Trainer René Wagner ein gutes Spiel über die volle Distanz gezeigt. Ausruhen ist aber nicht angesagt. Ein Kommentar.
FC-KommentarTaten statt Worte – Kritik hat Wirkung gezeigt

Da kann man wirklich von einer rauschenden Pokalnacht sprechen. Am Dienstag (27. Oktober 2026) herrschte im Rhein-Energie-Stadion eine Stimmung wie lange nicht mehr. Vor allem im Vergleich zur müden Schalke-Nullnummer war es ein wahrer Quantensprung.
Dass die Fans eine hohe Eskalationsstufe gezündet haben, ist der Mannschaft zu verdanken. Und Trainer René Wagner (38). Die pure Freude dürfte allen guttun nach zuletzt eher zähen Wochen.
Massive Kritik hat etwas ausgelöst – Reaktion die einzig richtige
Natürlich hätte das Spiel auch früh in eine andere Richtung fallen können. Marvin Schwäbe war bei einem Kopfball von van den Bosch zur Stelle. Da herrschte hinten wieder Zuordnungschaos und stellenweise etwas Verunsicherung. Doch die wich dieses Mal schnell.
In der Folge spielte sich der FC erstmals unter Wagner in einen richtigen Rausch. Vorn brillierten Linton Maina, Said El Mala, Mikey Moore und auch der fleißige Marius Bülter. Hinten stand zum zweiten Mal in Folge die Null und im Mittelfeld wurde aggressiv verteidigt, schnell umgeschaltet und alle Räume effektiv genutzt.
Da haben alle erstmals den Fußball gesehen, den sich Wagner vorstellt. In den Wochen zuvor hatte der Trainer oft von Mut, Leidenschaft und Gier gesprochen, dann aber mit Auswechslungen und taktischen Umstellungen dem FC-Spiel den Stecker gezogen. Jetzt waren es Taten statt Worte!
Doch wieso erst jetzt? Gegen Bremen, den HSV, Frankfurt oder Schalke hatte der FC auch gute Phasen. Es kam allerdings immer wieder zum Bruch. Bis den Fans nach dem müden Kick gegen die Königsblauen der Geduldsfaden riss. Es gab ein Pfeifkonzert, Trainer-raus-Rufe sowie massive Kritik.
Das hat bei allen im Verein etwas ausgelöst: Die massive Kritik hat Wirkung gezeigt. Am Sonntagmorgen dürfte es bei der Besprechung im Geißbockheim zwischen Trainerteam und Mannschaft ordentlich gequalmt haben. Wagner stellte klare Forderungen und quälte seine Spieler mit stundenlangen Videoanalysen. Was er endlich sehen wollte, war die maximale Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Was wirklich gut ist: Die Mannschaft hat sich nicht innerlich zerfleischt und die Spieler haben nicht mit den Fingern auf andere gezeigt, sondern im Kollektiv eine Antwort gegeben. Das ist die Basis für alles. Und das ist auch die Handschrift von Wagner, der stets absoluten Teamgeist propagiert.
Sekunden vor dem Anpfiff gegen Union ballte Bülter die Faust und blickte jedem Mitspieler nochmals in die Augen. Nach dem Motto: Jetzt geht die Post ab! Trainer Wagner hat sich zwar nicht neu erfunden, aber auch er war emotionaler und agiler an der Seitenlinie.
Zudem hat der Trainer wichtige Änderungen vorgenommen: Die zuletzt formschwachen Luka Lochoshvili und Sebastian Sebulonsen wurden auf die Bank gesetzt. Mit Joel Schmied kam ein Innenverteidiger in die Dreierkette, der an der Seite von Jahmai Simpson-Pusey überragend ablieferte. Durch die Umstellung von der Viererkette auf die Dreierkette mit hohen Außen konnte Alessio Castro-Montes auf der rechten Seite seine offensiven Stärken ausspielen. Und Tom Krauß machte hinten links und als defensiver Abfangjäger in der Mitte sein bestes Spiel im FC-Trikot.
Im Zentrum spulte Paul Okon-Engstler als frischer Sechser viele Kilometer ab (knapp 13). Und vorn wurden die pfeilschnellen Maina und El Mala immer wieder in Szene gesetzt. Das Zusammenspiel der beiden war überragend, auch weil Said öfter mal den Kopf hochnahm und nicht alles alleine versuchte. Trotzdem kam er zu seinem ersten Doppelpack in einem FC‑Pflichtspiel.
Die Frage ist: Was ist dieser Pokalsieg gegen zugegebenermaßen teilweise desolate Berliner wert? Dass der FC jetzt in jedem Spiel derart aufdreht, darf jedenfalls nicht erwartet werden. Allerdings haben die Jungs die Messlatte selbst ein Stück höher gelegt. Jetzt hat jeder gesehen, was mit dem Kader möglich ist. Wenn denn alle mit Leidenschaft bei der Sache sind.
Pfiffe und „Trainer raus“-Rufe wird es in Zukunft hoffentlich nicht mehr geben, um die letzten Prozentpunkte bei den Spielern herauszukitzeln. Der FC muss jetzt genau so weitermachen. Am besten schon in Berlin am Sonntag (15.30 Uhr).


