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FC-KommentarNoch 16 Spiele und nur ein Credo

Aktualisiert

Der 1. FC Köln feiert den Befreiungsschlag gegen Mainz – mehr erstmal nicht. Wenn am Ende der Saison auch gefeiert werden soll, muss noch einiges passieren. Ein Kommentar.

Intelligente Fußball-Analytiker wissen es seit Jahrzehnten: Im Erfolg macht man die größten Fehler. Und in Krisen kommen die dunkelsten Seiten zum Vorschein.

Der 1. FC Köln hat jetzt Misserfolg und Erfolg innerhalb weniger Tage, vielleicht sogar Stunden oder Minuten, erlebt. Nach der ersten Halbzeit gegen Mainz wurde die Mannschaft beim Stand von 0:1 mit gnadenlosen Pfiffen in die Kabine begleitet. 

1. FC Köln: Kwasniok ging mutig voran

Die Mannschaft wirkte ideenlos, mutlos und verunsichert. Letzteres ist durchaus verständlich, wenn man seit Wochen auf ein Erfolgserlebnis wartet und dann auch noch die eigenen Fans gegen einen sind.

Doch Trainer Lukas Kwasniok (44) fand in der Kabine die richtigen Worte, er blieb ruhig und forderte die Spieler auf, endlich mutig zu sein. Er selbst ging mit Mut voran und setzte am Ende mit Ache, Bülter, Waldschmidt, El Mala, Kaminski und Thielmann auf sechs Offensivkräfte. Das Credo des Trainers: „Den Mutigen gehört die Welt!“

Wie geil, dass die Kölner Fans, die dieses Credo seit Jahren herbeisehnen, auch sofort drauf ansprangen. Zweikampf gewonnen, Ball erobert – zack: Jubelstürme und Anfeuerung von den Rängen. So entsteht die Wucht, die Köln so einzigartig machen kann. Ganz ehrlich: Mainz wurde dadurch brutal eingeschüchtert und verlor völlig den Faden.

In den Wochen zuvor spitzte sich die Situation in Köln in eine unerwünschte Richtung zu: Ausbleibende Ergebnisse führten zu unzufriedenen Spielern, der Trainer wurde kritisiert, zahlreiche Fans waren muffelig und fluteten die sozialen Netzwerke mit Negativ-Beiträgen über den Coach und den FC.

Beim FC suchte man die Kommunikation, es gab Aussprachen zwischen Mannschaft und Trainer, zwischen Vorstand und Fans und zwischen Geschäftsführung und Profis. Die Lehren, die gezogen wurden: Es geht hier nur gemeinsam: „Zesamme simmer stark!“

Nach dem Erfolg gegen Mainz sollte jetzt ein Fehler unbedingt vermieden werden: Der Gedanke, alles sei jetzt gut, darf in keiner Gehirnzelle der Beteiligten aufploppen. 20 Punkte nach 18 Spielen sind okay – am Ende reichen sie aber nicht für den Klassenerhalt.

Jetzt kommen schwere Gegner, in Freiburg und gegen Wolfsburg, dazu noch Karneval in Köln. Es wird im Saisonverlauf weitere Hürden und Hindernisse geben. Da sollte man weiter zusammenstehen!

Die Mannschaft und der Trainer müssen jetzt konzentriert weiterarbeiten, Eitelkeiten hinten anstellen und im Kollektiv überzeugen. Alle sollten wissen, dass jeder Einzelne auch bei einem nur zweiminütigen Einsatz den Unterschied machen kann.

Zuletzt reichten 34 Punkte meist solide für den Klassenerhalt. In den verbleibenden Spielen sollte der FC dazu in der Lage sein, diese Zahl zu erreichen. 16 Spiele und nur ein Credo: „Den Mutigen gehört die Welt!“