Er redet über Modeste-Deal Kölner Berater: „Schwarze Schafe bringen Branche in Verruf”

Struth und Kroos

Toni Kroos mit seinem Berater Volker Struth.

Köln – Vor zehn Jahren saßen Volker Struth (51), Dirk Hebel (44) und Reiner Calmund (68) in einem brasilianischen Restaurant in Köln. Nachts um vier Uhr war klar: Wir gründen SportsTotal. Nun ist die Spielerberater-Agentur Branchen-Primus. Seit Jahren. Es ist eine kölsche Erfolgsgeschichte. Im EXPRESS spricht Struth über seine Arbeit mit dem FC, den Transfermarkt und den Ruf der Berater-Branche. 

Herr Struth, Sie haben über 80 Spieler unter Vertrag, darunter Weltmeister, Champions League Sieger und U21-Europameister. Wie kommt solch eine Erfolgsgeschichte zustande?
Durch Fleiß! Wir haben uns nach Gründung der Agentur oft morgens sehr früh zu Meetings getroffen und sind dann in die Autos gestiegen und durch die Republik gefahren, um Spiele zu schauen. Wir haben viele Kilometer gemacht und unzählige Gespräche geführt. Das funktioniert nur, weil wir diesen Job mit absoluter Leidenschaft machen. Ich habe als Jugendlicher Zimmermann gelernt, das war für mich furchtbar, weil ich keine Leidenschaft dafür hatte. Ich hätte bis heute keinen einzigen Dachstuhl fertig (lacht).

Der Kölner Marcel Risse war Ihr erster Spieler. Er war damals noch kein Top-Spieler. Wie kommt man dann an Talente wie Benedikt Höwedes, Toni Kroos oder Mario Götze?
Das ist eine gute Frage! Da hat mir der liebe Gott wohl was in die Wiege gelegt, ich kann scheinbar ganz gut Menschen begeistern. Das habe ich bereits gemerkt, als ich mit meinem früheren Unternehmen Merchandising gemacht und Büromaterialien verkauft habe. Und mein Partner Dirk Hebel war bereits als Spielerberater unterwegs und brachte seine hohe Fußballkompetenz mit ein. Unser Credo ist: die Schnellen fressen die Langsamen. So arbeiten wir. Wir müssen Informationen sammeln, bevor sie in der Zeitung stehen. Und dann bieten wir den Spielern einen Plan. Wir sind stolz auf unser Portfolio, weil wir bei der Akquise nicht nur auf den Fußballer, sondern auch auf den Menschen schauen.

Wie oft telefonieren Sie mit einem Toni Kroos zum Beispiel?
Während der Saison ungefähr einmal die Woche. Heutzutage schreibt man ja auch viel übers Handy. Aber derzeit haben viele Urlaub, da ist der Kontakt nicht so intensiv. Da Transferphase ist, sind wir eher viel mit den Managern im Dialog. Am Tag lade ich mein Handy bis zu dreimal auf und das ist bei meinen Kollegen nicht anders.

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Acht Spieler von ihrer Agentur stehen mittlerweile beim 1. FC Köln unter Vertrag. Wie ist es dazu gekommen?
Ich denke, dass der Standort eine Rolle spielt. Ich komme aus Köln, SportsTotal sitzt in der Innenstadt und wir sind oft im Stadion. Die Wege sind kurz, so tauscht man sich oft aus. Und natürlich sprechen die Spieler auch untereinander darüber, ob sie sich bei ihrer Agentur gut betreut fühlen.

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Der Kölner Berater Volker Struth in seinem Büro an der Rheinuferstraße.

Ein Roger Wittmann brachte viele Spieler nach Schalke und Hoffenheim. Seine „Macht“ wurde zum Problem.
Moment: Ich habe keine Macht beim FC! Im Gegenteil! In einer solchen Konstellation muss man sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Jörg Schmadtke und ich kennen uns seit Jahren, ich habe höchsten Respekt vor ihm. Natürlich ist man auch mal anderer Meinung und dann prallen mit ihm und mir zwei Brocken aufeinander. Aber wir haben den Bogen noch nie überspannt, sondern immer im Sinne der Sache miteinander diskutiert. Und außerdem freut es mich als FC-Fan doch, dass so viele Spieler von unserer Agentur bei der Qualifikation zur Euro League dabei waren. Es gab Zeiten, da habe ich bei den Vorgängern nicht einmal einen Termin bekommen.

Zuletzt gab es Wirbel um die Berater von Anthony Modeste. Wie haben Sie es verfolgt?
Ich weiß natürlich nicht, ob die Honorare stimmen, die genannt werden. Mich stört nur eines: Es muss endlich zwischen seriösen und unseriösen Beratern unterschieden werden – in der Öffentlichkeit und vor allem sind da auch die Klubs gefordert. In der ganzen Welt sind Manager und Berater hoch angesehen. Keiner fragt bei einem Konzertmanager, einem Boxpromoter oder einem Headhunter in der Wirtschaft nach der Provision. Im Fußball heißt es immer wieder: Die Berater sind schuld. Wir werden alle in einen Topf geworfen. SportsTotal arbeitet seit zehn Jahren höchst seriös und professionell und wir sind besonders stolz darauf, dass es nie einen Skandal gegeben hat. Gerade weil wir an der Spitze stehen, achten wir auf jede Kleinigkeit. Aber einzelne schwarze Schafe bringen die ganze Branche in Verruf. Und zudem sprechen zu viele Ahnungslose über unseren Job und urteilen über unser Geschäft. Gegen all das wollen wir uns wehren, deswegen ist auch mein Partner Dirk Hebel als Vizepräsident im Verband der Spielervermittler aktiv. Wir verdienen alle gutes Geld - viel Geld. Wenn ich dann lese, dass internationale Top-Stars Konten irgendwo in Steueroasen haben, kann ich das  nicht verstehen. Ich würde meinen Spielern so etwas nie raten.

Es heißt im Fall Modeste haben die Berater sechs Millionen Euro vom 1. FC Köln gefordert. Ist dies gerechtfertigt?
Ich weiß nicht, ob sie vorher eine Beteiligung an einem Weiterverkauf vereinbart haben – dann kann so eine Summe zustande kommen, wobei sie mir schon sehr hoch vorkommt. Aber: Für uns gilt: Erst das Wohl des Spielers, dann der Berater! Wenn ein Wechsel aus solchen Gründen nicht zustande kommt, stimmt etwas nicht.

Sie sind auch der Berater von Mark Uth. Er spielt in Hoffenheim, möchte gerne nach Köln zurück. Ist ein Transfer diesen Sommer möglich?
Schwer zu sagen. Hoffenheim möchte Mark ungern abgeben - auch wenn er nur noch ein Jahr Vertrag hat. Ich wage heute keine Prognose, ob eine Einigung erzielt werden kann.

In diesem Jahr sind die Preise für Spieler augenscheinlich noch einmal gestiegen. Wieso?
Es war schon im Mittelalter so: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Momentan ist es für die Vereine schwer, für abgebende Spieler einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Der Markt ist durch China und Co. größer geworden. Mark Uth ist doch ein gutes Beispiel: Hoffenheim muss erstmal einen Spieler von seiner Klasse finden. Das ist nicht leicht. Da verzichten die Klubs lieber auf das Geld – auch wenn er in einem Jahr ablösefrei ist.

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