„Melden sich viele Berater“ Zu viel Risiko? Kessler: Warum der FC Czichos ziehen lässt

Der 1. FC Köln hat mit Rafael Czichos einen Stammspieler verloren. Thomas Kessler erklärt, warum der Bundesliga-Achte den Innenverteidiger ziehen lässt.

Dieser Transfer sorgt für Diskussionen. Während seiner dreieinhalb Jahre beim 1. FC Köln hatte Rafael Czichos (31) keinen leichten Stand. Doch nach seinem Blitzwechsel zu Chicago Fire fragen sich viele FC-Fans, wie der Klub seinen Abwehrchef und Vize-Kapitän mitten in der Saison ziehen lassen kann. Ein zu krasses Risiko? Das sind die Hintergründe.

Czichos‘ US-Abenteuer beginnt am 14. Januar. Dann fliegt der Innenverteidiger über den großen Teich, startet anschließend mit Chicago in die Vorbereitung auf die neue MLS-Saison. Erster Gegner am 26. Februar: Beckham-Klub Inter Miami.

1. FC Köln wollte Rafael Czichos Traum nicht verbauen

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Der Ex-Kölner hat sich mit einer Video-Botschaft schon mal bei den Fire-Fans vorgestellt – in lupenreinem Englisch. Da sind die US-Amerikaner von früheren Legionären (Stichwort Lothar Matthäus) ganz andere Töne gewohnt…

Aber was bedeutet sein Wechsel für den FC? Die Geißböcke verlieren ihren Abwehrchef (Startelf in allen Hinrunden-Spielen), Coach Steffen Baumgart (49) einen verlängerten Arm auf dem Rasen. Czichos war in der Öffentlichkeit immer wieder umstritten, als Leader-Typ allerdings extrem wichtig und im Hinrunden-Endspurt auch sportlich stabil. Definitiv ein Verlust! Darum lässt ihn der FC dennoch ziehen:

Anerkennung: Der wichtigste Grund. Köln wollte einem verdienten Profi nicht den großen Lebenstraum zerstören. Lizenzbereich-Leiter Thomas Kessler (35) sagt: „Die Entscheidung, Rafa abzugeben, war Wertschätzung für den Spieler selbst. Er ist mit dem Wunsch auf uns zugekommen und dem haben wir entsprochen, weil er in den letzten Jahren unglaublich wichtig für uns war. Aus sportlicher Sicht hätte man sicher sagen können, dass man ihn behält.“

Czichos‘ American Dream war ein offenes Geheimnis. Richtig konkret wurde es kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember informierte er die FC-Verantwortlichen, dass er nach Chicago wechseln will. „Nach der Rückrunde sind wir in die Gespräche gegangen, dann ging es relativ schnell“, sagt Kessler.

Thomas Kessler und Philipp Türoff beobachten das Training des 1. FC Köln.

Lizenzbereich-Leiter Thomas Kessler (r.) und Neu-Geschäftsführer Philipp Türoff beim FC-Training am 3. Januar 2022

Ungewisse Köln-Zukunft: Czichos‘ FC-Vertrag wäre zum Saisonende ausgelaufen – und wohl nur um ein Jahr verlängert worden. Kessler: „Wir konnten uns das durchaus vorstellen. Aber Rafa hat dann relativ klar zu verstehen gegeben, dass er sich den Traum erfüllen möchte, mit der Familie ins Ausland zu gehen, und hat, glaube ich, ein sehr gutes Angebot bekommen.“ Nämlich drei Jahre. Eine langfristige Perspektive.

FC spart: Auch ein Faktor, gerade in Pandemie-Zeiten mit neuen Geisterspielen. Durch die Ablösesumme im niedrigen sechsstelligen Bereich und Czichos‘ gespartes Rückrunden-Gehalt kommt für den FC rund eine Million Euro zusammen. Können die Geißböcke gut gebrauchen.

Trainer-Vertrauen: Baumgart glaubt, dass Luca Kilian (22), Jorge Meré (24) und Timo Hübers (25) den Abgang auffangen können. „Der Trainer ist davon überzeugt, sonst hätten wir uns dazu nicht entschlossen“, sagt Kessler. Youngster Sava Cestic (20) ist aktuell Innenverteidiger Nummer vier, doch ihm legt der FC weiterhin einen Wechsel nahe.

Thomas Kessler: „Werden uns einiges anhören dürfen“

Dennoch soll laut Kessler Stand jetzt kein neuer Abwehrmann kommen: „Wenn wir durch Rafas Abgang eine Lücke in der Kaderplanung sehen und sagen würden, wir müssen nachverpflichten, hätten wir das in der anderen Reihenfolge gemacht. Dann hätten wir uns nur dazu entschlossen, wenn wir was in der Hinterhand gehabt hätten.“

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Der Ex-Keeper grinst: „Logischerweise werden wir uns in den nächsten Tagen einiges anhören dürfen, weil sich viele Berater melden und Spieler vorstellen. Aber grundsätzlich sind wir mit der Struktur unseres Kaders zufrieden. Wir werden den Abgang intern auffangen können. Es kann noch etwas passieren, aber das ist Stand heute nicht geplant.“

Die FC-Verantwortlichen werden in diesen Zeiten, wo jeder Euro zählt, erst mal den Rückrunden-Start abwarten – das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Trotz Vertrauen in den aktuellen Kader bleiben Risiken: Hübers‘ Verletzungsgeschichte ist kein Geheimnis. Dazu kommt die Tatsache, dass Meré in der zweiten Hinrunden-Hälfte nur drei Minuten auf dem Platz stand. Und einen starken linken Fuß hat kein einziger Innenverteidiger.

Aber auch eine Erinnerung sei erlaubt: Im Sommer waren die Rufe nach einem neuen Stürmer laut – jetzt steht Anthony Modeste (33) auf Platz vier der Torjägerliste. Bessermacher Baumgart ist mal wieder gefragt…

Klar ist: Wenn der FC doch noch mal nachlegt, muss es eine Billig-Lösung sein. „Man muss sich das Gesamtpaket anschauen und abwägen, inwieweit man in der jetzigen Situation ins Risiko gehen kann“, erklärt Kessler: „Wir bewegen uns natürlich immer noch in der Pandemie, hatten letztes Jahr große Umsatzverluste und stehen wieder vor Geisterspielen. Deswegen werden wir nur Entscheidungen treffen, die für den Klub nachhaltig vertretbar sind.“

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