„Bin noch immer angepisst“ Baumgart sauer auf pfeifende FC-Fans

Kölns Trainer Steffen Baumgart reagiert nach 2:2.

Kölns Trainer Steffen Baumgart reagiert frustriert an der Seitenlinie beim Spiel gegen Union Berlin 7. November 2021.

Der 1. FC Köln hat gegen Union Berlin ein spätes 2:2-Remis gerettet. FC-Trainer Steffen Baumgart zeigte sich im Anschluss deutlich angefressen, weil Teile des Publikums zwischendurch gepfiffen hatten.

Köln. Das waren ungewohnte Klänge im Rhein-Energie-Stadion: Als der 1. FC Köln am Sonntagabend (7. November 2021) gegen Union Berlin einem 1:2-Rückstand hinterherrannte, wurde das Team von Steffen Baumgart (49) erstmals in dieser Saison ausgepfiffen.

Passte dem Trainer so gar nicht! „Ich bin noch immer angepisst“, startete Baumgart nach Abpfiff sein DAZN-Interview, meinte damit vor allem den Unmut auf den Rängen: „Wenn ich die Emotionen sehe, die das Stadion bringen kann, frage ich mich, warum man die nicht bei 1:2-Rückstand bringen kann. Warum müssen die Jungs Sorge haben, dass sie einen Fehler machen? Das hat mich schon gestört.“

Bei der anschließenden Pressekonferenz erklärte der FC-Coach: „Die Zuschauer müssen einen Weg gehen, genau wie wir auch. Ich habe kein Spiel gesehen, dass in irgendeiner Form Pfiffe verdient hatte. Schon gar nicht, wenn ich sehe, mit wie viel Mut die Jungs agiert haben. Ich bin darüber nicht glücklich.“

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Baumgart betonte: „Wir haben hier nicht gegen irgendeine Truppe gespielt, sondern gegen Union Berlin – eine Mannschaft, die international spielt. Da sehe ich den Fußball wohl anders als die Zuschauer.“

Vor allem in der Schlussphase war die Unzufriedenheit vieler Fans wieder und wieder deutlich zu hören – wie nach einem Rückpass von Rafael Czichos (31) auf Timo Horn (28) oder wenig später, als der FC-Keeper den Ball ins Aus drosch.

FC-Sportboss Jakobs: „Erwartungshaltung des Publikums hier hilft nicht“

Interims-Sportboss Jörg Jakobs (51) sah es wie Steffen Baumgart: „Die Erwartungshaltung des Publikums hier hilft nicht. Da frage ich mich echt, was die Vorstellung ist. Man muss berücksichtigen, wo wir herkommen, was vergangene Saison hier los war, was das für eine nervlich herausfordernde Situation war. Wir sind gerade mal ein halbes Jahr weiter.“ Und einige Stufen auf der Erwartungsskala…

Baumgart weiß: „Wir haben ein sehr gutes und emotionales Publikum. Aber wir müssen auch mal damit leben, in Rückstand zu geraten und Fehler zu machen. Das ist Fußball. Da stehe ich zu den Jungs – nicht hinter ihnen, sondern vor ihnen. Wenn mir etwas nicht gefällt, weil ich der Meinung bin, dass es ungerecht ist, darf ich das äußern. Wir können auch das eine oder andere Spiel verlieren, tut mir leid, dass ich das so sage.“

Die Pfiffe bekam natürlich auch die Mannschaft mit, wie Rechtsverteidiger Benno Schmitz (26) erklärte: „Aber es geht immer weiter, wir haben dennoch unser Spiel gemacht. Wir haben hier trotzdem ein sehr positives Publikum, was uns natürlich auch zum Schluss noch mal nach vorne gepeitscht hat.“

Im Stadion ist es ohne organisierten Support stellenweise sehr ruhig

Doch die Pfiffe mal beiseite: Bereits beim 2:2 gegen Bayer Leverkusen vor zwei Wochen war aufgefallen, wie still vor allem die Südkurve ohne organisierten Support ist – gegen Union erneut.

Jakobs: „Die Stille kann ich nachvollziehen, die Zuschauer haben auch eine Anspannung. Aber aus meiner Sicht sollte im Stadion in Köln bis auf den Schiedsrichter nur einer pfeifen, und das ist unser Trainer. Zumindest, wenn die Mannschaft wie heute alles gibt und reinwirft.“

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