FC-Vertrag läuft im Sommer aus „Schwierige Situation für den Verein“ – Kainz spricht über seine Köln-Zukunft 

Florian Kainz im Spiel des 1. FC Köln gegen Union.

Florian Kainz (hier am 7. November 2021 im Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin) ist beim 1. FC Köln zweitbester Scorer hinter Anthony Modeste. 

Florian Kainz ist beim 1. FC Köln ein zuverlässiger Scorer. Im Sommer endet der Vertrag des Österreichers. Im Interview mit EXPRESS.de spricht der Nationalspieler über seinen WM-Traum und seine Köln-Zukunft.

Köln. Er fliegt beim 1. FC Köln häufig unter dem Radar. Doch Florian Kainz (29) hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einer verlässlichen Größe entwickelt, die fleißig Tore und Vorlagen sammelt. Gegen Union bereitete er beide Buden von Anthony Modeste (33) vor, ist nun mit zwei Treffern und drei Assists zweitbester Scorer hinter dem Franzosen. Im Sommer läuft sein Vertrag am Geißbockheim aus. Im Interview mit EXPRESS.de spricht Kainz über seinen WM-Traum mit Österreich, den Baumgart-Fußball und seine FC-Zukunft.

Florian Kainz, Sie waren die vergangenen beiden Wochen überraschend am Geißbockheim. Warum waren Sie nicht für die österreichische Nationalmannschaft nominiert?

Florian Kainz: Der Trainer hat mich angerufen und hat mir mitgeteilt, dass ich dieses Mal nicht dabei bin. Er hat zwei junge Spieler von der U21 mitgenommen, die er sich anschauen wollte. Das habe ich dann so akzeptiert. Das war natürlich überraschend für mich, aber ich habe es  angenommen, wie es ist.

Rechnen Sie damit, dass Sie für die WM-Playoffs wieder nominiert werden?

Kainz: Daran denke ich jetzt noch nicht, die sind ja erst im März. Bis dahin kann noch so viel passieren. Aber es ist schon so, dass ich das Signal bekommen habe, dass ich weiterhin die Chance habe, dabei zu sein.

Sehen Sie Ihren WM-Traum in Gefahr?

Kainz: Das Wichtigste ist, dass wir uns als Mannschaft qualifizieren. Da geht es jetzt nicht um mich, sondern wir müssen schauen, dass wir im März einfach voll da sind und das schaffen. Das wäre nicht nur für mich, sondern für uns alle ein Riesen-Traum.

Sie sind jetzt seit knapp drei Jahren in Köln. Im Sommer läuft Ihr Vertrag aus. Haben Sie mit dem FC schon über eine Verlängerung gesprochen?

Kainz: Momentan ist es da noch ruhig. Es bringt aber auch nichts, da einen unnötigen Druck aufzubauen, weder von meiner noch von Vereinsseite. Ich denke, dass die Gespräche zum Winter hin aufgenommen werden.

Würden Sie gerne beim FC bleiben?

Kainz: Ich fühle mich hier sehr wohl. Mir geht es gut in Köln. Ich glaube, wenn man die drei Jahre Revue passieren lässt, waren die doch sehr positiv. Ich bin ja im Winter 2019 gekommen. Wir sind direkt Meister in der zweiten Liga geworden und aufgestiegen. Dann haben wir jeweils die Klasse gehalten. Jetzt schaut es auch wieder gut aus. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Noch dazu macht es riesig Spaß momentan. 

Sie sind 29, es wird vermutlich Ihr letzter großer Vertrag. Wie hat sich Ihre Verhandlungsposition durch Corona verändert?

Kainz: Das ist Vereinsangelegenheit, wie es finanziell ausschaut. Ich glaube, es ist eine sehr schwierige Situation für den 1. FC Köln. Man hat bei der Mitgliederversammlung gehört, was da für Zahlen präsentiert worden sind. Ich glaube, es ist eine riesige Herausforderung, das aufzufangen und zu kompensieren. Dementsprechend wird sich der Verein jetzt erst mal aufstellen müssen. Deswegen ist aus Spielersicht Geduld gefragt. Ich lege derweil meinen Fokus darauf, dass ich meine Leistung auf dem Platz bringe. Das ist das Wichtigste. Ich bin froh, dass ich fit bin und dass es mir gut geht – und dass wir mit der Mannschaft wieder Erfolge feiern und Siege einfahren.

Florian Kainz vom 1. FC Köln: „Als Spieler ist momentan Geduld gefragt“

Im Sommer laufen acht Verträge beim FC aus. Eine eher ungewöhnliche Konstellation. Wie bewerten Sie das?

Kainz: Es war in der vergangenen Sommertransferperiode ja schon so, dass wir nur ablösefreie Spieler geholt haben. Das ist aber bei anderen Vereinen genauso. Schon da war es schwierig für Spieler mit auslaufenden Verträgen, überhaupt neue Vereine zu finden. Ich habe auch Freunde, die sich schwergetan haben. Es ist also nicht nur bei uns so, sondern bei allen Vereinen. Da muss man als Spieler einfach etwas Geduld haben.

Sie sind aktuell zweitbester Scorer im Team. Wie zufrieden sind Sie bisher mit Ihrer eigenen Leistung?

Kainz: Es geht immer mehr. Gegen Union habe ich den Siegtreffer auf dem Fuß gehabt und mache ihn nicht. Deswegen mein ich das. Ich habe mir jetzt keine spezielle Marke gesteckt. Ich schaue einfach, dass ich meine Leistung bringe. Dass ich das, was das Trainerteam von uns verlangt, bestmöglich für meine Position umsetze und meine Spielform optimiere. Dann kommen die Scorerpunkte von alleine.

Haben Sie das System von Steffen Baumgart schon verinnerlicht?

Kainz: Ich fühle mich auf jeden Fall sehr wohl in dem System und versuche, meine Stärken einzubringen. Es kommt mir entgegen, dass wir viel über die Flanken kommen. Gerade wenn wir vorne viele kopfballstarke Stürmer als Abnehmer haben. Es funktioniert als Team bisher gut. Deswegen möchte ich gar nicht so viel über meine Person reden. Wir als Mannschaft machen es zurzeit einfach sehr gut.

Florian Kainz und Steffen Baumgart im Training des 1. FC Köln

Florian Kainz (hier am 29. Oktober 2021) hat seinen Platz beim 1. FC Köln unter Steffen Baumgart gefunden.

Was hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison verändert?

Kainz: Wir spielen eine ganz andere Art von Fußball. Wir spielen ein anderes System. Wir sind  momentan einfach überzeugt. Der Trainer nimmt alle mit, die Spieler, die Stadt und das Publikum. Ich glaube, so wie wir spielen, macht es auch Spaß zuzuschauen. Das hat man von Anfang an gesehen, als wir gleich ein paar Punkte geholt haben. Das war auch wichtig für das Gefühl. Den Schwung haben wir mitgenommen und das hat uns einen Push gegeben. Wir sind einfach überzeugt, dass die Art und Weise, wie wir spielen, auf Dauer erfolgreich sein wird. Jetzt haben wir natürlich vier Spiele mal nicht gewonnen.

Zuletzt gab es im Spiel gegen Union Pfiffe von den Fans. Hat Sie das enttäuscht?

Kainz: Es hat mich nicht überrascht. Ich bin ja jetzt schon drei Jahre in Köln und kenne das Umfeld mittlerweile. Die Ansprüche in Köln sind sehr hoch. Natürlich wäre es mir aus Spielersicht lieber, wenn nicht gepfiffen wird. Denn ich glaube, dass wir – vor allem im Vergleich zur Vorsaison – auf einem guten Weg sind.

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Sie waren vergangene Saison aufgrund einer Verletzung lange Zeit zum Zuschauen verdammt. Wie geht es Ihrem Knie jetzt?

Kainz: Es ist alles super. Bis auf die Sperre gegen Leipzig und das Pokalspiel gegen Stuttgart, wo ich krank war, habe ich alle Spiele gemacht. Ich fühle mich gut und fit. Das gilt auch für die gesamte Mannschaft. Es war eine sehr harte Vorbereitung, aber die zahlt sich jetzt aus. Wir müssen dranbleiben und so weitermachen, auch mit der Intensität im Training. Dann schaut es eigentlich alles sehr gut aus.

Wie wichtig war es für Sie, dass sie die gesamte Vorbereitung absolvieren konnten?

Kainz: Es war sehr wichtig, vor allem für den Kopf. Vergangenes Jahr war es dann doch so, dass ich die Vorbereitung versäumt habe und dann ewig raus war. Danach habe ich die letzten sieben oder acht Spiele wieder ohne Vorbereitung gemacht. Deswegen war die Sommervorbereitung ganz wichtig für mich. Ich habe wieder Vertrauen in meinen Körper und in mein Knie.

Sie haben seit vier Spielen nicht mehr gewonnen und konnten seit zwei Jahren kein Spiel mehr nach einer Länderspielpause gewinnen. Was muss gegen Mainz besser laufen, damit diese Serie gebrochen werden kann?

Kainz: Von solchen Statistiken halte ich nicht so viel (lacht). Wir wissen schon, was auf uns zukommt. Mainz ist eine extrem starke Mannschaft. Seitdem Bo Svensson dort Trainer ist, haben sie extrem viele Punkte geholt. Es ist eine sehr kampfstarke Mannschaft. Sie sind unangenehm zu bespielen. Ich glaube aber, das gilt für uns genauso. Man hat gesehen, dass wir, egal wo und gegen wen wir spielen, immer die Chance gehabt haben, das Spiel zu gewinnen. Ich glaube, wir müssen mit Selbstvertrauen in die Spiele reingehen und uns belohnen. Wir haben in vielen Spielen die Chance auf einen Sieg gehabt – gerade zum Schluss. Da müssen wir einfach konzentriert bleiben und überzeugt sein, dass wir das Spiel gewinnen können. Dann hätten wir jetzt auch schon viel mehr Punkte auf dem Konto haben können.

Florian Kainz vom 1. FC Köln im Interview

Florian Kainz während des Interviews mit EXPRESS.de am 18. November 2021.

Die Stadien in der Bundesliga sind wieder voll. Gleichzeitig schießen die Corona-Zahlen in die Höhe. Auch in der Bundesliga gibt es neue Fälle. Wie bewerten Sie die Gesamtsituation?

Kainz: Es ist ganz schwierig, das zu bewerten. Wenn es jetzt sogar Spieler betrifft, die geimpft sind, wie bei Josip Stanisic vom FC Bayern. Wir müssen einfach schauen, dass wir uns anständig benehmen und das Risiko so gut wie möglich minimieren, dass wir uns anstecken. Wir sind natürlich sehr froh, dass die Zuschauer wieder im Stadion sind. Das hat man schon gemerkt in der vergangenen Saison: Die Fans haben uns gefehlt, gerade bei unseren Heimspielen tun sie uns sehr gut.

Abschließend: Haben Sie noch Ziele und Träume in Ihrer Karriere, die Sie sich gerne erfüllen würden?

Kainz: Nein, ich habe im Vergleich zu manchen Kollegen jetzt keine Auslandsträume oder so etwas. Man weiß ja nie, wie es kommt. Als ich damals zum FC gekommen bin, war das ja auch sehr kurzfristig. Ich hatte damals ja auch noch bei Werder einen Vertrag. Dann hat man mir gesagt, dass man nicht mehr mit mir  plant und ich bin nach Köln gekommen. Auch beim FC war es nicht immer einfach für mich. Deshalb ist mir jetzt erstmal wichtig, dass ich eine gute Saison spiele und dass ich fit bleibe.

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