Aldi, Rewe & Co. Kunden werden immer brutaler – Discounter müssen jetzt dringend reagieren

Kunden stehen am frühen Morgen kurz vor Öffnung vor einem Aldi-Markt.

Kunden stehen an einem frühen Märzmorgen im Jahr 2020 kurz vor der Öffnung vor einem Aldi-Markt. Seit der Corona-Pandemie werden Mitarbeiter in Filialen immer häufiger attackiert. Die Discounter reagieren.

Immer häufiger werden Mitarbeiter im Lebensmittelhandel von Kunden verbal und körperlich attackiert. Die Zahl der Übergriffe hat seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen. Nun reagieren die Unternehmen.

Köln. Unzufriedene, meckernde Kunden – sie gehören zum Alltag im Lebensmittelhandel. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Kunden aggressiver geworden, Mitarbeiter sehen sich immer häufiger verbaler und auch körperlicher Attacken ausgesetzt. Das hat mitunter gravierende Folgen. 

Wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtet, hat die Zahl der Übergriffe in den letzten Monaten zugenommen. Martin Wuttke, der als Aufsichtsperson der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) zahlreiche Handelsbetriebe in Berlin betreut, erklärt demnach, dass es zwar noch kein statistisches Material gebe. „Eine genaue Erhebung der Zahlen ist gar nicht möglich, weil uns die meisten dieser Unfälle gar nicht erst gemeldet werden“, erklärt Wuttke. Dennoch registriere die Berufsgenossenschaft eine Zunahme der Aggression, vor allem in den Großstädten.

Nicht nur der allgemein gestiegene Frust während der Pandemie sei verantwortlich für die vermehrten Angriffe, erklärt Wuttke. Mitarbeiter müssten Kunden seit Corona auf die Hygieneregeln in den Filialen hinweisen. „Darin liegt schon ein erhöhtes Konfliktpotenzial.“ Etwa, wenn ungeduldigen Kunden, die wegen der Begrenzung der Kundenzahl draußen warten müssen, die Hutschnur platzt. 

Aldi, Rewe & Co. mit drastischen Maßnahmen gegen aggressive Kunden

Immer mehr Discounter müssen bereits zu drastischen Maßnahmen greifen, postieren Sicherheitsleute vor der Eingangstür. Immer öfter ist Wachpersonal an Ladentüren zu sehen, wo vor der Pandemie noch keines stand. 

Ein weiteres Mittel: spezielle Seminare, um Handelsunternehmen besser auf den Umgang mit solchen aggressiven Kunden vorzubereiten. Gewaltprävention sei schon aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen wichtig. Dazu gehöre auch das Erstellen von Gefährdungs-Analysen. „Es muss also schon aus juristischen Gründen klare Richtlinien für den Umgang mit aggressiven Kunden geben“, erklärt AOK-Chef Holger Pressel der „LZ“.

Das Problem: Viele Unternehmen unterschätzen die negativen Folgen für ihre Mitarbeiter, wenn sie von Kunden attackiert werden. „Das kann von längeren Ausfallzeiten wegen der psychischen Belastung bis hin zur Kündigung durch die betroffenen Mitarbeiter führen“, erklärt Pressel. 

Aggressive Kunden: „Schwer, überhaupt Infos zu bekommen“

Auf Anfragen der „LZ“ sagen Unternehmen wie Rossmann, Aldi Süd und Aldi Nord zwar aus, dass sie keine vermehrten Probleme mit aggressiven Kunden wahrnehmen, es nur hier und da mal zu Uneinigkeiten komme.

Holger Pressel erklärt aber, dass Firmen nicht das sensible Thema nach außen kommunizieren wollen, „um ihre Kunden nicht zu brüskieren“. Die Firmen beschäftigen sich intern damit. „Deshalb ist es so schwer, Zahlen oder überhaupt Informationen zu diesem Thema zu bekommen.“ (mg)

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