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„Die Küste ist verschandelt"Mit der Küstentram durch Belgien von Luxus-Ort bis Natur-Idyll

Küste von Blankenberge in Belgien

Copyright: Visit Flanders/dpa-tmn

Schienen am Strand: Auf 67 Kilometern fährt die Kusttram fast die ganze belgische Küste entlang.

Die längste Tram der Welt birgt eine giftige Überraschung

Ein leises Wummern in der Ferne, eine feine Vibration im Sand – so liegt ihr am weiten Nordseestrand und spürt sie: die Küstentram. Die „Kusttram“ oder kurz „KT“ ist an der belgischen Küste allgegenwärtig. Sie ist die weltweit längste Tram-Strecke und ein echtes Abenteuer für die ganze Familie.

Auf 67 Kilometern verbindet die Tram 67 Stationen, vom schicken Knokke-Heist an der niederländischen Grenze bis nach De Panne nahe Frankreich. Für Einheimische ist sie das Verkehrsmittel für den Alltag, für Touristen ein geniales „Hop-on-Hop-off“-Gefährt. Eine Reise entlang der Küste, die mehr Überraschungen bereithält, als man denkt.

Straßenbahn auf der Kusttram-Route in Belgien

Copyright: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

Links der Strand, rechts die Häuser - und dazwischen die Tram auf dem Weg nach Knokke.

Protz-Parade und Beton-Sünden in Knokke-Heist

Los geht die Tour in Knokke-Heist, dem mondänsten Seebad Belgiens. Hier stehlen erst mal andere der Tram die Show. Die Dichte an Edelkarossen ist irre: Jaguar-Cabrios, Lamborghinis, Ferraris und Porsches cruisen durch das Villenviertel Het Zoute. Doch der Ort hat auch eine andere Seite: riesige Hochhausreihen, die morgens lange Schatten auf den Strand werfen.

„Die Küste ist verschandelt mit diesen Bauten“, sagt Mieke van den Sande, eine Naturführerin, die auf die 80 zugeht. Sie führt durch den Naturpark Het Zwin, eine Oase aus Dünen, Salzwiesen und Poldern. „Hier sind wir in einer anderen Welt“, sagt sie mit einer weiten Geste. „So muss es sein.“ Hier, wo früher der Meeresarm Brügge reich machte, ist heute ein Paradies für Vögel – und eine willkommene Flucht vor dem Beton.

Naturführerin Mieke van den Sande

Copyright: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

Mieke van den Sande, Naturführerin im Naturpark Het Zwin: «Hier sind wir in einer anderen Welt.»

Waffel-Glück und Einsteins Spuren in De Haan

Endlich in der Tram! Die Fahrt führt vorbei am riesigen Überseehafen von Seebrügge, wo endlose Reihen von Neuwagen auf ihre Verschiffung warten. Doch schon bald wird die Landschaft wieder wilder. Ab Blankenberge verläuft die Trasse direkt an den Dünen, vorbei an Pappeln und Sanddornbüschen.

In De Haan wartet eine belgische Spezialität. Anne Vincke, Besitzerin des Cafés „René“, erklärt den Unterschied zwischen Brüsseler und Lütticher Waffeln: „Die einen werden mit mehr Hefe und ohne Zucker gebacken und dann mit Puderzucker bestreut, die anderen sind mit weniger Hefe und viel Zucker.“ Das einstimmige Familienfazit: beide superlecker.

De Haan selbst ist ein Schmuckstück mit seinen Belle-Époque-Villen. In einer davon, der Villa Savoyarde, wohnte 1933 sogar Albert Einstein, bevor er in die USA emigrierte. Heute grinst ein Pappaufsteller von ihm aus dem Fenster.

Grand Hotel Bellevue in De Haan

Copyright: Bernd F.Meier/dpa-tmn

Das Grand Hotel Bellevue wurde 1912 erbaut - Albert Einstein soll während seiner Zeit in De Haan hier öfter zum Teetrinken eingekehrt sein.

Plötzlich lauert die Gefahr im seichten Wasser

Weiter geht die Fahrt nach Ostende und darüber hinaus. 19 Stationen später, in Oostduinkerke-Bad, wartet ein Unesco-Weltkulturerbe: das Krabbenfischen zu Pferde. Fischer in Ölzeug ziehen mit ihren zotteligen Brabanter-Pferden durch die Brandung – ein beeindruckendes Spektakel, das Hunderte anlockt.

Krabbenfischer mit Pferd in Oostduinkerke

Copyright: Westtoer APB/dpa-tmn

Immaterielles Weltkulturerbe: Krabbenfischen mit Pferd - hier in Oostduinkerke.

Doch die wahre Überraschung wartet eine Station weiter in Koksijde. Hier könnt ihr selbst zu Fischern werden – beim Schleppnetzfischen zu Fuß. José Vanhoutte (über 70) erklärt, dass dies die ursprüngliche Methode war: „Die Frauen sind raus, bei Ebbe, mit Netzen ins Meer und haben Krabben gefischt. Das war vor den Pferdefischern.“

Krabbenfischer in Oostduinkerke

Copyright: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

Das Netz im Schlepptau: Als zahlender Tourist kann man zu Fuß auf Krabbenfang gehen.

In Gummikleidung geht es ins brusthohe Wasser. Die Ausbeute ist mager, doch die Analyse des Fangs hat es in sich. Neben ein paar Krabben und Baby-Steinbutten landet etwas im Netz, das den Spaß schnell beenden kann: Petermännchen. Achtung: Diese Fische haben einen Giftstachel! Ein Stich kann heftige Schmerzen auslösen. Ein echtes Risiko bei dem vermeintlich harmlosen Urlaubsspaß. José selbst zuckt nur mit den Schultern, köpft eine Krabbe und isst sie roh. Wie bitte?!

Petermännchen

Copyright: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

Giftiger Beifang im Netz: ein Petermännchen mit aufgestellten Flossenstacheln.

Achterbahn-Finale mit wichtiger Warnung

Der letzte Stopp der Reise ist der Vergnügungspark Plopsaland in De Panne – ein Adrenalin-Kick zum Abschluss und ein krasser Gegensatz zur stillen Natur. Doch auch hier gibt es eine wichtige Regel zu beachten, um den Spaß nicht zu verderben.

Achterbahn im Plopsaland De Panne

Copyright: Pieter Clicteur/Plopsa/dpa-tmn

Endstation, die Kinderherzen höher schlagen lässt: Die Tram hält direkt vor dem Vergnügungspark Plopsaland in De Panne.

Wichtiger Hinweis: Wer direkt vom Strand kommt, sollte an festes Schuhwerk denken. In Sandalen oder Flipflops dürft ihr manche Fahrgeschäfte aus Sicherheitsgründen nicht benutzen.

Für eure Reiseplanung könnt ihr Tickets für die Küstentram vorab online auf „delijn.be/de“ oder an den Automaten vor Ort kaufen. Die Anreise zu den Endstationen Knokke-Heist oder De Panne dauert von NRW aus nur wenige Stunden mit dem Auto, alternativ geht es mit der Bahn über Brüssel. Weitere Informationen findet ihr auf den offiziellen Tourismus-Seiten wie „visitflanders.de“ und „belgischekueste.be“. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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