Beatrice Egli steht heute für Selbstbewusstsein. Doch zu Beginn ihrer Karriere wurde sie wegen ihres Gewichts öffentlich gedemütigt.
Von SchlagerlegendeWie Beatrice Egli für ihre Kurven öffentlich gedemütigt wurde

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Fröhliche Stimmung auf der Bühne, doch hinter den Kulissen brodelte es: Florian Silbereisen mit Lys Assia und Beatrice Egli bei der ARD-Fernsehshow „Herbstfest der Volksmusik“ im Jahr 2007. (Archivbild)
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Beatrice Egli zählt zu den erfolgreichsten Schlagerstars im deutschsprachigen Raum. Die 37-Jährige steht für Stärke, Selbstakzeptanz und einen offenen Umgang mit dem eigenen Körper. Zu ihren Kurven steht sie offen und setzt sich öffentlich gegen Bodyshaming ein – auch als Vorbild für Millionen von Mädchen und Frauen. Passend dazu sagte sie im Interview mit „oe24“ über ihr aktuelles Album „Hör nie auf damit“: „Weiter an dich zu glauben, weiter auf deine Stärken zu bauen und das Gute zu sehen.“ Umso härter wirkt der Blick zurück auf einen frühen Karrieremoment, der sie tief traf.
Beatrice Egli vor 20 Jahren: Früher Erfolg mit hohem Erwartungsdruck
Laut einem Artikel der Münchener „Tageszeitung“ rückte Egli bereits 2007 stark in den Fokus. Gemeinsam mit der Schlagerlegende Lys Assia gewann sie die Schweizer Vorentscheidung zum Grand Prix der Volksmusik. Der Auftritt wurde als Generationenprojekt gefeiert, brachte aber auch enormen Druck – vor allem nach dem internationalen Finale in Wien.
Am Ende landete das Duo mit „Sag mir wo wohnen die Engel“ nur auf Platz 12. Ein herber Rückschlag für Assia, die einst mit Hits wie „Oh mein Papa“, „Schweden-Mädel“ oder „Arrivederci, Roma“ zu den erfolgreichsten Schlagerstars der 1950er-Jahre gehörte.
Nach dem Wettbewerb äußerte sich Assia, die 1956 als erste Gewinnerin des Eurovision Song Contest Musikgeschichte schrieb, öffentlich abfällig über Egli. „Zu jung und unbekannt“, wetterte Assia im Schweizer Fernsehen SRF 1 über die junge Kollegin. Wie Egli später schilderte, habe Assia außerdem erklärt, sie sei „zu dick und so unprofessionell“ für den Wettbewerb gewesen. Diese Worte trafen den Schlagernachwuchs besonders hart.
Öffentliche Bloßstellung statt interner Kritik
Sie musste sich sogar live im TV rechtfertigen. „Ich glaube daran, dass Menschen mich so akzeptieren, wie ich bin – und ich akzeptiere mich selbst ebenfalls so, wie ich bin. Ich fühle mich wohl in meiner Haut, und das ist für mich das Wichtigste. Deshalb ist es ein persönlicher Angriff, der mir nahegeht. Eigentlich tut mir das für sie leid“, sagte Egli damals trotzig in der TV-Show „Glanz & Gloria“.
Dennoch musste das Duo die Zusammenarbeit zunächst fortsetzen, veröffentlichte eine gemeinsame CD und trat beim „Herbstfest der Volksmusik“ von Florian Silbereisen auf. Für Egli war das keine leichte Zeit. Später sagte sie, solche Worte könne man „mit 18 nicht einfach wegstecken“.
Heute wirkt der Vorfall wie ein bitteres Kapitel aus einer anderen Zeit. Egli ging ihren Weg unbeirrt weiter und baute ihre Karriere nach dem Sieg bei „Deutschland sucht den Superstar“ 2013 konsequent aus. In der Schweiz landete sie inzwischen acht Nummer-eins-Alben, auch in Deutschland erreichte sie zehn Mal die Top 10, zweimal sogar Platz eins.
Die damalige Demütigung gilt rückblickend oft als Wendepunkt – und als Mahnung, wie verletzend öffentliche Worte sein können, gerade am Anfang einer Laufbahn. Als Assia 2018 im Alter von 94 Jahren starb, zeigte sich Egli gegenüber „Blick“ versöhnlich: „Sie konnte ein schönes, gesundes und erfolgreiches Leben bis ins hohe Alter genießen. Ich werde sie in bester Erinnerung behalten.“

