War das Rot? Muss der Schiedsrichter da einen Elfmeter geben? Fußballfans diskutieren mehr denn je über Schiedsrichterentscheidungen - auch bei der laufenden Fußball-WM. ARD-Experte Lutz Wagner erklärte im Interview, warum der Fußball heute dennoch „viel gerechter als früher“ ist.
Schiedsrichter-Experte Lutz Wagner„Hundertprozentige Gerechtigkeit wird es niemals geben“
Die ersten Spiele der Fußballweltmeisterschaft sind entschieden und schon gibt es die erste Schiedsrichterdiskussion. Gleich dreimal zückte der Brasilianer Wilton Pereira Sampaio im Match von WM-Gastgeber Mexiko gegen Südafrika (2:0) die rote Karte. Der Platzverweis gegen den Südafrikaner Themba Zwane in der 84. Minute sorgte dabei für Diskussionen - war es eine ungerechte Fehlentscheidung? Ganz so einfach ist es in der Regel nicht, wie Schiedsrichterexperte Lutz Wagner bereits im Vorfeld der Weltmeisterschaft im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau deutlich machte: „Hundertprozentige Gerechtigkeit wird es niemals geben.“
Der Experte war überzeugt: „Trotzdem ist der Fußball heute viel gerechter als früher. Das Wembley-Tor hätte heutzutage nicht gezählt und die Hand Gottes von Maradona hätte man heute auch sehr schnell zurückgepfiffen.“ Früher habe man Entscheidungen „situativ aufgrund des persönlichen Eindrucks“ getroffen, „aber eben auch auf viel dünnerer Informationsbasis“, erklärte der 63-Jährige. „Dann hat man gesagt: Egal, der Schiedsrichter hat so entschieden. Auch, weil die meisten Leute es noch schlechter gesehen hatten als der Fachmann auf dem Spielfeld.“
Lutz ist „im Zweifel immer pro technischen Fortschritt“
Mit „der Vielzahl an Möglichkeiten“ - etwa zahlreichen Kameras und einer automatischen Abseitserkennung - rund um das Spielfeld kamen auch mehr Diskussionen um die Entscheidungen der Offiziellen: „Heute sehen viele Menschen ganz viele verschiedene Perspektiven - und entsprechend umstritten sind deshalb die Entscheidungen der Schiedsrichter.“ Dennoch sei er „im Zweifel immer pro technischen Fortschritt“, machte der Experte klar, denn „dem Schiedsrichter geht es um Gerechtigkeit“. Einige Entscheidungen - ob mithilfe des Videoassistenten oder auf dem Platz - bleiben jedoch aufgrund der Schnelligkeit des Spiels und aufgrund des Regelwerks schwierig. Wagner nannte etwa die Handspielregel als Beispiel und erklärte: „Am Ende ist es wie vor Gericht auch eine Auslegungssache.“
Ab Freitag, 12. Juni, 20.15 Uhr, ist Lutz Wagner als Schiedsrichterexperte im Ersten zu sehen. Die ARD überträgt insgesamt 30 der 104 Spiele der Fußballweltmeisterschaft. (tsch)
