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„Kurz vor Loveparade 2.0“Besucher entsetzt über Chaos bei Rock am Ring – erste Band für 2027 enthüllt

Etwa 90.000 Menschen waren bei Rock am Ring. Die Luftaufnahme zeigt Musikfans während des Auftritts der deutschen Metalband Electric Callboy vor Utopiastage.

Copyright: Thomas Frey/dpa

Etwa 90.000 Menschen waren bei Rock am Ring. Die Luftaufnahme zeigt Musikfans während des Auftritts der deutschen Metalband Electric Callboy vor Utopiastage.

Chaos bei Rock am Ring: Aus Party-Laune wurden schnell Ärger und Angst.

Für unzählige Musikfans, auch viele aus der Euskirchener Gegend, ist Rock am Ring das Highlight des Jahres. Doch dieses Mal kippte die Stimmung: Aus Party-Laune wurden schnell Ärger und Angst.

Normalerweise verbindet man mit Rock am Ring legendäre Konzerte, schlammige Stiefel und unvergessliche Momente. Doch der vergangene Freitag bot vielen Besuchern Erfahrungen, die sie lieber vergessen würden.

Besucher sprechen von „Loveparade 2.0“-Szenen

„So etwas habe ich bei Rock am Ring noch nie erlebt“, schildert Laura Weber. Schon am Nachmittag habe sich im Bereich vor der Hauptbühne eine beklemmende Enge breitgemacht. Und das, obwohl die Headliner des Abends, Papa Roach und Linkin Park, noch lange nicht auf der Bühne waren.

Weber, ihr Gatte und sein Kumpel, für die es die Festival-Premiere war, kämpften sich nach langem Warten in den vorderen Bühnenbereich. Doch die anfängliche Euphorie verflog blitzschnell. „Wir standen eingepfercht wie Tiere im Stall“, fasst die Frau aus Rodert die Lage zusammen. Es sei so unglaublich eng gewesen, dass sie ihre Arme nicht mehr bewegen konnte. „So eng habe ich in meinem ganzen Leben noch nie auf einem Konzert oder Festival gestanden“, betont Weber, die schon 2004 ihr erstes Rock am Ring erlebte.

Laut Webers Schilderung eskalierte die Situation beim Konzert von Architects. Ihre Gruppe wurde auseinandergerissen, eine Verständigung über das Mobiltelefon war fast unmöglich. In der Masse gab es kaum ein Vor oder Zurück. „Normalerweise erlebt man auf Festivals ein Gemeinschaftsgefühl, bei dem sich die Menschen gegenseitig helfen. Diesmal war davon wenig zu spüren“, so Weber.

Manche Festivalgänger empfahlen sogar, sich von Helfern über die Wellenbrecher ziehen zu lassen, nur um dem Gedränge zu entfliehen. Die Angst vor einer Massenpanik war bei vielen deutlich zu fühlen. Erst als Webers Mann sich einen Weg durch die Menschen bahnte und seine Freunde aus der Enge befreien konnte, beruhigte sich die Lage für sie. Die Auftritte von Papa Roach und Linkin Park konnten sie dann lockerer genießen. Dennoch blieb nach den musikalischen Höhepunkten ein schaler Nachgeschmack. „Das hat meine Stimmung für den Tag definitiv getrübt“, sagt Weber.

Rockfans stehen während des Auftritts der amerikanischen Metalband „Papa Roach“ bei Rock am Ring vor der Utopiastage.

Copyright: Thomas Frey/dpa

Rockfans stehen während des Auftritts der amerikanischen Metalband „Papa Roach“ bei Rock am Ring vor der Utopiastage.

Nach dem Konzert von Linkin Park, als zahlreiche Besucher die Hauptbühne verließen, um zur zweitgrößten Bühne und Limp Bizkit zu gelangen, spitzte sich die Lage erneut zu. „Es war kurz vor Loveparade 2.0“, postete eine Besucherin am Samstagmorgen auf dem offiziellen Social-Media-Kanal des Festivals und bekam dafür viel Zuspruch. Ausdrücke wie „Horror“, „unverantwortlich“ oder „Organisation 0/10“ fanden breite Zustimmung in den Kommentaren.

Laura Webers Freundeskreis kann diese Eindrücke nur bestätigen: „Ich bin immer noch geschockt von diesen Menschenmassen. Alles war zu eng, alles war zu voll.“ Sascha Völler aus Olef drückt es ähnlich aus: „Es war so abartig voll, dass wir nicht mehr in den A-Block gekommen sind.“

Trotz Gedränge: Festival bot auch viele Highlights

Susanne und ihre Begleiterin waren ebenfalls fassungslos, wie viele blaue Flecken sie sich am Freitag zuzogen: „Und wir waren nicht im Moshpit.“ Ein Moshpit ist jener „Tanzkreis“, der bei Rock-Gigs oft in der Menge entsteht und wo es rauer zugeht. „Ich war vergangene Woche bei Metallica in Berlin mit 94.000 Besuchern. Das war entspannter“, erzählt sie. Der Samstag am Ring sei dann aber wieder merklich ruhiger verlaufen.

Ein relaxtes Wochenende erlebten hingegen Dominik Schöpfer, seine Gattin Janine und ihr Freundeskreis. Doch auch der Keeper des SV Frauenberg meint: „Bei Linkin Park standen gefühlt alle vor der Hauptbühne. Das war krass.“ Trotzdem sei das Konzert ein absolutes Highlight gewesen. „Rock am Ring ist für uns immer so ein kleines Treffen unter sehr guten Freunden“, erklärt Schöpfer. „Wir haben sehr gute Menschen in unserem ersten Jahr dort kennengelernt, die sich ganz schnell zu einer Clique formiert haben. So verbindet der Ring für uns die Eifel und das Weserland.“

Sascha Völler kennt ebenfalls die verbindende Kraft von Rock am Ring und dem Campingleben: Ein Australier spielte bei ihrer Runde Beerpong mit. Am Donnerstag besucht er traditionell seine Kinder in ihrem eigenen Camp auf dem Festivalgelände. Dieses Mal entstand sogar eine spontane Feier, als die Gruppe während eines Unwetters in einem Tunnel Schutz suchte.

Dicht an dicht standen die Rockfans während des Auftritts der us-amerikanischen Metalband „Papa Coach“.

Copyright: Thomas Frey/dpa

Dicht an dicht standen die Rockfans während des Auftritts der us-amerikanischen Metalband „Papa Coach“.

Schon am Mittwochnachmittag bezogen Katharina Weber, Nina Schmitz, Ben Hermanns und Niels Decker ihr Lager auf dem General Camping. Das ist die traditionellste Art des Campens beim Festival: Zelt, Isomatte, Schlafsack, Gaskocher, Ravioli aus der Dose und Wein im Karton. „Wir haben hier viele Bekannte wiedergetroffen. Das ist fast schon so ein Familiending“, erzählt Ben Hermanns aus Zülpich. Den Auftritt der dänischen Rocker von Volbeat konnte die Vierergruppe am Samstagabend allerdings nur auf den großen Leinwänden verfolgen. Weil sie zuvor bei Rapper Marteria waren, zwang sie das Bühnen-Hopping zu einem Stopp weit entfernt von der Hauptbühne, wo sie ganz hinten einen Platz fanden. Angesichts der Vorkommnisse am Freitag sei das aber verkraftbar gewesen.

Veranstalter betont: „Sicherheit hat jederzeit höchste Priorität“

Am Samstagabend reagierte der Veranstalter auf die Vorwürfe, ebenfalls über die sozialen Medien: „Die Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher hat bei Rock am Ring jederzeit höchste Priorität. Grundlage des Festivals ist ein umfassendes Sicherheits- und Besucherstromkonzept, das mit den zuständigen Behörden abgestimmt und von diesen genehmigt wurde.“

Sechs Fans feiern auf dem Festival.

Copyright: Tom Steinicke

Für die Clique um Dominik Schöpfer (r.) gehört Rock am Ring auch als Treffen guter Freunde einfach dazu.

Es könne nach bestimmten Konzerten zu typischen, verstärkten Bewegungen von Besuchern kommen, wenn viele Personen zur selben Zeit zwischen den Arealen wechseln. „Die zulässigen Besucherzahlen wurden dabei zu keinem Zeitpunkt überschritten“, teilte der Veranstalter mit.

Weiter hieß es: „Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdungslage. Die Abläufe bewegten sich jederzeit innerhalb des vorgesehenen Festivalbetriebs. Einzelne Situationen in großen Menschenmengen können von Besucherinnen und Besuchern unterschiedlich wahrgenommen werden. Rückmeldungen nehmen wir ernst und werten sie kontinuierlich mit den zuständigen Behörden aus.“ Eine Presseanfrage unserer Redaktion zu den Vorfällen am Freitag wurde bis zum Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Ausblick auf 2027: Blink 182 als erster Headliner fix

Das Motto lautet: Nach dem Festival ist vor dem Festival. Der Veranstalter verkündete noch während der laufenden Veranstaltung am Nürburgring den ersten Top-Act für 2027. Dabei handelt es sich um Blink 182. Die Gruppe aus San Diego schaffte 1999 mit dem Album „Enema of the State“ ihren internationalen Durchbruch. Dies machte die Musiker weltweit berühmt und zu einer der wichtigsten Bands des Pop-Punk-Genres.

Zusätzliche Bands für das Festival 2027, welches vom 4. bis 6. Juni über die Bühne gehen wird, sind noch nicht bekannt gegeben worden. Es gibt jedoch bereits Infos zum Ticketverkauf: Dieser beginnt traditionsgemäß kurz nach dem Ende des aktuellen Festivals – nämlich am 9. Juni um 12 Uhr. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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