Milliarden-Rückzieher! Pharma-Standort in Gefahr?
Warnschuss für DeutschlandPharma-Riesen ziehen Milliarden-Investitionen aus Deutschland ab

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Die Pharmaindustrie kritisiert die Rahmenbedingungen in Deutschland. (Archivfoto/ Symbolbild)
Ein Schock für den Pharmastandort Deutschland! Zwei Branchenriesen stoppen plötzlich milliardenschwere Projekte. Zuerst streicht Boehringer Ingelheim eine Investition von 900 Millionen Euro. Kurz danach halbiert der US-Konzern Eli Lilly sein 2,5-Milliarden-Dollar-Vorhaben in Alzey (rund 2,2 Mrd. Euro). Eine Expertin schlägt Alarm.
„Meine Einschätzung an dieser Stelle wäre, dass wir es mit deutlichen Warnschüssen zu tun haben“, sagte Jasmina Kirchhoff vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Sie betonte, die Entwicklung sei sehr bedenklich: „Das, was wir da gerade sehen, ist durchaus ernst zu nehmen, weil das Überlegungen sind, die sich viele andere Unternehmen auch stellen werden.“
Expertin: Firmen fehlt jegliche Planungssicherheit
Als Auslöser für die Rückzieher sieht Kirchhoff die geplante Gesundheitsreform in Deutschland. Die Debatte um das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz komme zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, da sich der Weltmarkt neu sortiere und der Druck aus den USA sowie Asien wachse.

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Der US-Konzern Eli Lilly will deutlich weniger Geld in seine neue Produktionsstätte in Rheinland-Pfalz investieren. (Archivfoto)
Ein Hauptkritikpunkt der Industrie sind die im Sparpaket des Bundes vorgesehenen dynamisierten Herstellerabschläge. „Mit denen ist es praktisch gar nicht mehr möglich, überhaupt Planungen zu vollziehen, weil sich diese Rabatte jedes Jahr ändern“, erklärte Kirchhoff. Ihre düstere Vorhersage: „Zudem muss man davon ausgehen, dass sie in Zukunft ausschließlich steigen werden.“
Doch das ist nicht die einzige Hiobsbotschaft. Das Gesetz ebnet auch den Weg für Rabattverträge bei innovativen Arzneimitteln, was den Schutz geistigen Eigentums untergraben könnte. Der Hammer: Während andere Länder als Reaktion auf die US-Politik ihre Ausgaben für Medikamente erhöhen, macht Deutschland das genaue Gegenteil. Kirchhoffs klares Urteil: „Das, was wir tun, ist genau das Gegenteil.“
Kirchhoff: Zielkonflikt muss angegangen werden
Die Expertin hofft, dass dieser Weckruf in der Politik ankommt. Es bestehe ein ernster Zielkonflikt zwischen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Interessen, so Kirchhoff. Alle zuständigen Ministerien müssten sich dringend an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu erarbeiten. Die neue US-Arzneimittelpolitik stelle obendrein ein systemisches Risiko für die Bundesrepublik dar.
Was hierzulande geschieht, hat enorme internationale Bedeutung. Deutschland ist der größte Gesundheitsmarkt Europas, viele Nationen koppeln ihre Preise an die deutschen. Die heimische Pharmaindustrie genießt zudem einen exzellenten Ruf. „Das heißt, was wir hier tun, hat auch Signalwirkung in andere Länder hinein“, schließt die Expertin. (dpa/red)
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