Bei „Markus Lanz“ eskalierte die Diskussion über Deutschlands Rolle im Nahostkonflikt. Nahost-Expertin Kristin Helberg rechnete dabei mit CDU-Politiker Jürgen Hardt ab und warf ihm angesichts deutscher Waffenlieferungen an Israel „Realitätsverweigerung“ vor.
„Realitätsverweigerung“ und „Orientierungslosigkeit“Nahost-Expertin legt sich bei Lanz mit CDU-Politiker an

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CDU-Politiker Jürgen Hardt (Mitte) machte sich am Dienstag für Israel stark, während Nahost-Expertin Kristin Helberg deutsche Waffenlieferungen verurteilte. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

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CDU-Politiker Jürgen Hardt erläuterte im Gespräch mit Markus Lanz, dass die Lage im Nahen Osten äußerst „unübersichtlich“ sei. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
Die Lage im Nahen Osten bleibt unübersichtlich - und auch aus Washington kommen widersprüchliche Signale. Am Dienstag verlängerte US-Präsident Donald Trump überraschend die Waffenruhe und verschaffte dem Iran damit mehr Zeit für eine Verhandlungslösung. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, er handele auf Wunsch Pakistans und warte mit weiteren Angriffen. Nur einen Tag zuvor hatte er im Gespräch mit CNBC allerdings noch gewarnt: „Ich gehe davon aus, dass wir bombardieren werden, da dies die bessere Ausgangsposition ist.“ ZDF-Moderator Markus Lanz eröffnete die Runde deshalb mit einer Frage, die den Ton des Abends setzte: „Blicken Sie da noch durch?“
CDU-Politiker Jürgen Hardt gab offen zu: „Es ist alles sehr unübersichtlich.“ Gleichzeitig betonte er, aus seiner Sicht gebe es nur einen gangbaren Weg: „Es kann eigentlich nur eine Verhandlungslösung geben und das weiß der Iran auch.“ Deutlich skeptischer fiel die Analyse von Politologin Cathryn Clüver Ashbrook aus. Trump habe, so ihr Vorwurf, „die naiven Realitäten eines Benjamin Netanjahu geglaubt und hat die USA jetzt natürlich nicht nur in diese (...) außenpolitischen Verwegungen gezogen (...), sondern eben auch in die großen innenpolitischen Verwegungen“. Ashbrook warnte zudem vor dem diplomatischen Schaden, da das Vertrauen in einen „haltbaren Verhandlungsrahmen“ inzwischen „absolut zerrüttet“ sei.
Militärexperte kritisiert Irankrieg: „Falsche Analysen zu Beginn“

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Nahost-Expertin Kristin Helberg warnte vor einem fehlenden Vertrauen in die US-Regierung. (Bild: ZDF/Cornelia Lehmann)
„Die Iraner erwarten tatsächlich andauernd, dass die USA mit ihrem zwangsdiplomatischen Ansatz weiterhin (...) alle bisherigen Abkommen torpedieren“, so die Expertin ernst. Zudem verwies sie auf eine mögliche Eskalation im digitalen Raum. Der Iran habe dort „über die Jahre sehr große Kapazitäten aufgebaut“. „Das wäre für den Iran jedenfalls eine mögliche Eskalierung, die dann tatsächlich eben noch mehr Auswirkungen haben könnte auf das diplomatische Umfeld“, so Ashbrook. Militär-Experte Matthias Strohn sah derweil Parallelen zu früheren Einsätzen und kritisierte „falsche Analysen zu Beginn“ sowie „sehr viel Wunschdenken“.
Sein Fazit? Es gebe „sehr viele Parallelen zwischen“ dem Iran-Krieg sowie den Konflikten in Afghanistan und im Irak. Nahost-Expertin Kristin Helberg sah ebenfalls eine heikle Gemengelage - und skizzierte mögliche Bedingungen, unter denen Teheran zu Zugeständnissen bereit sein könnte: „Ich denke, das iranische Regime ist bereit, Konzessionen zu machen - zurückzukehren zum Status vor diesem Krieg, was die Straße von Hormus angeht, Zugeständnisse zu machen beim Atomprogramm“. Das sei sicher aber nur der Fall, wenn sichergestellt sei, dass das Regime an der Macht bleibe und Sicherheitsgarantien bekomme, dass es nicht mehr angegriffen werde.
Markus Lanz fragt Jürgen Hardt: „Dieser Krieg ist im deutschen Interesse?“

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Markus Lanz (linls) diskutierte am Dienstagabend mit CDU-Politiker Jürgen Hardt (zweiter von links), Journalistin Kristin Helberg (Mitte), Militär-Experte Matthias Strohn (zweiter von rechts) und Politologin Cathryn Clüver Ashbrook. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
Trotz aller Diskussion über Militärschläge blieb Hardt bei seiner Warnung vor dem iranischen Regime. Es habe „in Worten und Taten“ stets „die Vernichtung des Staates Israel propagiert und das muss man ernst nehmen“. Entsprechend verteidigte er das zentrale Ziel: „Das Ziel, dass der Iran - der erklärt, der will Israel zerstören - nicht atomar bewaffnet wird, dieses Ziel halte ich für weiterhin richtig und unterstützenswert.“ Lanz fragte daraufhin zugespitzt: „Dieser Krieg ist im deutschen Interesse?“ Hardt antwortete ausweichend: „Im deutschen Interesse ist die Verhinderung, dass der Iran sich atomar bewaffnet.“ Kristin Helberg widersprach prompt und kritisierte deutsche Waffenlieferungen an Israel.
„Panzerteile, die verbaut werden in Israel, die rollen durch Gaza“, so die Journalistin. Deutschland sei aktiv beteiligt „an Vorwürfen wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen. Und Sie sprechen immer noch davon, dass das alles im deutschen Interesse ist. Das finde ich richtig erschreckend! Das ist entweder Realitätsverweigerung oder irgendwie Orientierungslosigkeit“, sagte Helberg wütend.
Hardt wies das zurück und beteuerte, Deutschland habe lange „an einer diplomatischen, einer vertraglichen Lösung der Verhinderung der atomaren Bewaffnung des Iran“ gearbeitet. Helberg fuhr dazwischen: „Genau, nur Israel wollte es nicht!“ Hardt blieb dennoch bei seiner Linie: „Der Vorwurf, wir würden hier auf kriegerische Methoden setzen - im Gegenteil!“ Er betonte: „Jede einzelne Waffenlieferung wird in Deutschland sorgfältig geprüft.“ (tsch)
