Nach einem Jahrzehnt in der Security-Branche hatte Martin die Nase voll. In einer ARD-Dokumentation spricht der Ex-Türsteher nun über die steigende Gewaltbereitschaft - und über das, was seines Erachtens in der Branche schiefläuft.
Ex-Türsteher packt in ARD-Doku über Security-Branche aus„Mit einem Bein im Knast“

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Ex-Sicherheitsmitarbeiter Martin spricht in der ARD-Doku „Y-Kollektiv: Crashkurs Security“ mit Reporterin Annkathrin Weis über seinen früheren Job. (Bild: SWR)
Zehn Jahre lang war Martin Security-Mann und Türsteher. Inzwischen hat er der Branche den Rücken gekehrt. In der ARD-Doku „Y-Kollektiv: Crashkurs Security“ erklärt er, weshalb er inzwischen lieber auf einem Reiterhof arbeitet. „Die Gewaltbereitschaft der Menschen steigt“, glaubt er. Einst sei ihm sogar jemand „auf den Rücken gesprungen“ und habe ihn gewürgt. „Früher war das für mein Empfinden deutlich weniger.“
Auch aus rechtlicher Sicht betrachte er seinen früheren Job heute kritisch. „Ich denke schon, dass du als Angestellter eigentlich mit einem Bein im Knast bist. Du trägst eine Verantwortung, wenn du da handelst.“ Er selbst habe die Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe, den sogenannten „§34a-Schein“, nicht bestanden - und den Job trotzdem ausüben dürfen. „Die wussten das ja. Wenn du die Prüfung nicht bestehst, wäre das ja auch Arbeitgeber-Pflicht, das vielleicht mal einzufordern oder zu überprüfen.“

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Gibt es in der Security-Branche wirklich eine „Sicherheitslücke“? (Bild: iStock / somboon kaeoboonsong)
Dies hält er für einen Missstand in der Branche: „Es ist eine Sicherheitslücke. Die Sicherheitsfirma ist ja verantwortlich dafür.“ Die Frage, ob er jemals wieder im Security-Bereich arbeiten würde, verneint Martin vehement. Dafür, sagt er, seien ihm sein Leben und seine Gesundheit zu „wertvoll“.
„Dieser Job wird sehr oft unterschätzt“
Dass so mancher Sicherheitsdienst höhere Anforderungen an sein Personal hat, zeigt indessen der Besuch bei einem Münchner Unternehmen. Dort müssen Anwärter einen Kurs absolvieren, der unter anderem Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen sowie „Funkübungen, Brandschutztraining und Ersthelferausbildung“ beinhaltet.
„Dieser Job wird sehr oft unterschätzt“, betont einer der Bewerber am Ende der Onboarding-Woche, nachdem er den firmeninternen Test bestanden hat. „Ich bin ja ein Geflüchteter“, erzählt er. Im Flüchtlingsheim sei ihm „aufgefallen, dass es da Sicherheitsmitarbeiter gibt, die den Job wirklich gut machen“. Sein Ziel im neuen Job sei es, „einen Konflikt lösen zu können, ohne gewalttätig zu werden“ - so, wie er es in den Tagen zuvor gelernt hat.
Die gesamte Dokumentation „Y-Kollektiv: Crashkurs Security“ ist in der ARD Mediathek abrufbar. (tsch)

