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Heute im Free-TVMit diesem empathischen Meisterwerk überraschte Kultregisseur David Lynch alle

Alvin Straight (Richard Farnsworth) macht sich mit seinem Rasenmäher auf den Weg, um seinen 450 Kilometer entfernt lebenden Bruder zu besuchen. Sechs Wochen dauert die Reise durch das amerikanische „Heartland“. 

 (Bild: rbb/Picture Factory/Les Films Alain Sarde/Le Studio Canal+)

Alvin Straight (Richard Farnsworth) macht sich mit seinem Rasenmäher auf den Weg, um seinen 450 Kilometer entfernt lebenden Bruder zu besuchen. Sechs Wochen dauert die Reise durch das amerikanische „Heartland“. (Bild: rbb/Picture Factory/Les Films Alain Sarde/Le Studio Canal+)

Das steinerweichende Altherren-Roadmovie zeigt Kultregisseur David Lynch in ungewohntem Licht: optimistisch, emphatisch, allzu menschlich.

David Lynch verstand es seit jeher zu provozieren, zu schockieren und zu überraschen. Und wahrscheinlich ist das dem kultisch verehrten Filmemacher nie besser gelungen als 1999 mit seiner „Straight Story“. Nicht nur eine wahre, vor allem eine geradlinige, schnörkellose Geschichte erzählte der Meister der psychopathologischen Dekonstruktion Hollywoods in diesem steinerweichenden Altherren-Roadmovie.

Meinte er das ernst? Gibt es da nicht irgendwo einen abgründigen Subtext? Und warum passiert hier so wenig in solch aufreizender Langsamkeit? Der rbb (Samstag, 31. Januar, 23.30 Uhr) wiederholt David Lynchs untypischsten Film, der dennoch zu seinen besten zählt.

Faszination für das Allzumenschliche

Alvin Straights (Richard Farnsworth) letztes Lebensziel: Frieden schließen mit seinem kranken Bruder. Auf dem Weg dorthin lässt er seiner Vergangenheit Revue passieren.  (Bild: rbb/Picture Factory/Les Films Alain Sarde/Le Studio Canal+)

Alvin Straights (Richard Farnsworth) letztes Lebensziel: Frieden schließen mit seinem kranken Bruder. Auf dem Weg dorthin lässt er seiner Vergangenheit Revue passieren. (Bild: rbb/Picture Factory/Les Films Alain Sarde/Le Studio Canal+)

Im Jahr 2009 startete der im letzten Jahr verstorbene Starregisseur (“Twin Peaks“, „Mulholland Drive“) eine bemerkenswerte Internetinitiative. Für sein „Interview Project“ reiste er rund 20.000 Meilen durch die Vereinigten Staaten, um Durchschnittsamerikaner, die er zufällig am Wegesrand traf, nach ihrer Lebensgeschichte zu befragen. Die drei- bis fünfminütigen Kurzdokus brachten einen David Lynch zum Vorschein, wie ihn das Klischee nicht kennt: emphatisch, interessiert, fasziniert vom Allzumenschlichen.

Wenn man so will, dann waren diese Webfilme die Fortschreibung eines Ethos, das sich schon in „The Straight Story“ Bahn gebrochen hatte. Lynch begleitet in seinem Film den 74-jährigen Witwer Alvin Straight (der ehemalige Stuntman Richard Farnsworth, der im Jahr 2000 starb, erhielt für seine Leistung eine Oscarnominierung) auf seiner letzten großen Reise. Seit zehn Jahren hat er mit seinem Bruder Lyle (Harry Dean Stanton), mit dem er zerstritten ist, kein Wort mehr gewechselt. Als Lyle schwer erkrankt, macht sich Alvin auf von Iowa nach Wisconsin. Seine Hoffnung: Versöhnung. Sein Gefährt: ein Rasenmäher. Die Strecke: knapp 500 Kilometer.

Strukturell hat Lynch diese „Straight Story“ nicht viel anders angelegt als seine meisterliche Psychoparabel „Lost Highway“. Nur eben unter anderen Vorzeichen. Alvins aufreizend betuliche Reise ins Herz Amerikas führt dieses eine Mal nicht in einen Albtraum verzerrter Wirklichkeiten, sondern zu Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und so etwas wie weltlicher Erlösung. Vielleicht wollte Lynch ja zeigen, dass nicht hinter jedem weiß lackierten Gartenzaun perverse Abgründe lauern. Gerade weil er natürlich weiß, dass man sie beim ihm ständig vermutet. (tsch)

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