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„Was würde ich tun?“Sebastian Koch über Jüdin, die freiwillig in den Tod ging

Streaming- und TV-Ausblick - ARTE - «Etty»

Copyright: Reiner Bajo/ARTE F/SWR/dpa

Die sechsteilige Serie wird ab dem 13.05.2026 in der Arte online Mediathek gestreamt.

Tragisches Judenschicksal als Serie im modernen Amsterdam.

Eine Frau fährt mit dem Rad durch Amsterdam, sie sucht einen Therapeuten auf. Von ihm erhofft sie sich Linderung für ihre Furcht. Doch es wird der Anfang einer leidenschaftlichen Romanze und einer seelischen Metamorphose, die in einem tragischen Entschluss mündet. Schauplatz ist das von den Deutschen okkupierte Amsterdam in den Jahren 1941 bis 1943.

Die Fernsehserie „Etty“ schildert zwei Jahre im Dasein der jüdischen Niederländerin Etty Hillesum. Von 1941 bis 1943 hielt die junge Denkerin ihre Gedanken in einem Journal fest. Letztendlich begibt sie sich aus eigenem Antrieb in das Deportationslager Westerbork, um dort jüdischen Mitmenschen beizustehen. Zusammen mit ihrer Familie wird sie 1943 im KZ Auschwitz getötet – im Alter von nur 29 Jahren.

Ihre Tagebücher wurden erst Jahrzehnte später zum Welterfolg

Fast 40 Jahre nach ihrem Ableben wurden Ettys Aufzeichnungen publiziert und zu einem globalen Bestseller. Unter dem Namen „Das denkende Herz“ wurden sie in 22 Sprachen übertragen. Die deutsch-französisch-niederländische Gemeinschaftsproduktion, die am 13. Mai bei Arte als Stream startet und am 21. sowie 28. Mai im Fernsehen läuft, stützt sich auf diese Notizen.

Für den israelischen Filmemacher Hagai Levi ist das Werk von großer Bedeutung. „Nachdem ich es atemlos gelesen hatte, fühlte ich, dass ich etwas gefunden hatte, über das ich den Rest meines Lebens reden könnte“, äußerte er bei der Uraufführung in Venedig. Levi schildert nicht so sehr den Lebensweg der jungen Frau, sondern vielmehr ihre geistige Entfaltung vor der Kulisse der zunehmend gefährlicheren Verfolgung von Juden.

„Eine spirituelle Reise“ mit Gänsehaut-Darstellerin

Die österreichische Darstellerin Julia Windischbauer („Callas“) spielt Etty und macht die seelische Zerrissenheit, die Unsicherheiten und die Sorgen der jungen Frau spürbar. Sie selbst bezeichnete es als „eine spirituelle Reise“. Windischbauer eignete sich für die Rolle in kürzester Zeit Niederländisch an und trägt die komplexen, philosophischen Texte aus dem Tagebuch vor, als wären es ihre eigenen, frisch verfassten Worte.

Der Fokus der Serie liegt auf der Romanze zwischen Etty und dem Psychiater Julius Spier, dargestellt von Sebastian Koch („Das Leben der Anderen“). Spier, ein deutlich älterer, aus Deutschland emigrierter Jude und Schüler des Psychoanalytikers C. G. Jung, kombiniert Psychotherapie mit dem Deuten von Handlinien und motiviert Etty, ein Journal zu führen. Er ermutigt sie, das Dasein und ihre eigene Person anzunehmen.

Holocaust-Drama im modernen Amsterdam – der „Wie bitte?!“-Moment

Der Kniff der Serie: Die Handlung spielt nicht im Amsterdam der Vierzigerjahre, sondern in der Gegenwart. Etty trägt Jeans, und zum Schluss besteigt sie einen aktuellen blau-gelben Zug der niederländischen Eisenbahn, der sie ins Lager Westerbork fährt. Auf Smartphones und das Internet wird aber verzichtet.

Die Judenverfolgung wird unterschwellig, aber dadurch umso beklemmender dargestellt. Plötzlich kleben überall Schilder mit den Worten „Für Juden verboten“. Etty wird vom Studium ausgeschlossen. Danach müssen jüdische Bürger ihre Räder abliefern. Eine deprimierende Szene zeigt eine nicht enden wollende Kolonne von Menschen, die stumm zu einer Sammelstelle radeln. Von nun an müssen sie zu Fuß gehen. Die Geräuschkulisse aus Flugzeugen, Kommandos und Detonationen wird dabei immer lauter.

„Was würde ich tun?“

Mit dem modernen Setting will Filmemacher Levi die ewige Gültigkeit von Ettys Aussage hervorheben. Man müsse eine Erzählung über den Holocaust „in einer neuen Sprache erzählen“. Er führte aus: „Hillesums Gedanken sind für die heutige Welt zu dringlich, als dass sie an die Geschichte gebunden bleiben dürfen.“

Auch Darsteller Sebastian Koch findet Ettys Schicksal extrem berührend. Ihre Fragen seien angesichts der gegenwärtigen Krisen und der weltweiten Gefahren für Rechtsstaat und Demokratie hochrelevant, erklärte der Schauspieler gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die Geschichte berührt einen, und man stellt sich die Frage: Was würde ich machen in so einer Situation? Gibt es etwas, das größer ist als mein Leben?“, sagte er. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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