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Viel Gerede, wenig MusikKölnerin gewinnt ESC-Vorentscheid und fährt nach Wien

Sarah Engels (l.) gewann den ESC-Vorentscheid und vertritt Deutschland am 16. Mai in Wien.

Copyright: Britta Pedersen/dpa

Sarah Engels (l.) gewann den ESC-Vorentscheid und vertritt Deutschland am 16. Mai in Wien.

Aktualisiert

Deutschland sucht den Beitrag für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Und hat ihn gefunden.

Wer vertritt Deutschland am 16. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) 2026 in Wien? Die Entscheidung fiel am späten Abend: Sarah Engels (33) aus Köln machte das Rennen!

Bevor der Sieg der ehemaligen DSDS-Zweiten am Samstag (28. Februar) feststand, wurde erst einmal viel erzählt. Sehr viel erzählt. Thorsten Schorn begrüßte das Publikum und präsentierte die Moderatorinnen Hazel Brugger und Barbara Schöneberger. Die sangen zunächst (playback) ein paar deutsche ESC-Klassiker.

TV-Publikum ärgert sich über schlechte Tonqualität

Dann wurde wieder erzählt und die internationale Jury vorgestellt. Ein Einspieler zeigte, wie witzig und humorvoll wir in Deutschland doch sind. Und dann wurde – ihr ahnt es schon – erst einmal wieder sehr viel erzählt. Und so dauerte es mehr als 20 Minuten, ehe der eigentliche Wettbewerb startete. Natürlich nicht mit einem Song, sondern erst einmal mit der Vorstellung des ersten Kandidaten BELA.

Der stand dann anschließend zum allerersten Mal auf der großen Bühne und präsentierte seinen Song „Herz“. Kaum gesungen, ging es in den sogenannten „Green Room“. Dort wurde dann erst einmal wieder, na, wer weiß es? Richtig: geredet! Es ging um Outfits, Aufregung und allerlei Smalltalk.

Danach durften dann die Dreamboys ran – eine Band, bestehend aus vier jungen Frauen. Sie erzählten im Einspieler, wie hart sie an ihrem Song „Jeanie“ geschrieben haben. Das Lied sollte bei den Zuhörern und Zuhörerinnen Leichtigkeit auslösen. „A OK“, war nicht die Reaktion darauf, sondern der Titel des nächsten Künstlers. MYLE durfte direkt nach dem Mädels-Quartett mit Startnummer drei auf die Bühne.

Nicht nur die Qualität der Songs („Wie langweilig kann ein Song sein“, so ein Instagrampost) – vor allem der Ton war Thema in den Sozialen Medien. „Hat jemand auch Probleme mit dem Sound, sobald jemand singt?“ und „Der Sound ist unfassbar schlecht und unangenehm. Das macht so echt keinen Spaß! Da ist auf einem Dorffest die Qualität besser“, hieß es da in den Kommentaren. „Hab nur ich das Problem oder was ist beim Soundcheck falsch gelaufen?!? Ich verstehe kaum ein „Wort“, sprich den Text der Songs.“

Vielleicht wurde auch deshalb mehr geredet als gesungen. Nahezu jedes Jury-Mitglied – immerhin 20 Leute – wurde zu Wort gebeten. „Es ist echt kaum zu ertragen. Und dann wird wahrscheinlich den ganzen Abend wieder nur auf dem Sofa gebabbelt und die Künstler stehen im Hintergrund“, unkte ein Zuseher früh und wurde bestätigt: „Ja, auf den Punkt gebracht!“

Für Stimmung sorgte dann immerhin das Duo Ragazzki mit dem sinnbefreiten Song „Ciao Ragazzki“. Ein Beitrag, den das Publikum nicht nur optisch „Geil“ fand, wie einst Bruce & Bongo (kennen wahrscheinlich nur noch Leute, die in den 80ern musikalisch geformt wurden) und in bester Wadde-hadde-dudde-da und Gildo-Horn-Klamauk-Tradition.

In der Berliner Halle kam jedenfalls erstmals so etwas wie gute Stimmung auf. Klar, dass das nicht so bleiben konnte. Es folgte der nächste Einspieler: Hazel Brugger in der österreichischen Hauptstadt auf der Suche nach dem Wiener Schmäh. Außerdem wollte sie von den Wienern und Wienerinnen wissen, was die No-Gos auf der Bühne sind.

Musikerin Molly Sue schaffte es unter die Top drei beim deutschen Vorentscheid.

Copyright: Britta Pedersen/dpa

Musikerin Molly Sue schaffte es unter die Top drei beim deutschen Vorentscheid.

Selbst die geplanten Comedy-Elemente der Show kamen unfreiwillig komisch rüber. Barbara Schöneberger plauderte auf dem Backstage-Sofa mit „Bergdoktor“ Hans Sigl über die deutsch-österreichische Freundschaft. Immerhin hatte es im vergangenen Jahr zwölf Punkte aus der Alpenrepublik gegeben. Das lag natürlich vor allem daran, dass der deutsche Beitrag vom österreichischen Duo Abor & Tynna stammte. Geholfen hat's nix. „Baller“ schaffte es bekanntlich nur auf Platz 15.

„Verstehen Sie Spaß“-Ikone Paola lauschte ebenso wie der ehemalige ESC-Kandidat Michael Schulte. Caroline Kebekus wollte gar mit Hazel und Barbara im kommenden Jahr als Band die Eröffnung machen.

Nach einer guten Stunde ging dann Laura Nahr mit „Wonderland“ als Startnummer fünf ins Rennen. Nicht, dass ich mich wiederholen wollte, aber nach Startnummer fünf folgte nicht Startnummer sechs, sondern erst einmal ein Talk über den ESC im Großen und Ganzen von Barbara Schöneberger und Thorsten Schorn.

Wavvyboi ließ es im weißen Anzug krachen.

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Wavvyboi ließ es im weißen Anzug krachen.

Aber dann, dann kam Malou Lovis. Die hatte 2023 immerhin als Schützling von Bill und Tom Kaulitz die 13. Staffel von „The Voice of Germany“ gewonnen.

Gewonnen haben zuletzt mit dem nonbinären Nemo (2024 für die Schweiz) und Countertenor JJ (2025 für Österreich) zwei Künstler, die den den ESC optisch und stimmlich aufmischten. Da passt der genderfluide Rock-Poet wavvyboi aus Lichtenstein doch bestens dazu. Er versprach Headbanging und wurde für seinen Song „Black Glitter“ auch entsprechend gefeiert.

Sarah Engel liefert den heißesten Auftritt des Abends

Das heißeste Outfit des Abends präsentierte Sarah Engels. Passend zu ihrem Song „Fire“ zeigte sich die Kölnerin in einem roten Glitzer(bade)anzug. Dazu trug sie rote Overknees-Stiefel und lange rote Handschuhe. Sarah freute sich über ihren Auftritt wie Bolle, hüpfte quitschend auf der Bühne.

Sarah Engels beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest.

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Sarah Engels beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest.

Zeit für die Moderation, die Stimmung wieder runterzukühlen. Es wurden wieder Sofagespräche geführt. Den Abschluss des Vorentscheids im Vorentscheid war Molly Sue mit „Optimist (Ha Ha Ha)“ vorbehalten.

Dann kam der Auftritt der Jury. Qualität des Songs, Komposition und Inszenierung – darauf kam es unter anderem an. Während das Publikum noch einmal die schönsten ESC-Momente, die skurrilsten ESC-Momente, diversen Gesprächen und Ticketverlosungen lauschen durfte, brüteten die internationalen Juroren und Jurorinnen gefühlt stundenlang über den neun Acts. 

Am Ende wählten sie die folgenden drei Kandidaten und Kandidatinnen in das Superfinale:

  1. Molly Sue
  2. wavvyboi
  3. Sarah Engels

Sarah Engels fährt für Deutschland nach Wien

Enttäuschung bei den ausgeschiedenen Künstlern und Künstlerinnen. Der Traum vom ganz großen musikalischen Durchbruch wurde gestoppt. Die drei Ausgewählten durften noch einmal ran – und dann hatten die Zuschauer und Zuschauerinnen die Wahl. 

Nach geschlagenen drei Stunden, in denen die neun, jeweils dreiminütigen Songs vorgetragen wurden, stand fest: Sarah Engels vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest in Wien.

Vor lauter Freude und Jubel konnte die Kölnerin kaum singen. „Geil“, jubelte Sarah Engels, ehe ihr von der ARD der Ton abgedreht wurde. Ihre Freude konnten nur noch die Zuschauer in der Halle genießen. Die TV-Zusehenden bekamen stattdessen harte Kost mit dem Krieg im Iran bei den Tagesthemen. (susa)

Auch auf der ESC-Bühne durfte Yorkshire-Terrier-Hündin Daisy nicht fehlen: Modeschöpfer Rudolph Moshammer trat 2001 beim deutschen Vorentschied an. (Bild: Peter Bischoff/Getty Images)

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