Trotz Skandal wird Gil Ofarim im Dschungelcamp zum Favoriten. Kritiker sprechen von Schönfärberei – und stellen RTL unbequeme Fragen.
Promi spekuliertHat RTL eine geheime Absprache mit Gil Ofarim?

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Gil Ofarim gehört plötzlich zu den Favoriten im RTL-Dschungelcamp.
Aktualisiert
Gil Ofarim polarisiert – und genau das scheint ihm im RTL-Dschungelcamp in die Karten zu spielen. Trotz seiner Vorgeschichte entwickelt sich der Musiker überraschend zum Publikumsliebling. Immer lauter wird deshalb eine Frage: Präsentiert RTL den 43-Jährigen bewusst von seiner besten Seite?
Gil Ofarim: Wird er bewusst positiv dargestellt?
Schon vor dem Start von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ hatten viele Zuschauer Widerstand angekündigt. Grund war Ofarims Teilnahme trotz des Davidstern-Skandals. Doch vom Boykott ist bislang nichts zu merken. Die Quoten stimmen, Ofarim ist weiterhin im Rennen – und meidet das Thema, das seine Karriere fast zerstört hätte. Immer wieder verweist er auf eine angebliche Verschwiegenheitsverpflichtung.
Zur Erinnerung: 2021 hatte Ofarim einem Mitarbeiter des Leipziger „Westin“-Hotels Antisemitismus vorgeworfen. Zwei Jahre später räumte er im Gerichtssaal ein, gelogen zu haben. Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 10.000 Euro eingestellt, der Imageschaden blieb.
RTL-Dschungelcamp: Gil Ofarim zeigt Durchhaltewillen
Im Camp jedoch entsteht ein anderes Bild. Ofarim zeigt Durchhaltewillen, kehrt nach einem Unfall bei einer Prüfung kämpferisch zurück – und wird auffällig positiv begleitet. Besonders im Begleitformat Die Stunde danach rückt der Skandal zunehmend in den Hintergrund. Wird er doch thematisiert, wird das Gespräch schnell abgewürgt. Kritische Stimmen wirken unerwünscht.

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Gil Ofarim könnte Dschungelkönig werden. (Archivbild)
Stattdessen dominieren Umfragen mit günstigen Ergebnissen. Schon früh sprachen sich große Mehrheiten dagegen aus, Ofarim „ständig an den Pranger zu stellen“. Später wurde offen darüber diskutiert, ob er als Nachfolger von Lilly Becker sogar Dschungelkönig werden könne – mit überraschend viel Zustimmung. Auch im Studio bekommt er Rückendeckung, während ausgerechnet Mitcamperin Ariel als Störfaktor dargestellt wird, weil sie immer wieder an den Skandal erinnert.
IBES 2026: Mimi Fiedler spekultiert – „Wo die Reise hingehen soll“
Für Irritation sorgt auch der Umgang mit Kritik von außen. Schauspielerin Mimi Fiedler meldete sich in einer Liveschalte deutlich zu Wort, stellte Ofarims Auftreten infrage – und wurde abrupt abmoderiert.
Fiedler, die Ofarim seit 2016 kennt, äußerte Zweifel an dessen kontrolliertem Auftreten und sprach davon, dass sie hinter seiner ruhigen Fassade etwas „Pathologisches“ wahrnehme. „Ich kenne ihn aus vielen Situationen – privat wie beruflich“, sagte sie. „Und das, was man da gerade sieht, ist für mich nicht das ganze Bild.“
Das Gespräch nahm jedoch schnell ein Ende. Moderatorin Angela Finger-Erben lenkte plötzlich um, eine kritische Nachfrage blieb aus. Kurz darauf wurde die Schalte hastig beendet: „Ich muss ganz schnell Tschüss sagen, Liebe. Wir müssen in die Werbung!“ Eine Rückkehr Fiedlers in die Sendung gab es nicht.
Schauspielerin legt nach – RTL äußert sich
Später äußerte sich die Schauspielerin ausführlicher in einem Online-Interview. Dort schilderte sie ihre Eindrücke von den Abläufen hinter den Kulissen. Schon im Vorgespräch mit der Redaktion habe sie gemerkt, „wo die Reise hingehen soll“.
Wörtlich sagte Fiedler: „Ich hatte sofort das Gefühl: Okay, hier gibt es einen klaren Rahmen. Ich habe mir aber gesagt, ich werde nicht haten – trotzdem wollte ich meine Sicht sagen.“ Gerade weil es sich um eine Livesendung handle, habe sie gehofft, offen sprechen zu können. „Und dann wirst du abmoderiert, sobald es unbequem wird.“
RTL weist entsprechende Vorwürfe auf Anfrage von „t-online.de“ zurück. Es gebe redaktionelle Vorgespräche zur Vorbereitung, aber keine inhaltlichen Vorgaben. Unterschiedliche Meinungen seien ausdrücklich erlaubt, betont der Sender. Auch die abrupt wirkende Werbeunterbrechung sei bei einem Live-Format nichts Ungewöhnliches.

