„Aktenzeichen XY ... ungelöst“-Moderator Rudi Cerne hat mit uns über wahre Verbrechen, über seinen früheren Wunsch, Fußballer zu werden und den harten Weg zum Kufenstar gesprochen.
Er war mal EislaufstarRudi Cerne verrät: „Ich hätte lieber Fußball gespielt“

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Rudi Cerne moderiert „Aktenzeichen XY ... Ungelöst“ seit knapp 24 Jahren. Die ZDF-Sendung ist die Mutter alle True Crime-Formate in Deutschland.
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Unheimliche reale Fälle, mega-aufgeregte Kriminalkommissare, ein ikonischer Soundtrack und ein charismatischer Moderator namens Rudi Cerne. „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ ist Kult. Fast 2000 Fälle konnten dank der „Mutter aller True-Crime-Sendungen“, wie Cerne seine Show im Interview bezeichnet, aufgeklärt werden.
Am kommenden 25. Februar 2026 (um 20.15 Uhr, ZDF) könnten noch welche dazukommen. EXPRESS hat mit dem Moderator einer von Deutschlands beliebtesten Prime-Time-Sendungen gesprochen.
Rudi Cerne: „Ich bin von Haus aus ein vorsichtiger Mensch“
Herr Cerne, „Aktenzeichen XY“ gibt's seit 1967. Es ist Kult – wie hält man so eine Sendung frisch?
Rudi Cerne: Wir sind uns treu geblieben. Der Kern ist unverändert, aber an den Stellschrauben ist immer wieder gedreht worden. Es war eine Kardinalveränderung, als die Sendung von 60 auf 90 Minuten verlängert wurde. Die Filme mussten also länger werden, und wurden dadurch emotionaler. In der letzten Sendung hatten wir den Fall, dass ein älteres Ehepaar brutal überfallen wurde. Man sieht, wie sie durch so ein einschneidendes Erlebnis aus ihrem tagtäglichen Leben herausgerissen werden und es fast nicht überleben. Man sieht, welche Auswirkungen ein solches entsetzliches Verbrechen auf Menschen hat.
Was haben Sie von „XY“ gelernt?
Rudi Cerne: Ich werde tatsächlich oft gefragt, ob sich mein Leben verändert hat, seitdem ich „Aktenzeichen XY“ moderiere. Hat es nicht. Aber ich bin in meiner Vorsicht bestätigt worden. Ich bin von Haus aus ein vorsichtiger Mensch, nicht ängstlich, aber vorsichtig.
Und hat die ständige Präsenz von schweren Verbrechen Ihr Bild von Menschen verändert?
Rudi Cerne: Auch das nicht. Es ist ja auch so, dass durch die größere Anzahl der Medien Dinge mehr verbreitet werden. Es lauert nicht an jeder Ecke der Vergewaltiger. Fast alle Übergriffe geschehen im Familien- und Bekanntenkreis. Es ist nicht der Mann in dunkler Kleidung, der zuschlägt, sondern eher der Onkel von nebenan.
„Aktenzeichen XY“ ist der Ursprung von True Crime. Ein nicht enden wollender Trend, oder?
Rudi Cerne: Ich bin da sehr selbstbewusst. Ich denke, dass „Aktenzeichen XY“ großen Anteil an diesem Hype hat. Auch in der TV-Branche haben sich viele daran versucht, das gelingt mal mehr und mal weniger. „Aktenzeichen XY“ ist da die Nummer Eins, die Mutter aller True-Crime-Sendungen.
Es gibt inzwischen auch einen „Aktenzeichen XY“-Podcast – wie war es für Sie, dieses Genre zu durchdringen?
Rudi Cerne: Das war ein neuer Schritt. Das Tolle daran, über die TV-Sendung hinaus über diese dramatischen Verbrechen zu reden, ist, dass wir viel mehr Zeit haben. Und wir müssen auch da auf jedes Wort achten, da kann man sich nicht einfach verplappern, die Fakten müssen stimmen. Es ist sehr spannend, mit den Ermittlern zu reden, abzuschweifen. In die Ermittlungsarbeit einzutauchen, das ist für mich das neue Erlebnis.
Hätten Sie sich als Kind, das im Eiskunstlaufen erfolgreich war, je vorstellen können, am Ende beim TV zu landen?
Rudi Cerne: Nein, niemals. Das ging immer häppchenweise. Mein erstes Interview habe ich in Oberstdorf 1970 gegeben, als ich elf Jahre als war und Deutscher Juniorenmeister wurde. Und dann hatte ich Kontakt mit TV-Persönlichkeiten, diesen Berühmtheiten, die ich nur aus dem Fernsehen kannte. Hans-Joachim Rauschenbach, Werner Schneider vom ZDF, Eberhard Figgemeier. Und ich dachte: „Mensch, die gibt es ja wirklich!“ Und irgendwann später kam Addi Furler, eine Moderatorenlegende, und sagte: „Hören Sie mal, Sie reden sehr gut, sind eloquent. Können Sie sich nicht vorstellen, dass zum Beruf zu machen?“ – Sofort und unbedingt! Ich wollte es dann von der Pike auf lernen, und das hat geklappt.
Und so nahm es seinen Lauf …
Rudi Cerne: Als das Angebot kam, „Aktenzeichen XY“ zu moderieren, habe ich lange überlegt. Es war der totale Kontrast zu allem, was ich vorher gemacht habe. Der ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke, der mir das Angebot unterbreitete, sagte zu mir: „Herr Cerne, das ist 20.15 Uhr, große Bühne, großer Vorhang!“
Rudi Cerne: Eiskunstlauf-Meister wird TV-Moderator
- Rudi Cerne, geboren am 26. September 1958 in Wanne-Eickel, ist Sportjournalist und TV-Moderator. Nach seinem Abitur absolvierte er seinen Wehrdienst und studierte Sport und Biologie auf Lehramt, schloss das Studium aber nicht ab.
- Cerne war extrem erfolgreich im Einzel-Eiskunstlauf. Mit sechs Jahren begann er seine sportliche Karriere, gewann 1978 und 1980 die Deutschen Meisterschaften, 1984 wurde er Zweiter bei der Europameisterschaft in Budapest, wurde im selben Jahr Vierter bei den Olympischen Winterspielen.
- Danach lief er als Profi bei „Holiday on Ice“, parallel arbeitete er als freier Mitarbeiter beim WDR in der Sportredaktion und „Aktuelle Stunde“(1988), moderierte für die ARD Eiskunstlaufen bei Meisterschaften und Olympia, außerdem u. a. 1992 bis 1995 „Sport-Extra“ und die „Sportschau“ (beides ARD).
- Seit 2002 ist Cerne Moderator von „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ und diversen Spezialausgaben. Cerne ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt in Rodenbach.
Sie haben bei „3 nach 9“ mal gesagt, dass Sie früher eigentlich lieber Fußball gespielt hätten – wieso musste es Eiskunstlauf sein?
Rudi Cerne: Mein Vater war selbst ein sehr guter Eiskunstläufer, Jahrgang 1920, und musste in den Krieg nach Russland. Er ist dort mit 22 Jahren schwer verwundet worden, ein Bein musste amputiert werden. Damit war sein Traum zu Ende, bevor er richtig begonnen hatte. Er hat ihn in mir fortgesetzt. Und Anfang der 1960er-Jahre wurde gemacht, was der Vater gesagt hat, das war Gesetz. Aber ich bin ein Junge aus dem Pott, wer will da nicht Fußball spielen? Ich glaube, ich wäre auch nicht so schlecht gewesen. Aber das wollte mein Vater nicht. Es hat sich ja ausgezahlt.
Sie waren extrem erfolgreich. Sind Sie froh?
Rudi Cerne: Ja, es war gut, diese Entwicklung genommen zu haben. Es haben sich schnell Erfolge eingestellt. Ich glaube, ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich hatte Talent. Mir sind auch die Dreifachsprünge früh gelungen, und da trennt sich die Spreu vom Weizen. Zum Eiskunstlaufen gehören Stürze und Verletzungen – bei mir war es eine ausgekugelte Schulter und ein gebrochener Arm. Da die Zähne zusammenzubeißen und weiterzumachen, packt nicht jeder. Ich hab habe durchgehalten.
Stehen Sie heute noch auf dem Eis?
Rudi Cerne: Nein, überhaupt nicht. Es muss mittlerweile 15 Jahre her sein, da habe ich mir nochmal neue, richtig gute Schlittschuhe gekauft. Teuer. Die habe ich einmal für ein Servicestück fürs ZDF benutzt. Seitdem liegen sie unangetastet im Schrank …

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Rudi Cerne bei den Olympischen Spielen 1980 als Eiskunstläufer. Die Schlittschuhe hat er längst eingemottet.
Warum das?
Rudi Cerne: Ach. Die biologische Entwicklung schreitet voran. Ich stehe zwar noch ganz gut im Saft, aber Sprünge und Pirouetten gehören der Vergangenheit an. Meinen sportlichen Zenit hatte ich mit 25 Jahren. Das ist eine Weile her.
Die Zeit ist also vorbei?
Rudi Cerne: Ja. Es waren gute Zeiten, aber auch harte Zeiten. Heiligabend wurde bis 16 Uhr trainiert. Am zweiten Weihnachtstag fand das traditionelle Schaulaufen in Garmisch-Partenkirchen statt, zwei Wochen später die Deutschen Meisterschaften. Es war immer mit Stress verbunden. Vier bis sechs Stunden tägliches Training auf dem Eis sind kein Spaziergang.
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Zurück zu „XY“. Welcher Fall ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Rudi Cerne: Der Fall Levke Straßheim, 2004. Die Achtjährige aus der Nähe von Cuxhaven, die nach Hause kam und weil sie ihren Schlüssel in der Schule vergessen hatte, ein paar Minuten vor der Tür auf ihre Eltern wartete. Da wurde sie von einem Täter abgepasst, ins Auto gelockt, später sexuell missbraucht und getötet. Anschließend wurde sie im Wald abgelegt. Der Ermittler war dann bei uns im Studio. Das Mädchen, das in unserem Film Levke spielte, sah ihr zum Verwechseln ähnlich. Die runde Brille, die blonden Zöpfe. Das ging mir unter die Haut. Der Fall ist durch „Aktenzeichen XY“ aufgeklärt worden. Genauso wie der Karnevalsmord aus Köln. Das Opfer: Petra Nohl, damals 24 Jahre alt. 36 Jahre nach der Tat kam durch die Ausstrahlung der entscheidende Hinweis.
Rätseln Sie auch selbst über die Fälle?
Rudi Cerne: Ja, klar! Ich rätsele genauso wie der Zuschauer.
Wären Sie ein guter Ermittler?
Könnte sein. Ich war als Kind Krimi- und Westernjunkie. Ich bin mit „Bonanza“, „Rauchende Colts“ und Die Straßen von San Francisco groß geworden. Diese Serien hab ich verschlungen.


