Selenskyj im ZDF Deutliche Warnung an Olaf Scholz – „er muss sich entscheiden“

Wolodymyr Selenskyj am Montagabend im „heute journal“.

Wolodymyr Selenskyj am Montagabend im „heute journal“.

Deutliche Worte vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Im ZDF „heute journal“ warf er Bundeskanzler Olaf Scholz vor, zu viel Rücksicht auf Russland zu nehmen.

Es knirscht weiter im deutsch-ukrainischen Verhältnis. Immer wieder wird mehr Unterstützung aus der Ukraine gefordert. Schon allein die Frage nach einem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz wirft Fragezeichen auf. Eine Einladung von Wolodymyr Selenskyj gab es bereits vor Wochen. Scholz wolle jedoch nur kommen, wenn es konkrete Dinge zu besprechen gebe.

Das ist nun offenbar der Fall – so scheint es. Denn eine Kyjiw-Reise sei nun doch zeitnah angesetzt, heißt es in Berichten. Doch auf jetzt gibt es keine eindeutigen Aussagen dazu. „Ich glaube, der Regierungssprecher hat alles das, was wir jetzt zu diesen Themen sagen können, bereits gesagt“, sagte Olaf Scholz nach mehrfacher Anfrage. Die Sprecher der Bundesregierung haben die Berichte weder bestätigt noch dementiert.

Wolodymyr Selenskyj warnt Olaf Scholz im ZDF: „Darf kein Spagat versucht werden“

Doch noch vor dem Treffen (wenn es denn stattfindet) äußert der ukrainische Präsident nun offene Kritik. Die Beziehungen zwischen der deutschen und der ukrainischen Regierung seien „keineswegs schlecht“, erklärte Wolodymyr Selenskyj im Gespräch mit dem ZDF „heute journal“ am Montagabend (13. Juni).

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„Wir brauchen von Kanzler Scholz die Sicherheit, dass Deutschland die Ukraine unterstützt“, betont Selenskyj und warnt: „Er und seine Regierung müssen sich entscheiden: Es darf kein Spagat versucht werden zwischen der Ukraine und den Beziehungen zu Russland.“

Er warf dem Bundeskanzler vor, noch immer zu viel Rücksicht auf Russland zu nehmen. Der Krieg könne nur von Russland beendet werden. Dazu müsste die Situation der Ukraine so gestärkt werden, dass die Verluste für das russische Volk spürbar sind. Er könne derzeit nicht zu Kompromissen bereit sein.

Selenskyj im ZDF „heute journal“: Deutschland hinkt hinterher

Deutschland habe wesentlich später als andere Staaten begonnen, die Ukraine militärisch zu unterstützen, kritisierte Selenskyj. „Deutschland ist etwas später als einige unserer Nachbarländer dazugekommen, was die Waffenlieferungen angeht. Das ist eine Tatsache“, so der Präsident.

Die USA, die Slowakei, Polen, Großbritannien „waren die ersten, die geliefert haben, Bulgarien und Rumänien haben auch geholfen“, ebenso die baltischen Staaten., Deutschland und Frankreich hätten zwar politisch und rehetorisch die Ukraine unterstützt, „aber damals am Anfang des Krieges brauchten wir nicht die Politik, sondern die Hilfe“.

Inzwischen seien sie „Gott sei Dank“ dazugekommen, um zu helfen. Über den Umfang der Waffenhilfe aus Deutschland wollte Selenskyj keine Aussage machen.

ZDF „heute journal“: Selenskyj wirft Scholz falschen Ansatz vor

Der deutsche Bundeskanzler müsse eine Position einnehmen und nicht suchen, wo es am wenigsten weh tut in den Beziehungen zu Russland und der Ukraine. Dieser Ansatz sei falsch.

Auf die Frage, ob er für einen Frieden Gebietsabtretungen der Ukraine für ihn denkbar seien, antwortete Selenskyj: „Wir sind auf dem eigenen Boden, das ist unser Volk, das ist unser Territorium und es tut sehr weh, Menschen zu verlieren, das ist so, aber wir werden alles verlieren, wenn wir Russland in diesem Krieg unterlegen sind“, sagte der Präsident.

Er versuche nicht, „irgendwie zu einem Abkommen zu gelangen, wir wissen genau, was wir tun, ich betone, wir haben keine Zweifel, wir sind nur dann bereit, Gespräche zu führen, wenn die andere Seite bereit ist, dem Krieg ein Ende zu legen. Wir haben keine Zeit für Gespräche, die nichts bringen.“ (jv)

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