„Unglaublich gefährlich“ Russland hat weltweit die meisten Atomwaffen – kann Putin über Einsatz entscheiden?

Auch wenn Putin nicht den alleinigen Befehl geben kann, das Wissen um die Atommacht Russlands ist besorgniserregend. Kein Land der Welt hat mehr nukleare Waffen als Russland.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Wort Atomwaffen bisher zwar nicht explizit ausgesprochen. Aber die von ihm befohlene Alarmbereitschaft für „Abschreckungswaffen“ ist weltweit als Drohung mit dem atomaren Arsenal verstanden worden.

Sie erfolgte einen Tag, nachdem sich die westlichen Verbündeten auf weitere harte Wirtschaftssanktionen verständigt haben – und Deutschland als einer von inzwischen zahlreichen Nato-Staaten Waffenlieferungen in die Ukraine ankündigte.

Russland hat weltweit die meisten Atomwaffen – auch mehr als USA

Beängstigend: Russland verfügt über 6255 Atomsprengköpfe. So viel hat kein anderes Land auf der Welt.

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Die USA kommt auf 5550 Sprengköpfe, Frankreich hat 290, Deutschland hat gar keine Atomwaffen. Um einen Sprengkopf einzusetzen, braucht es Trägersysteme, also Raketen. Von solchen Raketensystemen hat Russland 320, zusammen können sie 1181 Sprengköpfe transportieren.

Wie der Nachrichtensender ntv berichtet, habe der Großteil der Sprengköpfe keinen festen Standort in Russland. 558 Sprengköpfe sind mobil, sie werden regelmäßig verlagert. „Die sind flexibel, die kann man verstecken“, so Marina Henke, Professorin für Internationale Beziehungen.

Russland verfügt über Raketen aller Reichweiten. Die mit Atomsprengköpfen bestückbaren Langstreckenbomber lässt Putin schon seit Jahren immer wieder um den Erdball kreisen. Die Interkontinentalraketen fliegen über 10.000 Kilometer. Die Sarmat-Interkontinentalraketen ( NATO-Codename: SS-X-30 Satan 2) haben 18.000 Kilometer Reichweite. Damit kann Russland sowohl über den Nord- als auch über den Südpol angreifen und Ziele weltweit erreichen.

Die USA und auch Europa sind für die Atombomben daher sehr leicht erreichbar.

Strategische Nuklearwaffen „unglaublich mächtig und gefährlich“

Man unterscheidet zwischen taktischen und strategischen Nuklearwaffen. Mit strategischen kann man ganze Städte und Landstriche zerstören, lediglich mit einer einzigen Bombe. Henke: „Die sind unglaublich mächtig und unglaublich gefährlich.“ Die taktischen sind kleiner und zerstören im Vergleich nicht so viel, erklärt die Expertin.

Den alleinigen Befehl für eine Atombombe kann Wladimir Putin nicht geben. Russland hat anstelle eines roten Knopfes drei Atomkoffer. Neben Putin, haben der Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie der Generalstabschef der Streitkräfte, Waleri Gerassimov, einen Koffer. „Dieses System dient als Absicherung gegen einen beliebigen Fehler bei der Anwendung von Atomwaffen“, sagt Militärexperte Boris Solowjow. Das genaue Prozedere ist nicht bekannt.

Russlands Atomwaffen: Putin spricht von „Selbstverteidigung“

Um russische Nuklearwaffen zu zünden, reichen zwei der drei Koffer. Konkret in Kampfbereitschaft versetzt wurden die strategischen Raketentruppen, die Nord- und die Pazifik-Flotte sowie die Fernfliegerkräfte. Als Grund nennt Putin „aggressive“ Äußerungen von Führungspersönlichkeiten der Nato-Staaten.

Er spricht von „Selbstverteidigung“ des Landes. Aus russischer Sicht handelt es sich um eine defensive Maßnahme für den Fall, dass die USA von ihrem in der Militärdoktrin verankerten Erstschlagrecht Gebrauch machen. Putin erinnert immer wieder daran, dass die USA schon Atomwaffen gegen Städte eingesetzt hätten, Russland dagegen nie. (jba, mit dpa)

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