US- und europäische Vertreter rechnen inzwischen mit einem Krieg bis 2027. Putins Plan für die nächsten sechs Monate: Angriffe auf Strom und Heizung. Wie dramatisch die Lage werden könnte, war bereits im vergangenen Winter zu sehen, auch in Kölns Partnerstadt.
Auch der Westen wappnet sichBericht: Putin setzt bald seine wirkungsvollste Waffe ein

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Der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen am 7. September im Kreml.
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Als in Dnipro in klirrender Kälte das Licht ausging, war es still. Kein Aufzug, keine Heizung, kein warmes Wasser – nur das Brummen der Generatoren in den Höfen. Hunderttausende Menschen, die sich in ihren Wohnungen ohne Strom aneinanderdrängen.
Kölns Partnerstadt am Dnipro-Fluss hat im vergangenen Winter erlebt, was es heißt, ohne Strom und Wärme ausharren zu müssen, nachdem russische Angriffe die Energieversorgung der Region in eine katastrophale Lage gebracht hatten. Dieses russische Kriegsmittel wird wohl auch in diesem Winter vielerorts zum Einsatz kommen, legen Berichte nahe.
Putins wirkungsvollste Waffe in wenigen Monaten: die Kälte
Denn der russische Präsident Wladimir Putin setzt in wenigen Monaten offenbar auf seine wirkungsvollste Waffe: die Kälte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ plant Moskau für die kommenden sechs Monate neue Angriffe gegen die ukrainische Energie- und Heizinfrastruktur.
Putins Ziel: das Leben für die Zivilbevölkerung unerträglich machen. Parallel dazu wolle der Kreml hybride Angriffe und politische Einflussnahme in Europa verstärken, um die Unterstützung für Kiew zu untergraben, heißt es in dem Bericht.

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Den Sondergesandten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitrijew (links), im Gespräch mit den Gesandten von US-Präsident Trump, Steve Witkoff (r.) und Jared Kushner (2.v.l) sowie dem außenpolitischen Berater des Kremls, Juri Uschakow.
Putin saß stundenlang lang mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner im Kreml zusammen. Danach reisten die beiden weiter nach Kiew. Einen Durchbruch brachten die Verhandlungen nicht. Nach Angaben europäischer Vertreter zeigte Putin keinerlei Bereitschaft, seine Position aufzuweichen – obwohl Washington zuvor signalisiert hatte, dass neue Ideen nötig seien, um die festgefahrenen Gespräche wiederzubeleben.
Es wird deutlich: Der Kreml-Chef spielt auf Zeit. Er wette darauf, im nächsten Frühjahr erstarkt aus dem Winter zu kommen, während er Russlands zunehmend angespannte Wirtschaft über Wasser hält, sagte eine mit der Sache vertraute Person „Bloomberg“. Ernsthafte Verhandlungen seien vor dem nächsten Jahr unwahrscheinlich. US-amerikanische und europäische Regierungsvertreter stellen sich inzwischen darauf ein, dass sich der Krieg über 2026 hinaus bis ins Jahr 2027 zieht.
„Der Krieg geht im Winter weiter“
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj macht sich keine Illusionen. Nach den Gesprächen mit Witkoff und Kushner sowie den Sicherheitsberatern aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland sagte er: „Wir hoffen sehr, dass wir Vereinbarungen mit unseren amerikanischen Partnern erreichen können, und wir zählen auf die Unterstützung unserer europäischen Partner, wenn der Krieg im Winter weitergeht – und so sieht es im Moment aus.“
Die Ukraine sucht ein Hilfspaket, das Luftverteidigung und Energieversorgung abdeckt, inklusive Flüssigerdgas aus den USA.

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Dieses Foto zeigt Rauch, der nach einem massiven russischen Raketenangriff in Kiew am frühen Morgen des 8. September aufsteigt.
Wie ernst die Lage ist, zeigte die Nacht zum 8. September. Bei einem massiven russischen Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew starben drei Menschen, mehr als ein Dutzend wurden verletzt. Es brannte in mehreren Stadtteilen. Eine russische Angriffsdrohne traf das Gebäude des Fernsehsenders „My - Ukrajina“ („Wir sind die Ukraine“) – mitten in der laufenden Sendung.
Fast gleichzeitig erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Medien: „Russland erwartet die Wiederaufnahme trilateraler Gespräche zwischen Russland, den Vereinigten Staaten und der Ukraine. Russland ist offen für eine friedliche Lösung des Konflikts in der Ukraine.“ Und behauptete, Kiew wolle das Kriegsende nicht – „sonst wäre der Krieg längst vorbei“.
Der diplomatische Stillstand setzt Europa unter Druck, die ukrainische Luftverteidigung vor dem Winter zu verstärken. Großbritannien kündigte am Dienstag weitere 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen US-Dollar) Militärhilfe an. Deutschland bereitet eine dringende Lieferung von Patriot-Abfangraketen aus eigenen Beständen vor, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mitteilte. (mg)
