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Angriff nur inszeniertNach Schüssen bei Trump-Dinner kursieren wilde Theorien

Was, wenn doch? Trump und die Verschwörungserzählungen

Copyright: Jose Luis Magana/AP/dpa

Der US-Präsident und die Verschwörungserzählungen: Immer wieder wird spekuliert.

Nach Schüssen bei Dinner: Wilde Verschwörung um Donald Trump

Eine vermummte Gestalt hockt vor einer Kamera in einem finsteren Zimmer. Immer wieder fällt ein bestimmter Name: Cole Allen. Mit gelassener Stimme listet die Person angebliche Fakten und Verbindungen auf. Ein Fazit wird nicht geliefert – das soll sich aus dem kurzen Clip auf Instagram von allein erschließen. Die Botschaft: Bei der Schießerei während des Korrespondentendinners in Washington steckt eine verborgene Wahrheit dahinter. So wird das Universum von US-Präsident Donald Trump um einen weiteren Verschwörungsmythos erweitert.

In den letzten Tagen sind massenhaft vergleichbare Clips mit unterschiedlichen Geschichten in den sozialen Netzwerken erschienen. Manchmal sieht man die Sprecher – häufig Männer –, in anderen Fällen hört man eine computergenerierte Stimme. Ein Post auf X, der über drei Jahre alt ist und lediglich den Namen des Schützen, Cole Allen, beinhaltet, wird als vermeintlicher Beleg angeführt. Für jene, die es glauben wollen, ist die Sache sonnenklar: Hinter dieser Schießerei verbirgt sich mehr!

Die Psychologie hinter den Mythen

Komplotterzählungen „appellieren an unsere urmenschliche Intuition, hinter den Dingen Muster, Intention und Plan zu unterstellen“, erläutert der Psychologe Roland Imhoff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Diese "hyperactive agency detection" hilft uns, unsere soziale Umwelt besser zu verstehen, aber auch die Welt als kontrollierbar wahrzunehmen.“

Der Hochschulprofessor stellt eine Parallele zu traditionellen Handlungssträngen her, von antiken Tragödien bis hin zu Hollywood-Krachern: „Es gibt Schurken, die sinistre Pläne verfolgen (und schuld sind am beklagenswerten Zustand der Welt), denen aber Heldinnen und Helden das Handwerk legen können.“ Die britische Psychologin Karen Douglas von der University of Kent meint, dass prinzipiell „jeder unter den richtigen Umständen anfällig für Verschwörungstheorien sein kann“.

Was, wenn doch? Trump und die Verschwörungserzählungen

Copyright: William Lang/FR172065 AP/AP/dpa

Die Schüsse in Washington verleiten viele Menschen zu teils abstrusen Annahmen.

Die Story vom vorgetäuschten Angriff

Die Geschichte, die momentan wohl am weitesten verbreitet ist, lässt sich einfach zusammenfassen: Die Attacke des einzelnen Täters, der mit einer Waffe in den Festsaal eindringen wollte, sei nur eine Inszenierung gewesen. Teilweise wird sogar ein Bezug zu Israel hergestellt. Die Kontrahenten von Trump unter den Urhebern der Mythen sind überzeugt, der US-Präsident beabsichtige, von seiner gescheiterten (Kriegs-)Politik abzulenken und seine Popularität zu verbessern. Bei den Midterm-Wahlen in den USA am Jahresende geht es für Trump um sehr viel.

Die amerikanische Firma Newsguard, spezialisiert auf Desinformation und die Bewertung der Glaubwürdigkeit von Online-Nachrichtenquellen, registrierte direkt nach dem Vorfall allein auf X 80 Millionen Views für Posts, die diese Story vom „staged shooting“ kolportieren. Das Tempo verblüffte sogar Trump selbst. „Normalerweise dauert es etwas länger. Normalerweise warten sie etwa zwei oder drei Monate, bevor sie so etwas sagen“, äußerte er gegenüber dem Sender CBS.

Die Gefahr der rasanten Verbreitung im Netz

Imhoff bezeichnet die rasante Zirkulation als ein Risiko. „Wenn Verschwörungserzählungen zu einem Ereignis vor die eigentliche Meldung kommen, also das Erste sind, was ich zu einem Ereignis lese, dann kommen sie in die privilegierte Position des zuerst Gehörten“, erklärte der Psychologe. „Das hat häufig einen Vorteil bei der Erinnerung, aber auch der folgenden Verarbeitung von Informationen, die vor dem Hintergrund des bereits Gehörten aufgenommen und gewichtet werden.“

Auch die Anhänger von Trump mischen bei der Interpretation der Rätsel mit, die um den Schützen gesponnen werden. Sie können jetzt auf die Widersacher deuten und unterstellen, dass mit den Komplotterzählungen gezielt versucht wird, dem US-Präsidenten zu schaden. Ein Mythos stützt den nächsten, was zu einer unendlichen Reflexion der Anschuldigungen führt. Das ist für Trump nichts Neues – selten kommt eine solche Erzählung allein.

Ein endloses Netz aus Theorien und Lügen

Zum Anschlag auf den damaligen Anwärter auf die Präsidentschaft im Juli 2024, woraufhin sich Trump mit blutender Wunde am Ohr zum großen Leader aufschwang, existieren ebenfalls zahllose Posts. Inzwischen wird sogar ein Zusammenhang mit dem Schützen aus Washington hergestellt.

Komplotte werden ebenso über den fatalen Angriff auf Trumps Befürworter Charlie Kirk im September 2025 gestreut. Doch es geht nicht immer um Schüsse. Die Urheber von Verschwörungsideen nehmen sich auch die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor – genauso wie den Skandal um den Sexualverbrecher Jeffrey Epstein, der jeden Tag neue Mutmaßungen hervorruft.

Was, wenn doch? Trump und die Verschwörungserzählungen

Copyright: Evan Vucci/AP/dpa

Auch nach dem Anschlag auf Trump 2024 wurden etliche Verschwörungserzählungen verbreitet. (Archivbild)

„In sozialen Medien ist es leicht, Verschwörungstheorien zu finden und zu verbreiten. Menschen, die sich dafür interessieren, stoßen fast sofort darauf“, äußerte die Psychologin Douglas. „Sind Verschwörungstheorien erst einmal im Umlauf, lassen sie sich nur schwer eindämmen – besonders dann, wenn einige Fakten noch unbekannt sind.“

Gefördert werden diese Mythen durch das teilweise bizarre persönliche Umfeld des US-Präsidenten sowie durch seine eigene Wesensart. Trump selbst streut abenteuerliche Geschichten, beispielsweise über den Klimawandel und die vorherigen Administrationen von Barack Obama und Joe Biden.

Der US-Präsident mobilisiert seine Gefolgschaft „vor allem durch Polarisierung und Dämonisierung seiner Gegner“, so Imhoff. Fachleute mahnen angesichts der Bedrohung durch nicht absehbare Konsequenzen. Verschwörungsmythen „können Menschen von der etablierten Politik und Wissenschaft abwenden und hin zu extremeren politischen Ansichten und wissenschaftsfeindlichen Einstellungen führen“, warnte Douglas. „Für manche mögen sie unterhaltsam und harmlos erscheinen, doch in vielen Fällen sind sie potenziell deutlich gefährlicher.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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